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Um zu einer authentischen Spiritualität zu gelangen, ist es nötig, alle Konditionierung bewusst zu machen und zu hinterfragen. Nicht nur die individuelle Konditionierung spielt eine Rolle, sondern auch das kollektive Unterbewusste, das mit einer Vielzahl spiritueller Konditionierungen aufgeladen ist. Wie könnten die Grundrisse einer westlichen Spiritualität aussehen, die sich in dieser Weise befreit?

 

Einflüsse und Konditionierungen

Ein Individuum, das den Wunsch hat, sich zu befreien, muss sich zunächst die verschiedenen bewussten und unbewussten Einflüsse bewusst machen, die seine Persönlichkeit geformt und konditioniert haben. Der erste Schritt besteht also darin, sich jedes einzelnen dieser Einflüsse voll bewusst zu werden und so einen ausreichenden Grad an Selbstdistanz zu erreichen; eine Distanz, die dem Individuum erlaubt, sich von schädlichen Einflüssen zu trennen und gleichzeitig die vorteilhaften Aspekte dieser Einflüsse neu anzunehmen, diesmal aber bewusst und freiwillig.

Wenn wir wirklich begreifen wollen, was ein unnötiger Einfluss ist und welche Einflüsse wir von ganzem Herzen annehmen sollten, ist es in meinen Augen ebenso zwingend nötig, die verschiedenen Einflüsse zu begreifen, welche die New-Age-Bewegung geformt haben, und auch den kulturellen und historischen Kontext, in dem diese Bewegung entstanden ist. Wenn wir den größeren Prozess, der unsere kollektive Persönlichkeit geformt hat, nicht hinterfragen, könnten seine starken Einflüsse uns unbewusst wieder und wieder ins Schwanken bringen und den gewünschten inneren Wachstumsprozess hemmen. Wir, die Individuen, welche die spirituelle Bewegung formen, tragen eine Mischung aus Einflüssen und Konditionierungen in uns, die sowohl problematisch als auch vorteilhaft sind.

Das kollektive Unbewusste konfrontieren

Es mag nicht einfach sein, sich mit dieser Tatsache zu arrangieren und dem, was uns im kollektiven Unbewussten erwartet, gerade ins Gesicht zu sehen. Dennoch glaube ich, dass es getan werden muss – und dies ist der Grund dafür, warum diese Serie einen gewagten Versuch der Erkundung gemacht hat; es ist der Grund dafür, dass ich beharrlich die vielen verzwickten Vor- und Nachteile jedes Einflusses abgeklopft habe: Zunächst ging es um die vielfältigen Gaben des östlichen Geists und Gedankenguts, aber auch um seine möglicherweise irrelevanten Begriffe und Vorstellungen; dann wurden die unerwünschten Effekte einer sehr erwünschten psychologischen Revolution untersucht; anschließend wurden die vor-modernen religiösen Prägungen und das Vermächtnis des autoritären spirituellen Mittlers erkundet, und schließlich wurden die Reichtümer der westlichen Kultur gemeinsam mit ihren bedeutenden Schattenseiten umrissen.

Das Schöne ist, dass wir keinen einzigen dieser Einflüsse verwerfen müssen, sondern lediglich klug ihre potentielle Weisheit herausarbeiten und sie flexibel und bewusst nutzen sollten. Eine authentische westliche Spiritualität kann frei das Gute aus allen Strömungen und Kulturen ziehen – aus östlicher Spiritualität, aus Psychologie, Religionen, Gurus, Wissenschaft, Philosophie, Kapitalismus, Demokratie und dem westlichen Geist – und gleichzeitig die jeweiligen Überschüsse und Mängel von sich weisen.

 

Angst ist keine gute Motivation

Natürlich gibt es eine tiefliegende Ursache, die uns überhaupt dazu motiviert hat, diese vielen verschiedenen Konzepte und Inspirationen in einer kontraproduktiven Weise zu nutzen. Das Beispiel des Individuums, das sich befreien möchte, veranschaulicht dies: Wenn dieses Individuum ein gewisses Maß an Angst im Herzen trägt, wird es sich vielleicht an Konzepte halten, die ihm das Gefühl der Sicherheit und Unberührbarkeit geben. Es wird Konzepte so missinterpretieren, dass sie zu seinen tiefsten psychologischen Bedürfnissen passen.

In gleicher Weise hat die New-Age-Bewegung aus den großen Strömungen des Wissens und Gedankenguts nur jene Elemente gezogen, die ihr dabei helfen, die Furcht vor dem Leben in der westlichen Kultur zu überdecken, und die daraus entstehende Abwehrhaltung ist meiner Beobachtung nach in vielen ihrer Teilnehmer verwurzelt. Sie hat zudem die ursprünglichen Bedeutungen und Implikationen mancher Konzepte so verändert, dass sie dem Ohr und der Seele wohler tun.

