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Warum der Welt-bejahende Geist des Westens zu Materialismus verzerrt wurde, und warum unsere kommerzielle Dekadenz der westlichen Spiritualität ernsthaft geschadet hat.

Neuntes Kapitel aus „Das New-Age-Manifest“ von Shay Tubaly.

 

Die positiven Aspekte des westlichen Geistes

An diesem Punkt können wir bereits einige wertvollen Gaben der westlichen Kultur wertschätzen, welche die Grundsteine einer westlichen Spiritualität darstellen könnten.

Sie stattet uns zunächst mit einem wissenschaftlich-objektiv-logischen Verstand aus, zu dem auch die hocheffizienten Strukturen unserer philosophischen Tradition gehören (um diese wichtige Gabe wird es in den Kapiteln zehn und elf noch mehr gehen).
Das zweite große Geschenk der westlichen Kultur ist deren starke Betonung individueller Souveränität und der Freiheit des Einzelnen, sein eigenes Leben zu gestalten (wie ausführlich im fünften Kapitel beschrieben wurde).
Die dritte Gabe, die im siebten Kapitel beschrieben wurde, besteht in einer fortlaufenden Dynamik, die sich durch Eigenschaften wie Ehrgeiz und Motivation, Optimierung und Wandel, Wissensdurst und gesunden Skeptizismus, evolutionäre Spannung und eine schier unendliche Menge kreativer Vorhaben auszeichnet.
Eine vierte Inspiration aus der westlichen Kultur ist die Akzeptanz des materiellen Universums und eine wertschätzende und bejahende Haltung gegenüber dem materiellen Leben.
Die letzte Gabe schließlich besteht in der individuellen Psychologie (siehe vierter Artikel), die unbewusste Antriebe zu entschleiern hilft und so Blockaden löst, welche der Konsolidierung eines neuen, vielschichtigen Verständnisses von Erleuchtung im Weg stehen könnten.

Kommerz und Dekadenz

Alles hat jedoch seinen Preis: Die westliche Kultur wird scheinbar ewig von ihrer dunklen Seite überschattet, die äußerst zerstörerisch ist – vielleicht sogar schlimmer als zerstörerisch, da Zerstörung immer noch kreatives Potential in sich trägt – sie aber ist dekadent. Denn der Hang zum Individualismus geht in unserer Kultur mit einem Konsumstreben einher, mit Kommerzialität und Eklektizismus; diese fortwährende Dynamik beschwört eine Jagd nach endloser Optimierung, Bequemlichkeit und Bürgerlichkeit herauf. Die Freude an der materiellen Welt und die lebensbejahende Akzeptanz des materiellen Kosmos verwandeln sich dadurch in eine besessene Fixierung auf das Vergnügen und das Drama der objektiven Welt – was es sehr schwer macht, den Geist von der Welt der Beziehungen und externen Befriedung zu lösen.

Dieser facettenreiche Nachteil der westlichen Kultur, in der die Akzeptanz der Materie zu einer materialistischen Sicht des Lebens verzerrt wird, lässt uns verbraucht zurück, sehr wenig Energie ist für irgendeine Form der Transformation übrig, sei sie individuell oder kollektiv. Aus diesem Grund verlangt dieser Nachteil nach einer ganz eigenen Auseinandersetzung.

Die westliche Kultur akzeptieren

Aber zuvor ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass wir nicht von einer regressiven vor-modernen Fantasie mitgerissen werden sollten, die das Kommerzielle verachtet und Geld ablehnt. Schwächen werden nicht dadurch behoben, dass man sich den Zusammenbruch des ganzen Mechanismus herbeiwünscht – der Westen ist seinem Wesen nach materialistisch und daher wird auch seine Spiritualität mit Geld verbunden sein.

