Anzeige

Gelten die Ansprüche an Logik und Beweisbarkeit für die Spiritualität wirklich nicht? Sind die alten Lehren wirklich heilig, ewig und in Stein gemeißelt? Oder gibt es in der Spiritualität genau wie in der Wissenschaft gar keine endgültigen Wahrheiten, sondern nur einen ständigen Prozess der Verfeinerung und Evolution? Gibt es die Möglichkeit zu einer spirituellen Wissenschaft?

Logik und Wissenschaft: Fundamente der westlichen Zivilisation

Logik ist das Bemühen, durch intellektuelle Untersuchungen ein geordnetes, systematisches und wohlbegründetes Verständnis der Wirklichkeit zu bekommen. Da die westliche Gesellschaft einen sehr forschenden und objektorientierten Geist besitzt, ist es nicht verwunderlich, dass sie die Logik als Richtlinie angenommen hat. Logik wurde in den alten Zivilisationen wie Indien und China immer weiter kultiviert, erreichte im alten Griechenland erstaunliche Größe (wo sie schließlich von Aristoteles formalisiert wurde) und ist schließlich zur Grundlage des wissenschaftlichen Strebens im Westen geworden.

Die Wissenschaft, der Fundus verlässlichen Wissens – dessen, was logisch und rational erklärt werden kann – hat sich in den letzten fünfhundert Jahren als vibrierender Kern des westlichen Geists etabliert. Ohne Logik, ohne die Fähigkeit, die Gültigkeit von Beweisführungen und die Formen von Argumentationen zu hinterfragen, gäbe es keine Grundlage dafür, Annahmen mit Hilfe von Experimenten und empirischer Beobachtung zu überprüfen.

Logik – ein spirituelles Tabu?

Obwohl die Logik historisch betrachtet in verschiedenen Schulen spirituellen Denkens praktiziert wurde – Sokrates beispielsweise war ein großer, rationaler Mystiker – ist die Logik in den Welten des New Age nicht sonderlich willkommen. Der Begriff ‘rationaler Mystizismus‘ mag für ein vom New Age geprägtes Ohr wie ein Widerspruch in sich klingen. Sorgfältige und systematisch aufgebaute Behauptungen und stichhaltige intellektuelle Beobachtungen scheinen kein wesentlicher Bestandteil der spirituellen Reise zu sein, weder für ihre Sprecher, noch für die Zuhörer. Es gibt sogar einen gewissen Stolz darauf – als wäre das Spirituelle über das Rationale erhaben, als ob ein transrationales Sein (das jenseits von gewöhnlichem, linearen Denken ist) sich nicht mehr um kleine Details wie Vernunft und Stimmigkeit kümmern müsste.

Die Logik und das spirituelle Wesen, so sagen unsere spirituellen Ältesten, stehen auf irgendeine Weise im Gegensatz zueinander und stimmen nur gelegentlich und zufällig überein. Logik ist definitiv keine unbedingte Forderung, weder für die individuelle Transformation, noch für die geistige Evolution im großen Maßstab.

Tatsächlich wird jeder, der seine ersten Schritte auf dem spirituellen Pfad macht, dazu angeleitet, seinen ‚Kopf‘ loszulassen und in sein ‚Herz‘ zu fallen; westliche Suchende werden gutmütig und mitfühlend dafür geneckt, dass sie ständig ‚verstehen‘ wollen, was ‚jenseits des Verstehens‘ liegt. Wir verwechseln leicht den ‚Kopf‘ repetitiver psychologischer Gedanken (die eigentlich nichts anderes als verkleidete Gefühle sind) und den arroganten und listigen Verstand mit dem ‚Kopf‘, der auf wache Weise hinterfragt, der den Dingen auf den Grund gehen will und in einer Kultur, die seit mehr als fünfhundert Jahren vom wissenschaftlichen Geist regiert wird, zu recht auf systematische Stimmigkeit besteht.