 

Trotzreaktion

Ohne es zu wissen, hat die New-Age-Bewegung derart eine Spiritualität entwickelt, die eine Reaktion auf die westliche Kultur ist, und hat so eine unüberbrückbare Spaltung zwischen ihr selbst und der westlichen Welt geschaffen. Das traurige Resultat ist eine stagnierende Zwangslage, derentwegen eine ganze Bewegung – die in sich das Potential einer gewaltigen Kraft trägt, welche helfen könnte, die Welt zu verändern – teilnahmslos und neutral dasteht und der Welt stolz den Rücken kehrt, dabei aber eigentlich nur ihre schwachen unteren drei Chakren verbergen möchte.

Eingebettet in stützende Konzepte, die eine recht simple Antithese zu allem darstellen, was die westliche Kultur hochhält, hat diese Bewegung die Fähigkeit verloren, den verzweifelten Ruf des Kosmos zu hören. Manchen mag es romantisch erscheinen, dass die meisten spirituellen Lehrer und Autoritäten, die in der Gemeinde der spirituellen Anwärter sehr akzeptiert sind, in der allgemeinen sozialen Struktur fast Ausgestoßene sind. Dies kann aber kaum zufrieden stellen, wenn man den möglichen Effekt der Lehre des Bewusstseins auf die Welt bedenkt.

 

Das kollektive spirituelle Unterbewusste

Wenn wir uns so unser kollektives Unterbewusstes mit seinen Ängsten und Konditionierungen bewusst machen, können wir vielleicht erkennen, dass es neben der Reinigung der psychologischen Schichten des Individuums eine weitere Schicht gibt, die zu oft unbemerkt bleibt: Die kollektive Konditionierung durch die Masse furchtgeprägter Annahmen in der spirituellen Bewegung, die jeden betrifft, der heutzutage an Spiritualität interessiert ist, wodurch er zu ihrem ahnungslosen Träger werden kann.

Es ergibt sehr viel Sinn, dass wir diese Hürde überwinden sollten, wenn wir die interessante Tatsache bedenken, dass wir als Westler, die im 21. Jahrhundert leben, möglicherweise dazu bestimmt sind, eine deutlich komplexere und facettenreichere Form von Erleuchtung herbeizuführen, die östliche Errungenschaften einschließt, sie aber auf unvorstellbare Weise transzendiert.

Natürlich ist die Herausforderung groß, aber wenn uns klar wird, dass sie im größeren Kontext der Zukunft der Menschheit von höchster Bedeutung sein könnte, spüren wir einen kosmischen Drang in uns wirbeln, der unsere Schritte beschleunigt. Wir können nicht mehr zurückgehen und uns in den Schutz und Trost Gottes, des Gurus oder einer absoluten Wahrheit flüchten – wir sind zu weit gegangen, und das rohe Material unserer Spiritualität, die Gottheit, die nun aus den Tiefen sowohl der Materie als auch des Geistes aufsteigt. ist bereits zu sehr entfesselt worden, zu offensichtlich, um sie zu ignorieren.

 

Die New-Age-Bewegung ist nur der Same

Die New-Age-Bewegung muss nicht zerstört werden, um einer anderen kraftvollen Welle der Spiritualität Platz zu schaffen. Sie könnte sich vielmehr ausdehnen und entwickeln, ganz wie ein kleines Samenkorn, das in sich das große Versprechen eines riesigen, herrlichen Baums enthält. Der Begriff an sich umfasst in meiner Definition alle spirituelle Teilnahme, die säkular, unabhängig, individuell, aus verschiedenen Quellen schöpfend und frei von gesetzmäßigen Vorschriften ist.

Dennoch sollte diese Art von Aktivität nun, wo uns allmählich bewusst wird, dass wir an einer größeren Bewegung des Bewusstseins teilnehmen, möglicherweise neu definiert werden – als Teil eines breit stattfindenden Versuchs, den Drang der Bewegung nach einer eigenen Identität aufzuwecken.

In meinen Augen würde es guttun, darüber im Rahmen eines internationalen Kongresses miteinander zu sprechen, bis ein neuer, passender Begriff gefunden werden wird. In dieser Serie beziehe ich mich auf die Bewegung als die Schule einer ‚authentischen westlichen Spiritualität‘, aber dies ist nur ein einzelner, nicht unbedingt brillanter Vorschlag. So oder so ist die grundlegende Idee klar und einfach: Die New-Age-Bewegung ist dabei, sich in ein eine neue Form von westlicher Spiritualität zu verwandeln: etablierter, tiefer verwurzelt, mit offenem Blick und ihrer selbst bewusst.