Ein Teil des Engagements in der westlichen Kultur ist die Pflege einer Kulturkritik; nur, wenn man sich isoliert, kehrt man der gesamten Struktur den Rücken und wünscht, dass sie sich ganz und gar auflösen möge. In der Annahme jedoch, dass wir unsere Kultur nicht länger zu vermeiden suchen, können wir den destruktiven Einfluss des westlichen Materialismus auf die zarte Entwicklung unserer Spiritualität genauer bestimmen.

Mega-Markt Spiritualität

Fangen wir mit dem Konsumstreben, der Kommerzialität und dem Eklektizismus an, die dem frei-wählenden Individuum wie ein Schatten folgen. Wie alle Dinge in unserer Kultur hat sich auch die Spiritualität in einen gewaltigen Mega-Markt zahlloser Möglichkeiten verwandelt, die alle wie Produkte präsentiert werden und versuchen, den Blick des überwältigten Konsumenten zu erhaschen.

Ehe man sich versieht, verschwimmen die Unterschiede zwischen den hintergründigen, hochstehenden Ideen radikal vielschichtiger Systeme und den oberflächlichen, ordinären Klischees vereinfachender (fast einfältiger) Methoden, da sie sich alle auf dem gleichen Regal türmen. Die über-großzügige pluralistische Vorstellung, das alles im Grunde ‚die gleiche und einzige Wahrheit‘ sei, macht es unmöglich, den Unterschied zwischen Gurdjieff und einem gewöhnlichen Werbetexter zu erkennen, der sein ‚Sei hier und jetzt!‘ ausruft. Der benebelte Wahrheits-Sucher wandert von hier nach dort, hebt mit einer Hand eine gewaltige Wahrheit auf und mit der anderen ein tröstendes Buch aus dem spirituellen ‚Flachland‘.

In dieser Atmosphäre ist es unausweichlich, dass das Höhere und Wahrere nicht nur schwerer erkannt wird, sondern dass man sich auch schwerer damit tut, sich auf einen langen und anspruchsvollen Prozess einzulassen, oder auf eine ebensolche Reise. Man kann in jedem beliebigen Moment ‚umschalten‘ und den Kanal wechseln, so dass das Auge nur die griffige Überschrift lesen muss, ohne jemals in der Tiefe zu forschen. Es mag viele geben, die jedes Wochenende einen vollkommen anderen Workshop oder Lehrer besuchen, die dies und jenes ausprobieren und gelegentlich ein ‚tolles Erlebnis‘ haben, als wäre spirituelles Engagement eine Attraktion in einem Vergnügungspark.

Und dies geht mit der natürlichen Angewohnheit des Konsumenten einher – er langweilt sich leicht und wird unruhig, gibt schnell auf und macht mit etwas Anderem weiter, weil etwas ’sich nicht gut anfühlt‘. Das Problem ist, dass etwas, das sich nicht gut anfühlt, oft ein guter Hinweis auf eine Gelegenheit ist, bei der man sich selbst überwinden kann. Wenn wir nur dem folgen wollen, worauf wir in einem bestimmten Moment Lust haben, während wir elegant unangenehme Gefühle vermeiden, könnten wir in eine der größten spirituellen Fallgruben stolpern. Dies wird klar, wenn wir bedenken, dass ein echter spiritueller Pfad dazu bestimmt ist, viele unserer automatischen ‚Knöpfe‘ zu drücken.

Die Suche nach der spirituellen Abkürzung

Das angeblich freie Individuum, das sich nun in einen unbewusst versklavten Konsumenten verwandelt hat, verliert allmählich die Geduld. Der unruhige Konsument des Westens hat keine Zeit; er rennt von hier nach dort, sein spirituelles Engagement ist nicht mehr als ein schneller, entlastender Stopp auf seinem Weg.

Hektisch sucht er nach den einfachsten und schnellsten Pfaden (oder eher nach einer Art pfadlosem Pfad); er sucht nach explosiven ‚Wundern‘, die durch minimale Anstrengung von seiner Seite aus passieren sollen; er erwartet, begeistert zu werden, außerordentlich berührt, intensiv stimuliert, als wäre Spiritualität eine raffinierte Form der Unterhaltung. Spirituelle Autoritätspersonen werden in seinen Augen zu Verkäufern, deren Waren er, der Konsument, argwöhnisch in Augenschein nimmt. Es gibt eine ständige Suche nach der nächsten großen Sache, dem nächsten Retreat oder dem neuen Lehrer, da nichts den eigenen Erwartungen gerecht werden kann.