Man kann sich kaum den unbewussten Schrecken eines spirituellen Meisters vorstellen, der es mit einem forschenden Geist zu tun bekommt, der auf jeden offensichtlichen Widerspruch in seiner Lehre lauert – und der dafür die automatischste aller Antworten bekommt: „du musst dich einfach hingeben“ oder „lasse deinen Verstand still werden und sei im Hier und Jetzt“…

Die verbreitete Annahme lautet, das Mystische müsse seinem Wesen nach Abstraktionen mit sich bringen – Worte können es niemals ‚beschreiben‘ oder ihm ‚gerecht werden‘, was in gewisser Hinsicht auch stimmt. In vieler Hinsicht ist es aber doch vollkommen möglich, ein recht umfassendes und strukturiertes spirituelles Wissen zu erlangen, in dem es keine flüchtigen, quasi romantischen Widersprüche gibt; es ist auch möglich, die Bedeutung und Schlussfolgerungen aus jedem transzendenten Erlebnis klar zu interpretieren.

Wie wahr sind innere Wahrheiten?

Eine weitere unlogische Tendenz ist es, dem subjektiven Erleben unverhältnismäßige Bedeutung zuzuschreiben, als wäre sie die eigentlich „objektive“ Realität (zum Beispiel ‚die Welt ist Illusion‘), während gleichzeitig vollkommen die Tatsache vernachlässigt wird, dass alles subjektive Erleben in einem objektiven und beobachtbaren Universum und als Teil eines weiträumigen Prozesses stattfindet. Wir neigen dazu, dem nicht-empirischen subjektiven Erleben einen höheren Wert zuzuschreiben, wie etwa der Intuition, dem ‚Bauchgefühl‘ und innerlichen Visionen, als müssten sie alle einfach deswegen wahr sein, weil wir darauf vertrauen, dass sie es sind. Sorglos stützen wir unbegründete Annahmen, die eindeutig keinen logischen Bezugsrahmen haben; Glauben und Vertrauen reichen aus, um etwas ‚wahr‘ sein zu lassen, und so geben wir sehr vielen relativen ‚Wahrheiten‘ den Wert des Absoluten – ganz besonders, wenn uns diese Wahrheiten von ‚unanzweifelbaren‘ Autoritäten gegeben werden. Absolutismus und Abstraktionen bieten definitiv gute Möglichkeiten, forschende Diskussionen zu vermeiden.

Wer sich selbst aber der Kohärenz verpflichtet, handelt sich unausweichlich den Ärger gnadenloser Selbstprüfung ein. Die Erkenntnis, dass unsere subjektiven Gefühle nicht ausreichen, um irgendetwas für gültig zu erklären, führt zu dem Schluss, dass wir unser Wissen um die Wirklichkeit niemals ganz kritiklos stehen lassen können.

Wenn wir unseren logisch-objektiven Verstand unterdrücken, finden wir uns in der nebligen Welt des Abstrakten, ungeprüften Glaubens und unfundierter Ideen gefangen. Selbstverständlich steht dies der Evolution unserer New-Age-Bewegung im Weg. Indem wir dem wissenschaftlichen Geist den Rücken zuwenden, verhindern wir sein segensreiches Eindringen in die spirituelle Welt, was aber den größten aller Entwicklungssprünge ermöglichen könnte. Wir sollten daher an dieser Stelle vier wichtige Möglichkeiten betrachten, mit deren Hilfe ein logischer und wissenschaftlicher Geist die Spiritualität bereichern kann.

Geistige Evolution durch Logik

Ein sehr wichtiges Merkmal des wissenschaftlichen Geists ist die unermüdliche Destabilisierung von Paradigmen: Selbst hochgeschätzte Paradigmen, die über hunderte von Jahren mit wachsender Gewissheit kultiviert wurden, können auf einen Schlag angesichts eines neuen Beweises oder einer genialen Einsicht zusammenbrechen. Natürlich wird dies durch das ehrwürdige und bescheidene Wissen ermöglicht, dass die Suche nach Wahrheit ihrem Wesen nach endlos ist. Egal, als wie weit fortgeschritten wir uns empfinden, „was uns heute wie ein Ganzes vorkommt, kann morgen schon als bloßer Teil erscheinen“ (Ken Wilber).