 

Vereinigung, nicht Vereinheitlichung

Die Erkenntnis, dass wir wirklich Teil einer großen Bewegung sind und auch von allem, was daraus folgen muss, sowie das Streiten über eine einheitliche spirituelle Terminologie, sind in meinen Augen keine unwichtige Sache. Dieser Akt stellt für mich den Anfang unserer Verwandlung als Bewegung dar. Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir auf traurige Weise dezentralisiert und verstreut, uns fehlt der evolutionäre Drang, trotz alle Verschiedenheit einen gemeinsamen Boden und gemeinsame Grundlagen zu finden. Vielleicht liegt es daran, dass wir zu sehr an der Idee des Alleinseins hängen, aber Alleinsein war noch nie gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit und einer schützenden Abgeschiedenheit. Schließlich haben wir die Zeiten weit hinter uns gelassen, in denen die Zugehörigkeit zu einer kollektiven Bewegung bedeuten konnte, dass man sofort mundtot gemacht wurde.

 

Zeit der Möglichkeiten und Revolutionen

Wir leben in wunderbaren Zeiten – und zwar nicht wegen des unbegründeten Versprechens über 2012 – sondern weil es in der Geschichte der Menschheit niemals eine solche Ära der Fülle, der Möglichkeiten gegeben hat. Der Geist des Fortschritts, der unermüdlich höhere Bildung, totale Zugänglichkeit allen Wissens, freie Rede und eine exzellente Lebensqualität fordert, sind ein überaus fruchtbarer Boden für eine zukünftige Entwicklung, welche die gegenwärtige düstere Stumpfheit durchbrechen könnte.

Natürlich sollte man dabei bedenken, dass eine Revolution in der heutigen Welt nicht unbedingt bedeuten muss, dass eine ungestüme Demonstration im Stadtzentrum stattfinden muss. Wie alles andere, das auf seine Essenz reduziert wurde, kann der Prozess einer Revolution heutzutage schlicht bedeuten, neue, radikale Ideen in die Köpfe und Herzen der Menschheit zu pflanzen. Wir sollten also fertige Vorstellungen vermeiden, welche die Einfachheit und Direktheit des Prozesses stören könnten.

Ein Wort über meinen Pathos

In unserem verschlafenen Zustand ist selbst die negative Dynamik starker Polemik willkommen. Wenn Menschen zu lethargisch werden, kann eine schlimme Krise auf unerwartete Weise als Katalysator eines neuen Aufwachens dienen. Aus diesem Grund habe ich diese ganze Serie nicht in der Hoffnung geschrieben, dass alle mit mir übereinstimmen und sofort jedes Wort, das ich geschrieben habe, bestätigen würden. Es ist eher umgekehrt: Ich habe sie geschrieben, um eine leidenschaftliche Diskussion anzufachen und neue Formen des Handelns. Aus diesem Grund habe ich die Ideen mit Pathos vorgetragen, wie es sonst eher für historische Manifeste üblich ist, unberührt von der zynischen Atmosphäre der heutigen Welt – denn Zynismus, das Gefühl also, dass alles bereits geschehen ist, und dass nichts Neues und Überraschendes mehr geschaffen werden kann, ist der Todfeind aller Manifeste.

 

Authentische westliche Spiritualität

Wie würde nun also mein Credo einer authentischen westlichen Spiritualität aussehen? Nach elf Kapiteln der Dekonstruktion und Rekonstruktion hier nun mein erster und tastender Versuch, zehn Grundlagen unserer neu entstehenden Spiritualität zu umreißen. Natürlich kann kein Mensch dieses Credo allein definieren – dies muss unbedingt ein gemeinschaftliches Unternehmen sein – es handelt sich hier also nur um einen Vorschlag, als Katalysator eines zukünftigen Dialogs.

1. Wir wählen – bewusst, von ganzem Herzen, furchtlos und unumkehrbar – das westliche Leben mit all seinen Herausforderungen, so schwer sie auch sein mögen. Zu diesem noblen – und ja, spirituellen – Zweck lösen wir uns von allen psychologischen Hindernissen oder Konditionierungen, die uns dem Leben entfremden könnten. Dies ist unser Zuhause und dies ist unser Geist, und deshalb formt sich unsere Spiritualität nicht als Antithese zur westlichen Kultur und zum westlichen Leben, sondern als aktualisierte westliche Spiritualität des 21. Jahrhunderts.