Das wichtigste Wunder ist natürlich die sofortige Erleuchtung, die angeblich in einem einzigen Augenblick oder in einem kurzen Moment ‚ehrlicher Prüfung‘ erlangt wird, und seine recht populären Lieferanten sind nur zu gerne bereit, diese Möglichkeit zu bestätigten, sich stark auf den verkapselten Moment der Offenbarung zu konzentrieren und entsprechend das Aufwachen mehrerer Menschen in einem Retreat zu verkünden.

Wir haben uns wirklich längst von jenen Zeiten verabschiedet, in denen mythologische, hingebungsvolle Suchende den Himalaya bestiegen, die Welt hinter sich lassend und hoffend, den einen, wahren Lehrer zu finden, der die höchste Wahrheit enthüllen würde (natürlich erst, nachdem er die Suchenden schwieriger Prüfungen unterzogen und ihre Aufrichtigkeit durch unerträgliche Forderungen auf die Probe gestellt haben würde). Die akribischen meditativen Prozesse der Vergangenheit sind nun auf eine kindliche Erwartung großartiger Höhenflüge reduziert worden, die auf wunderbare Weise hier und jetzt ‚allem ein Ende setzen‘ sollen.

Satsang und das Gesetz der Anziehung: spiritueller Materialismus

Erleuchtung soll heute durch den Einsatz von Geld und einen gelegentlichen Satsang-Besuch erlangt werden. Natürlich zieht dieser Konsumgeist auch Menschen an, die bald begreifen, dass sie ihre eigenen kurzen Einblicke in die Erleuchtung und ihr zerstückeltes Wissen selbst in eine viel versprechende Karriere verwandeln können. Dies ist ein weiterer Katalysator der Verflachung der majestätischen traditionellen Abstammung des Ostens. Die grundlegende Wahrheit, an die jeder wirklich befreite Lehrer sich halten würde, lautet, dass Erleuchtete nach wie vor selten zu finden sind. Daher gibt es keine weitreichenden Folgerungen aus der Tatsache, dass in Workshops und Retreats mehr Höhenflüge stattfinden.

Ein weiteres Besorgnis erregendes Beispiel für die Art, in welcher der Konsumismus die Spiritualität an sich verformt hat, ist die große Beliebtheit des ‚Gesetzes der Anziehung‘. Spiritualität zu nutzen, um das Universum davon zu überzeugen, unsere materiellen Wünsche zu erfüllen, ist nichts weiter als eine Erweiterung des westlichen Materialismus. Die Vorstellung, ein Leben aus der ‚Fülle‘ haben zu können, wird trickreich in die Vorstellung von der Überlegenheit des Bewusstseins, ja sogar von Erleuchtung gemischt.

Marktkonforme Oberflächlichkeit

Diese Kommerzialität muss spirituelle Tiefe unausweichlich limitieren. Sie formt das Wissen zu einem Gebrauchsgegenstand und weiß auf Forderungen des Konsumenten wie ‚Was würde mir das bringen?‘ und ‚Wie schnell wird das funktionieren?‘ zufriedenstellend einzugehen. In dem Moment, indem Spiritualität mit Geld und Werbung verwoben wird, besteht die Versuchung, sie zu verflachen, um einem Massenmarketing gerecht zu werden.

In dieser Art von Klima wählen die Kräfte des Markts aus den Tiefen der Weisheit das, was Bestseller und überfüllte Workshops hervorbringen kann. Botschaften werden zu kurzen und oberflächlichen Slogans um ’so viele Menschen wie möglich zu erreichen‘. Spiritualität wird zu einer befriedigenden und schmeichelnden Angelegenheit und jede Spur von Komplexität wird elegant aus dem Schaufenster entfernt. Es ist in vieler Hinsicht eine gefährliche Angelegenheit, den Kräften des Marktes zu erlauben, unsere Spiritualität zu definieren und zu formen.