So fiel das hochgeschätzte Newton’sche Universum teilweise in sich zusammen, als Einstein seine bahnbrechenden Theorien einführte, aber Einsteins eigenes Sehnen nach einer einheitlichen Feldtheorie wurde vom Aufkommen der Quantenphysik (neben anderen Faktoren) unterlaufen. Es ist eine der Wissenschaft innewohnende Tatsache, dass eine bestimmte Kraft für eine Zeit Auftrieb hat, bis sie eine andere überwältigt, da diese mehr Wahrheit enthält – es gibt einen ständigen ‚Wettstreit‘, der die jeweils frühere Wahrheit nicht nur untergräbt, sondern auch nur das übrig lässt, was stabil genug ist, um darauf aufzubauen. Eine unendliche Reise zu einer alles umfassenden Theorie facht das ohnehin schon brennende Herz jedes neuen Wissenschaftlers an.

Enttäuschenderweise gilt dies bei weitem nicht für Spiritualität. Spirituelle Ideen werden verehrt, manchmal tausende von Jahren lang. Was sie unberührt bleiben lässt, ist die Annahme, dass ihre Wahrheit ewig ist, das etwas, das vor zweitausend Jahren wahr war auch in zweitausend Jahren noch wahr sein wird. Daraus folgt, dass man das Paradigma an sich nicht mehr hinterfragen kann, da ein hohes Alter Beweis genug für eine ewige Wahrheit sei. Diese Annahme ist recht verblüffend, da das subjektive Erforschen der Mysterien des Lebens – genau wie die Wissenschaft – bei Weitem nicht ausreicht, um unseren hungrigen Geist ganz zu sättigen. Wenn wir aufmerksam zuhören, können wir vielleicht den Ruf des universellen Geists hören – er fordert uns auf, erschreckend gefährliche Fragen zu stellen, die das gesamte spirituelle Paradigma auf den Kopf stellen könnten!

Spiritualität und spirituelle Erleuchtung sollten waghalsigen Fragen ausgesetzt werden, genau wie alle anderen Felder menschlichen Wissens auch. Der Glaube, dass wir keine mutigen Urteile fällen, oder revolutionäre Unterscheidungen treffen sollten – weil der Gebrauch unseres Kopfes uns das Ziel verfehlen ließe – ist ein gewaltiges Hindernis auf dem Weg.

 

Es gibt keine endgültige Wahrheit

Dies ist auch der Grund, aus dem jede Versammlung spiritueller Autoritätspersonen so hoffnungslos sinnlos erscheint: Anders als Wissenschaftler, die wissen, dass sie alle das fortdauernde Suchen nach der vollständigen Wahrheit gemeinsam haben, und daher in der Lage sind, fruchtbare Dialoge zu führen, sind spirituelle Lehrer davon überzeugt, dass sie die absolute Wahrheit bereits gefunden haben, warum also sollten sie eine Diskussion führen? Ihre Lehren sind bereits eloquent ausgearbeitet, und sowieso geht alles, was sie denken oder sagen aus der absoluten Wahrheit hervor, in die sie ganz versunken sind.

Der einzige Weg aus dieser misslichen Lage ist ein Loslassen der Vorstellung, dass man die endgültige und letzte Wahrheit erreicht hat, da alles, was wir gefunden haben, dem Wesen unseres Gehirns nach eine beschränkte und relative Erkenntnis sein muss. Man sollte nicht die Erkenntnis des göttlichen Selbst mit der alles umfassenden Wahrheit über die Mysterien des Lebens verwechseln, in deren Licht alle spirituellen Wahrheit nichts als Theorien sind, und alle ‚endgültigen Erkenntnisse‘ nichts als geringe Einblicke.

In der Wissenschaft gibt es Axiome (Grundannahmen), die sich entwickeln, während die spirituelle Welt statische Axiome besitzt. Während es in der wissenschaftlichen Tradition leidenschaftliche Auseinandersetzungen gibt, bei denen ein gewisses Maß an Respekt herrscht, und zwar ausdrücklich zum Wohle des Fortschritts zur Wahrheit hin, betonen spirituelle Traditionen vor-modernes Wissen und unterliegen der Erwartung, dieses zu bewahren – den Nachfolgern ist es höchstens gestattet, die Terminologie und Rhetorik für neue Generationen anzupassen. Die Größe und Göttlichkeit der Vorväter wird so heilig gehalten, dass es schlicht unmöglich ist, weltbewegende neue Ideen zu formulieren oder auszusprechen (wer es doch tut, trennt sich von seiner Tradition ab).