2. Wir nehmen liebevoll und dankbar die Gaben der östlichen Spiritualität an – Eigenanstrengung als wichtigste, grundlegendste, direkteste Meditation und zentrale spirituelle Praxis, Nicht-Dualität als Bezugsrahmen aller Philosophien, göttliche Selbstidentität und detaillierte Karten des Bewusstseins. Dennoch ist es unsere westliche Pflicht, Begriffe wie ‚Leere‘, ‚die Welt als Illusion‘, ‚Auslöschen des Ego‘, ‚Befreiung vom Leben‘, ‚Leben als Leiden‘, ‚bedingungsloses Fließen mit dem Leben‘ und so weiter zu hinterfragen. Diese Terminologie, gemeinsam mit ihrer grundlegenden Weltsicht, ist auf das Leben im Westen schwer anwendbar. Wir werden also unser Bestes tun, durch die Kraft unseres unterscheidenden Geistes eine neue Terminologie und eine neue Weltsicht zu schaffen, um die Feinheiten der objektiven Welt besser annehmen zu können. Wir werden zudem die maskulineren Aspekte sowohl unserer selbst, als auch die der östlichen Lehren in unsere spirituelle Philosophie und Praxis integrieren.

3. Wir fördern die Gaben der westlichen Psychologie, die uns die Kapazität der Eigenbeobachtung gibt und die Fähigkeit, unbewusste Blockaden zu entfernen, die uns daran hindern, in der Welt richtig zu handeln. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass die Psychologie ein Werkzeug ist, das wesentlich wichtigere Handlungen ermöglichen soll – sie ist definitiv nicht unser Schwerpunkt! Wir werden daher die Kraft der psychologischen Beobachtung in erster Linie nutzen, um jene Ängste zu heilen, die uns dazu bringen, an einer psychologischen Selbstidentität zu hängen und auch, um das falsche Bedürfnis nach endloser Heilung und Akzeptanz loszuwerden.

4. Wir erklären mutig den Tod des Gurus als unausweichliches Resultat des Tods des externen Gottes (Gott als organisierende, richtungsgebende, Gnade erweisende, Ordnung schaffende Kraft). Mit dem ‚Tod des Gurus‘ meinen wir nicht, dass wir die Existenz höherer Inspiration und Weisheit nicht mehr anerkennen, sondern dass die Vorstellung jeder göttlichen Autorität, der wir gehorchen und der wir uns unterwerfen müssen am Ende ist. Gleichzeitig erkennen wir achtungsvoll an, dass dies eine wesentlich größere Verantwortung für unsere eigene individuelle Reise bedeutet. Individuelle Souveränität schließt die Pflicht der Selbstentsagung, der eigenen Befreiung von allem Leiden und von selbstgeschaffener Moralität ein. In der Abwesenheit externer Gnade erkennen wir, dass die neue Gnade in der eigenen Anstrengung besteht, einem evolutionären Drang, der dem Menschen helfen kann, über sich selbst hinauszuwachsen.

5. Wir erklären die Irrelevanz religiöser Rahmenwerke und ihres Aberglaubens und ihrer Glaubensvorstellungen, Hoffnungen und tröstenden Ideen. Wir erkennen an, dass eine authentische westliche Spiritualität eine von allem Überflüssigem befreite transformative Spiritualität ist, die allein für sich steht und verantwortlich ist, die frei von allem Glauben und allen Erwartungen ist, Gottes Gnade und Willen, tröstenden Konzepten und einer starren Moralität. Sie strebt nur danach, das nackte Selbst zu enthüllen, das endlich aus den Tiefen der menschlichen Evolution hervorbricht und stärker glüht, als jede mythologisch leuchtende göttliche Kraft.

6. Wir gehen die totale Verpflichtung ein, uns in den kreativen Unternehmungen der Welt zu engagieren und der Welt bis zum letzten Atemzug zu dienen. Aus der tiefen Erkenntnis heraus, dass eine westliche Spiritualität, die ständig Objektivität atmet, Richtung und Bestimmung, Aktivismus und klare Haltung hat, das genaue Gegenteil von Narzissmus ist, nehmen wir inmitten der Welt Haltung an, und treffen die Wahl, uns in die vorderste Linie des evolutionären Prozesses zu stellen und unser Bestes zur Veränderung der Welt zu geben.
Spiritualität, inklusive unserer eigenen persönlichen Erleuchtung, ist für die Welt bestimmt, und jeder geringere Anspruch ist nicht genug. Im wahrsten Sinne des Wortes sind wir eine soziale Reformbewegung. Um dieser Vision gerecht zu werden, verpflichten wir uns dazu, unsere drei unteren Chakren zu stärken.