Vor allem findet der spirituelle Konsument sich in einer Situation, indem er sich mit dem wunderbaren Geschenk der freien Wahl herumschlägt und zu begreifen versucht, was genau er wirklich will, nachdem er jetzt alles tun kann, was er möchte. Er soll seine eigene Richtung kennen oder sie sogar erfinden.

Dies ist exakt der Punkt, an dem freie Wahl uns statt zu bewussten Schöpfern zu verblüfften Konsumenten machen kann. Die vielbegehrte Wahlmöglichkeit gibt uns die Bürde der Verantwortung, uns kann dabei schwindlig werden und wir können unsere Richtung verlieren. Es ist wirklich wichtig, das dualistische Wesen von Entscheidungen zu kennen, hastige Schlussfolgerungen wie „wenn es sich nicht gut anfühlt, kann es nicht das Richtige für mich sein“ mit Vorsicht zu behandeln und die verführerische Sprunghaftigkeit zu vermeiden, die uns die freie Wahl ermöglicht, da dies uns wiederum eine andere Freiheit raubt – nämlich die, tief in anspruchsvollere Formen des Wissens einzutauchen, selbst wenn sie Jahre geduldigen Lernens erfordern sollten.

Die Falle der Bequemlichkeit

Die Jagd nach endloser Optimierung, Bequemlichkeit und Bürgerlichkeit ist eine weitere Barriere, die es zu transzendieren gilt. Einer der größten Antriebe der westlichen Gesellschaft – der Drang, die Lebensqualität immer weiter zu steigern – hat die Gefahr mit sich gebracht, allzu behaglich zu werden. Wenn alles allzu gut ist, alles zu leicht verfügbar, dann vergessen wir leicht, worum es im Leben geht und versinken in einer selbstvergessenen Bürgerlichkeit. Wir werden zu einem Grad bequem und sesshaft, dass wir den schmerzhaften Drang verlieren, über unser gegenwärtiges Leben hinausgehen zu wollen.

Unsere Gesellschaft ist übersatt und sehr selbstgefällig und es gibt nur wenige Menschen, welche die wunderbare Unzufriedenheit evolutionärer Anspannung in diesem Klima überhaupt noch fühlen können. Da viele uns kaum materielle Sorgen haben und das Leben von außen betrachtet leicht zu sein scheint, ist es schwer, in uns die immense Energie zu finden, die nötig ist, um die materielle Welt zu transzendieren, ja um überhaupt den grundsätzlichen Drang zu spüren, eine solche Welt hinter sich lassen zu wollen.

Es mangelt uns akut an der Energie, die für eine Revolution nötig ist – sei sie intern oder extern. Uns fehlt jene kostbare, rastlose Leidenschaft, welche die ganze Welt auf den Kopf stellen möchte. Und da ein großer Teil unseres psychischen Leidens ein selbstgeschaffenes Leiden ist, das aus Langeweile und Verwöhntheit heraus entstanden ist, hat selbst dieses Leiden nicht die Kraft, uns das Tor zur inneren Revolution durchschreiten zu lassen.

In dieser Atmosphäre steht jede zu große Anstrengung außer Frage, deshalb suchen wir nach einfachem Ersatz und unterdrücken dabei unser tiefes Wissen darum, dass eine echte Transformation es verlangt, dass man oft intensive und sogar schreckliche Tests des Körpers und des Geistes durchlaufen muss.