Wenn wir die wissenschaftliche Tradition der Entwicklung unterstützen, soll uns dies nicht dabei helfen, uns einem großen Erbe zugehörig zu fühlen, sondern mit einem Kontinuum des Wissens in Verbindung zu stehen, auf das wir uns beziehen und dem wir neue Parameter und Aktualisierungen hinzufügen. Um dieses Zieles Willen sollten wir unsere New-Age-Bibliothek stark erweitern, und nicht nur das repetitive Yogi- und taoistische Wissen darin einschließen, sondern auch den summenden, Unruhe stiftenden Bienenstock westlicher Philosophen: Von Sokrates zu Nietzsche, von Foucault bis Einstein. So können wir ein neues Spektrum an Feinheiten von Farben und Reizen hinzufügen, auch jenseits östlicher Abstraktionen. Als Westler können wir uns über eine so prachtvolle Tradition unabhängiger Denker freuen und stolz darauf sein, und Kenntnisse auf diesem Gebiet können uns in vielerlei Hinsicht bereichern.

Spirituelle Wissenschaft

Allein das Nachdenken darüber, dass die New-Age-Bewegung sich zu einer authentischen westlichen Spiritualität wandeln und als Teil des westlichen philosophischen Wissen dienen könnte, mag von innen heraus eine ganz neue Energie anfachen. Tatsächlich könnte genau jetzt der richtige Zeitpunkt sein, unsere Spiritualität mit Philosophie zu verschmelzen und sie in eine Art ‚unmittelbare Seinslehre‘ zu verwandeln. In diesem Licht können spirituelle Lehrer als ‚unmittelbare Philosophen‘ gesehen werden, die auf der Grenze zwischen höherer Bildung und Mystik leben, und eine neue Generation spiritueller Anwärter kann frei zwischen Logik und Befreiung, Wissenschaft und subjektiver Erkenntnis treiben.

In der Wissenschaft wird alles ständig überprüft, und was auch immer sich durchsetzt ist das, was eine systematische Stimmigkeit beweist, die klar die systematische Stimmigkeit der Konkurrenten übertrifft. Das hehre Bestreben der Wissenschaft nach objektiver Beobachtung steht in starkem Kontrast zu der spirituellen Neigung, dem Subjektiven eine absolute Gültigkeit zuzuschreiben, und unterläuft so zu oft alle Bestrebungen, im Kontext eines großräumigen Prozesses gesehen zu werden (der Glauben und ‚innere Überzeugung‘ untergraben könnte).

Zum Wohle der Evolution sollten spirituelle Behauptungen und Methoden einer entschiedenen methodischen Auswertung und echten Tests unterzogen werden. Spiritualität darf und sollte es sich leisten, alles abzuschaffen, das diesen Tests nichts standhalten kann, sodass sie allmählich akademisch stabil, logisch geordnet, messbar und empirisch überprüfbar wird. Das empirische und klinische Testen von Behauptungen und Methoden ist ein großer Reinigungsprozess, der spezifische Werte und Einflussgrade aufdecken kann. Auf diese Weise bewegen wir uns schließlich fort von der flüchtigen und nebligen Welt der ‚Gefühle‘ und ‚inneren Überzeugungen‘ und entwickeln eine akkurate und makellose Wissenschaft des Bewusstseins, die ein ungeheurer Beitrag zur menschlichen Kultur sein wird.

Wenn man spirituelle Erleuchtung aus einer subjektiven Weltsicht heraus in eine authentische Wissenschaft hinein bewegt, ist dies ein sehr wirkstarker Wechsel. So kann zum Beispiel das Wissen um die Kundalini-Energie leicht geordnet werden, indem man die verschiedenen Modelle vergleicht, bis sich ein einheitliches Modell konsolidiert. Es gibt genug spannende Ähnlichkeiten, die wissenschaftliche Stimmigkeit erzeugen können, und wir müssen uns nicht vor den Widersprüchen fürchten, da Wissenschaft so funktioniert. Indem man nach der Versuch-und-Irrtum-Methode in einem begeisterten Prozess untersucht, was systematisch beständig ist, kann spirituelle Erleuchtung zu einem nicht-abstrakten, überaus nachweisbaren Phänomen werden.