In einer so bequemen Welt muss man sich selbst kreative Herausforderungen und eine Umgebung schaffen, die vor evolutionärer Spannung vibriert. Wir müssen im Westen in vieler Hinsicht ein idealistisches und gewissermaßen ’subversives‘ Leben führen und das Bürgerliche in uns sehr kritisch betrachten. Es kann sehr hilfreich sein, sich auf große und unbequeme Erwecker wie Gurdjieff und Krishnamurti zu stützen, und auch jene Autoritätsfiguren anzuzweifeln, die uns nur erfreuen und trösten wollen. Diejenigen, bei denen wir uns zu gut und zu behaglich fühlen, sind oft jene, die der Versuchung erliegen, die niedrigeren Bedürfnisse des Konsumenten zu hätscheln.

Die Sucht nach Drama und Genuss

Zuletzt sollten wir auch noch die blinde Fixierung der westlichen Welt auf Vergnügen und Drama betrachten. In den westlichen Geist ist eine zwanghafte Zwiespältigkeit gegenüber der Welt der Dinge eingegraben, der unseren Weg in spirituelle Tiefen behindert.

Einerseits haben wir viel Freizeit, die uns erlaubt, im selbstgeschaffenen Drama stürmischer Beziehungen zu versinken und eine intensive Emotionalität zu pflegen, die uns vor der Leere und Bedeutungslosigkeit unseres Lebens schützt. Getrennt von jeder großen Vision oder einem breiteren Kontext, der uns den Blick auf ein höheres, kosmisches Drama öffnen könnte, nähren wir unermüdlich eine illusorisch-intensive Beziehung mit der Welt.
Indem wir andererseits aber begeistert die Welt der Objekte pflegen, entsteht in uns das ironische Gefühl, das wir keine Zeit haben. Während wir unsere zahllosen Verpflichtungen jonglieren, haben wir kaum Zeit, spirituelles Engagement als mehr als nur ein bloßes Hobby zu pflegen und sind daher unfähig, spirituelle Tiefe in unserem Leben zu stabilisieren.

Wir sind so süchtig nach dem Vergnügen an Dingen, dass wir schließlich selbst unsere Idee von der Erleuchtung in ein Versprechen des totalen Genusses verwandeln, dank dessen wir uns immer gut fühlen werden. Unbewusst streben wir nach Erleuchtung, als wäre sie nur ein weiteres Objekt, das wir besitzen möchten, und vermischen so den Wunsch, uns gut zu fühlen mit einer transzendenten Identität – bis zu einem Grad, an dem wir das Wesen der Befreiung nicht mehr berühren können.

Sollten wir nicht stat lernen, wie wir die Raserei der illusorischen westlichen Jagd nach Äußerlichkeiten als neue Plattform der Befreiung nutzen können, indem wir unsere individuelle Kräfte sammeln, um der Welt mindestens teilweise zu entsagen? Auch ein Rückzug aus dem selbstgeschaffenen Drama und dem oberflächlichen Genussstreben kann uns helfen, die vielen Vorteile des westlichen Geistes anzunehmen, während wir gleichzeitig seine dunkle Seite der Besessenheit und Zwanghaftigkeit abschütteln.

– – –
Im nächsten Artikel: Wir wir unserem wissenschaftlichen Geist den Rücken gekehrt haben und in einer Welt des Abstrakten versunken sind – und wie ein Annehmen der westlichen systematischen und logischen Sicht unsere Spiritualität dramatisch verbessern kann.

Übersetzung aus dem Englischen von Theresa Bauerlein

 

Veröffentlichung Kapitel 10: 09.11.2012

Teil des Buches

„Das New-Age-Manifest“

von Shay Tubaly

erschienen online
bei editonSEIN

https://www.sein.de/editionsein/das-new-age-manifest.html

 

Dieser Artikel ist Teil der Themenseite(n):

6 Responses

  1. Marliese

    Liebe Leute,

    die Spiritualität war schon immer kommerzialisiert, genau so wie die Liebe, Religion und Bildung und das wird leider so bleiben. Schon Martin Luther und viele Reformatoren haben gegen Kommerzialisierung der Kirche gekämpft und es hat sich bis heute nichts geändert. Selbst wenn wir Geld abschaffen würden, werden wir Kommerzialisierung nicht abschaffen. Es gibt immer Zahlungsmittel und nicht zuletzt Prostitution. Wenn schon Grundschulen in Griechenland vom Bordell finanziert werden, dann haben alle spirituellen Leute versagt.