Das Ende der Projektionen und Wunschvorstellungen

Dies führt uns zu einer letzten wissenschaftlichen Maxime, die uns wunderbar darin unterstützen kann, eine westliche Spiritualität herauszukristallisieren: In der Wissenschaft kann es sich niemand leisten, etwas zu sehen, nur weil er es sehen möchte. Um noch einmal auf Einsteins Lebensgeschichte zurückzukommen: In den letzten dreißig Jahren seines Lebens bestand er auf fast religiöse Weise darauf, dass das Universum von Regeln beherrscht werde, die beständig und allgemeingültig seinen. Daher strebte er hartnäckig danach, seine einheitliche Feldtheorie zu entwickeln, wenngleich es mehr und mehr Beweise für die Unberechenbarkeit der Quantenphysik gab – dennoch konnte er seinen Standpunkt nicht beweisen, egal, wie sehr er daran glaubte.

Eine Akzeptanz dieser strengen Regeln für das spirituelle Denken kann eine höhere Ebene des spirituellen Gebots ‚Sieh‘ die Dinge, wie sie sind‘ entwickeln: Wenn alle Behauptungen – egal wie ‚heilig‘ sie sind – schonungslos in einem logischen Kontext untersucht werden, wird eine intensive Reinigung beginnen und alle Verzerrungen, die aus dem Wunsch entstanden sind, etwas zu sehen, das nicht wirklich da ist, werden sich auflösen. Die verborgene Motivation, die uns zu ungeprüften Behauptungen hinzieht, wird ganz einfach enthüllt werden, nämlich als Überlebensimpuls, der uns dazu drängt, in allem, was passiert, Bedeutung und Bestimmung zu ’sehen‘; uns in selbsterdachten Heiligtümern aus Glauben, Hoffnung und Trost selbst zu verehren.

Intuition ist eine gute Sache, dennoch ist sie nur ein guter Anfangspunkt. Mit Hilfe von Intuition können wir logische Möglichkeiten korrekt erkennen, würdige Kandidaten, die zu einer stabilen, logischen Formel werden können. Aber dann muss die Intuition den Nebel aus Projektionen und Vorurteilen zerteilen, den das psychologische Bedürfnis, etwas zu ’sehen‘ geschaffen hat, und die stürmische und vehemente Prozedur der Überprüfung durchmachen, um die helle Welt reiner Logik zu erreichen. In einer solchen Welt kann man nicht einfach an beständige Kraft positiven Denkens, von Gebeten, Wundern oder alternativer Medizin ‚glauben‘ – da man wahrhaftig die Wahrheit kennen will, selbst wenn die Wahrheit einen nackt und in dunklem Raum zurücklässt.

Übersetzung aus dem Englischen von Theresa Bauerlein

 

Veröffentlichung Kapitel 11: 16.11.2012

Teil des Buches

„Das New-Age-Manifest“

von Shay Tubaly

erschienen online
bei editonSEIN

https://www.sein.de/editionsein/das-new-age-manifest.html

 

– – –
Im nächsten Artikel: Wie Darwins Evolution, die alle Grundlagen westlichen Denkens praktisch im Kern erschüttert hat, das gleiche mit unserer Spiritualität tun kann. Was passiert also tatsächlich, wenn wir Spiritualität in einen evolutionären Kontext tauchen, der sich ewig weiter entfaltet?

 

 

Bild: Bibel – Walter J. Pilsak, CC-by-sa

 

Autoren Info


Shay Tubaly

Shay Tubaly

ist ein spiritueller Lehrer aus Israel und Entwickler der White-Light-Methode. Shay lebt und arbeitet in Berlin.

 

http://www.thewhitelight.de

 

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

6 Responses

  1. Dieter

    @ Nir

    sehr richtig! im Altertum gab es Lepra und Pocken und heute dank dem Fortschritt und dank den Halbgöttern in Weiß haben wir noch mehr Krankheiten wie vor allem Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, AIDS, Diabetes, Karies, Depression, Burnout, Alzheimer, Rinderwahn, Schweinegrippe, EHEC, Bulimie, Borderline, Autismus, ADHS, Legasthenie, Schlafstörungen, Cellulitis, Osteoporose, Prostata, Dermatitis, Fibromyalgie, Zwangsneurosen und tausende Allergien und Phobien.
    Was für eine tolle Bereicherung 🙂

    Aber auch Impfungen sind erschaffen um uns krank und schwach zu machen.
    Informiere Dich bevor Du weiter einen Irrglauben verbreitest.
    http://www.aerzte-ueber-impfen.org/
    http://www.youtube.com/watch?v=i4QHxVRP0LQ

    Antworten
  2. Nir

    Früher hat man geglaubt, dass Krankheiten „göttliche Strafen“ waren, wenn ein Mensch oder eine Gemeinschaft sich falsch verhalten hat. Lepra war eine solche Krankheit – heute wissen wir, dass Lepra von einem Bakterium verursacht wird, im Labor ist dies überprüfbar. Seuchen wie Pocken sind ebenfalls als „vom Himmel gesandt“ betrachtet worden und sind mittlerweile durch bessere Hygiene und Impfungen ausgelöscht. Die religiös-mysthische Denkart glaubt nicht, dass unbekannte Dinge eine durchaus rationale und objektive Erklärung haben könnten. Wir können tatsächlich nicht alle Phänomene in der Welt erklären – aber der westliche Geist ist sicher auf dem besten Weg dahin. Ein genauer Blick wird noch mehr erkennen: eine Ähnlichkeit zwischen zeitgenössischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und tiefen spirituellen Erlebnissen. Auch die Vernunft ist eine Gehirnfunktion, die lediglich die momentane Entwicklung unseres Gehirns reflektiert – oder haben die Erkenntnisse der Quantenphysik nicht etwa das Paradigma der „Vernunft“ verändert und in Richtung einer „Quantenwahrnehmung“ der Realität verschoben, während man im Labor beobachten kann, dass ein einzelner Partikel gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten sein kann? Es ist interessant, dass ehrenwerte Personen wie der Dalai Lama, der aus der tibetischen buddhistischen Tradition kommt, danach strebt, yogische Erlebnisse zu entmystifizieren und in Gehirnscans zu kartieren. Sicher wäre eine „Wissenschaft der Spiritualität“ sehr nützlich, da Wissenschaft Verständnis bedeutet, Verständnis bedeutet Wissen und Wissen bedeutet, und das ist sehr wichtig, eine Möglichkeit Lösungen für bisher ungelöste Probleme zu finden.
    Objektivität hat jeden Teil unseres Lebens bereichert, in der Medizin und auch in anderen Bereichen angewandter Forschung. Ist es nicht wirklich an der Zeit, dass sie in den Bereich des Spirituellen eindringt?

    Antworten
  3. Anonymous

    Sicher tut der „Esoterik“ oder der Spiritualität ein Mehr an logischem Denken gut. Allerdings gibt es da ein paar Probleme:

    1) Die Logik sagt nur, wie man denken muss, nicht was man denken muss. Sie stellt nämlich leidiglich Schlussregeln auf. D.h. ausgehend von einem nicht logisch begründbaren Ausgangspunkt, kann man logisch weitere Aussagen ableiten.

    Woher aber stammt der Ausgangspunkt im Falle der Spiritualität? Offensichtlich aus dem subjektiven Erleben des Einzelnen. Da dies aber stets höchst individuell und schwankend ist, kommt man nie zu allgemeinen Ergebnissen.
    Dasselbe gilt anscheinend für alle Lebensfragen, weswegen auch die Philosophie nie zu einheitlichen Ergebnissen kommt und wir die Theorien des Aristoteles gleichberechtigt neben denen moderner Denker diskutieren.

    2) Die Wissensbereiche, die sich zu einer strenge wissenschaftlichen oder rationalen Überprüfung eignen, sind solche, die mit unserem Leben nur indirekt zu tun haben: Mathematik, Physik, vielleicht noch Biologie. Schon in der Medizin, mehr noch aber in Wissenschaften wie Ökonomie oder Soziologie kommt man nicht ohne Wertungen und ideologische Elemente aus. Was ist z.B. Gesundheit? Was eine funktionierende oder gar eine gerechte Wirtschaft? Und was wäre z.B. im Bereich der Spiritualiät eine wahre Erfahrung und was einfach Unsinn?