    Bordell als Sponsor für Grundschule
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/11/07/geldnot-in-griechenland-bordell-als-sponsor-fuer-grundschule/

    Antworten
  2. Oliver

    Bei aller Liebe zur Debatte über „große Thesen“, wie Tubaly sie aufstellt, wird mir eins immer klarer: Spiritualität hat für mich zuerst einmal wenig mit Erleuchtung, Weltrettung, Revolustion etc. zu tun.

    Spiritualität bedeutet für mich immer mehr, einfach zu fühlen, was ich gerade fühle, zu tun, was gerade zu tun ist, den Menschen vor mir wirklich wahrzunehmen und ansonsten meinen Impulsen zu trauen.

    Ob das Selbstüberwindung notwendig macht und ob es noch zu so etwas wie Erleuchtung oder Revolution führt, will ich getrost dem Gang der Dinge überlassen. Ich sehne mich nach Bescheidenheit.

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  3. michaela kleiner

    ein Artikel, der nachdenklich macht. ich habe die westliche kultur auch jahrelang abgelehnt, das konsumverhalten und wirtschaftlichen interessen, die alles dominieren – ich habe es mit einer gewissen spirituellen arroganz gesehen. ich habe dabei wohl immer auf das nächste angesagte buch oder die nächste tolle methode oder den neuesten lehrer gewartet, im grunde das gleiche verhalten. es ist nicht leicht, die westliche kultur anzunehmen. aber es stimmt, hier sind meine wurzeln und wahrscheinlich muss ich hier suchen. vielleicht ist das die einzige authentische suche. ich danke für die befreienden worte.

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  4. shalev

    Es stimmt. In der New Age Kultur geht es hauptsächlich darin, sich gut und aufgehoben zu fühlen, es liegt nicht sehr viel Betonung auf der eigenen Entwicklung und auf eigener Anstrengung, Selbstdisziplin und Durchaltervermögen. Spiritualität ist zu einer Konsumware geworden,für Unterhaltung und Spaß. Sehr erhellend.

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  5. Peter

    Ich bin mir sehr sicher, dass Spiritualität nicht dafür da ist, dass man sich besser fühlt. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass die Zeiten, in denen ich am meisten gelernt habe und am meisten gewachsen bin die waren, in denen ich mich etwas schwierigem fertig werden musste, zum Beispiel mit unfreundlichen Kollegen bei der Arbeit, wenn es irgendeine aufwändige Bürokratieprozedur zu erledigen gab. Das waren die Zeiten, in denen ich innere Stärke entwickeln musste . wegen unangenehmen Konfrontationen, monotonem Alltag etc. oder wegen inneren Problemen wie Verwirrung, Angst und der Entwicklung von Selbstkontrolle.
    Ich glaube schon, dass es natürlich für uns ist, dass wir uns wohl und gut fühlen wollen, und dass beides auch eine gute Grundlage für unsere Entwicklungsarbeit ist, aber wir müssen Herausforderungen und Schwierigkeiten von ganzem Herzen annehmen. Sie gehören zum Leben, zur Evolution und sorgen dafür, dass wir nicht einschlafen, dass wir allmählich immer stärker werden.

    Zu der Verschwommenheit in den „New-Age“-Bücherregalen – wo, wir im Artikel geschrieben wurde, Gurdjeff und irgendein mittelmäßiges Medium auf einen Brett stehen können – ich denke, es ist sehr wichtig, den Unterschied zwischen einer tiefen, transformativen Spiritualität herauszustellen und dem Material, bei dem es mehr darum geht, einen bestimmten Aspekt in unserem Leben zu verbessern oder auch einfach nur um gute Unterhaltung.

    Danke für die wichtigen Anregungen in diesem Artikel – ich freue mich auf Mehr!

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