    3) Menschliche Erfahrungen kann man nicht messen, wie Tubaly es vorschwebt. Wie will er z.B. Liebe messen, wie Einsicht oder Weisheit? Wie die ethische Qualtität von Handlungen oder die Tiefe einer Erfahrung? Das Ganze klingt für mich etwas nach einer Formel zu Berechnung der Güte eines Gedichts. (Siehe den Film „Der Club der toten Dichter“)

    4) Viele spirituelle Erfahrungen verschließen sich einem logischen Ausdruck. So kann man z.B. die berühmte Nicht-Dualität, durch die offensichtlich eine bestimmte mystische Erfahrung ausgedrückt werden soll, im Rahmen der klassischen Logik nicht denken, denn etwas kann unmöglich zugleich eins sein und viele.

    Aus diesen Gründen halte ich das Projekt Tubalys, eine Art rationalen Test für spirituelle Behauptungen zu etablieren, für vollkommen undurchführbar. Es erwächst wohl einem verständlichen Unbehagen an einer völlig irrationalen Eso-Szene, in der die Vernunft gar nichts gilt. Man darf nun aber nicht den umgekehrten Fehler machen und die Vernunft überschätzen.

    Antworten
  4. Winnie

    Habe gerade die zwei letzten Kapitel dieses Manifestes schweren Herzens gelesen und bin von dem neuen Plan der New Age Bewegung direkt enttäuscht.
    Jedes Manifest trägt ohnehin schon etwas manisches, bedrohliches in sich, als ob man für irgendeine Idee auf die Kriegsfront gehen müsste. Ich kann es nicht begreifen, was solche Mittel in einer spirituellen Bewegung zu suchen haben.
    Die Stimmung in diesem Manifest ist auch so hart und trüb. Der finale Gedanke ist für meine Wahrnehmung direkt depressiv „In einer solchen Welt kann man nicht einfach an beständige Kraft positiven Denkens, von Gebeten, Wundern oder alternativer Medizin ‚glauben‘ – da man wahrhaftig die Wahrheit kennen will, selbst wenn die Wahrheit einen nackt und in dunklem Raum zurücklässt.“

    Für mich und meine Mitmenschen hat die Wahrheit eine ganz andere Qualität.
    Es ist unmöglich, dass die Wahrheit einen im Dunkeln zurück läßt, weil die Wahrheit objektiv gesehen alles hell erleuchtet und nichts verdunkelt. Die Wahrheit beleuchtet alles, auch die Unordnung und Lüge, um alles wieder in die göttliche Ordnung zu bringen.
    Spiritualität und Wissenschaft sind eigentlich getrennte Themen für sich.
    Es ist überhaupt sehr schwierig diese Disziplinen zu vergleichen, weil sie andere Voraussetzungen, andere Ziele haben und mit anderen Mitteln arbeiten.
    Beide Disziplinen sind nur zu begreifen, wenn sie getrennt behandelt werden wie zwei Gehirnhälften und wie die Polarität, aus welcher unsere Welt besteht.
    Ja wir alle bestehen aus Polarität und nicht aus Einheit, egal ob es uns gefällt oder nicht. Wir haben nicht die Macht die Polarität zu beseitigen und es ist sinnlos sie zu bekämpfen, weil wir uns nur selbst bekämpfen. Ich bin zuversichtlich, dass die Polarität für einen guten Zweck ist, Halleluja.

    Antworten
  5. hauke

    Für mich das spannendste Thema, das es überhaupt gibt. Ich warte sehnsüchtig auf Zeiten, in denen Wissenschaft und Spiritualität endlich MITEINANDER arbeiten, in denen dieser Gegensatz, der keiner ist, endlich aufgehoben wird. Ich hoffe, es passiert noch während meiner Lebenszeit…

    Antworten
  6. Peter

    Jahrelang hatte ich meine eigenen Vision darüber, was die Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität bedeuten könnte. Nur mit einer verwissenschaftlichen Spiritualität können wir unseren nächsten Schritt als Menschheit angehen. Es wäre für uns ein Sprung nach vorne – unerschöpfliche Energieressourcen könnten gefunden werden, die Struktur des Menschen besser verstanden werden. Wir wären gesünder und hätten eine neue, weitere und gesündere Verbindung zu unserer Erde und zum Universum. Ich könnte noch viel mehr über die Möglichkeiten schreiben….

    Antworten

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*