7. Wir streben danach, alle Strömungen und Schulen der westlichen Spiritualität zu einer großen und effizienten Bewegung zu vereinen. Ohne die Souveränität jeder einzelnen Strömung zu stören oder die feinen Unterschieden zwischen den verschiedenen Schulen zu verdecken ist es unsere Überzeugung, dass wir nur als Einheit eine Herausforderung von solcher Größe jemals meistern werden. Gemeinsam können wir die Tendenz überwinden, uns zu sehr aufzuspalten und zu individualisieren und wir wollen eine Bewegung schaffen, die dem noch unerkannten Bedürfnis der Welt entsprechen kann, Bewusstsein zu entwickeln.

8. Wir bestimmen, dass wir Kommerzialität moderat nutzen werden und nur auf eine Weise, die nicht die Tiefen und die Konsequenz unserer Spiritualität korrumpieren wird. Obwohl wir die vielen vorteilhaften Einflüsse des westlichen Kapitalismus nicht vermeiden, werden wir immer darauf achten, dass dies nicht zu Lasten anspruchsvoller und weniger populärer Aspekte gehen wird. Eine leichtere und oberflächlichere Spiritualität ist für uns kein Problem, aber wir erhalten das Herz unserer Bewegung lodernd und leuchtend mit dem Licht weltbewegender Wahrheiten.

9. Wir werden auf unsere sich entwickelnde Spiritualität logische und wissenschaftliche Prämissen anwenden (ständige Destabilisierung von Paradigmen, sich entwickelnde Axiome, systematische Stimmigkeit und die Forderung nach Nachweisen). Dies geschieht in dem Wissen, dass wir auf diese Weise sowohl Wahrhaftigkeit erlangen, als auch eine angemessene Integration in die westliche Kultur. Gemeinsam werden wir uns dafür öffnen, westliche Philosophien in unsere entstehende Spiritualität zu integrieren. Vor allem aber verpflichten wir uns dazu, eine Wissenschaft der Erleuchtung zu konsolidieren, die auf ausführlichen Studien traditioneller Weisheit und ebensolcher Praktiken basieren, sie aber auch transzendieren wird, um eine völlig neues Paradigma der Erleuchtung zu erlangen.

10. Wir werden die Implikationen der natürlichen Evolution wachsam erforschen – das Zerfallen alles Absoluten in die inneren Dynamiken des Universums selbst hinein – zugunsten eines möglichen neuen spirituellen Paradigmas. Wir erkennen, dass angesichts der natürlichen Evolution auch die selbstverständlichsten spirituellen Prämissen zerfallen könnten. In der Zwischenzeit können einige Einflüsse leicht in unsere Bewegung fließen: Eine komplexere Non-Dualität, die Materie und Geist vereint; das Verständnis, dass wir uns nicht auf eine externe Kraft verlassen und nicht darauf warten sollten, dass wir von oben gerettet werden; und das erregende Verständnis, dass Bewusstsein die mächtigste Ressource ist, und zwar nicht nur im Kontext der persönlichen Befreiung, sondern auch im Kontext der allgemeinen Evolution. Vor allem anderen erkennen wir an, dass wir 2012 und jedes andere weltverändernde Datum sind; dass Bewusstsein die ultimative Lösung für die überwältigenden Probleme der Welt ist, und dass somit wir selbst die Gnade sind, um die wir seit Menschengedenken gebetet haben.

 

Übersetzung aus dem Englischen von Theresa Bauerlein

 

Teil des Buches

„Das New-Age-Manifest“

von Shay Tubaly

erschienen online
bei editonSEIN

https://www.sein.de/editionsein/das-new-age-manifest.html

 

 

 

 

 

 

Autoren Info


Shay Tubaly

Shay Tubaly

ist ein spiritueller Lehrer aus Israel und Entwickler der White-Light-Methode. Shay lebt und arbeitet in Berlin.

 

http://www.thewhitelight.de

 

 

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10 Responses

  1. Caspa

    Tja, was soll man noch dazu sagen. Ich zitiere den Satz von Bertrand Russel,
    der genau mein Gefühl wiedergibt.

    „Es gibt keinen Unsinn, den man der Masse nicht durch geschickte Propaganda mundgerecht machen könnte.
    Manche Menschen würden eher sterben als nachzudenken. Und sie tun es auch.
    Es ist ein Jammer, dass die Dummköpfe so selbstsicher sind und die Klugen so voller Zweifel.“

    Antworten
  2. Bernd Volkhardt

    Ersteinmal ist es eine gute Diskussionsvorlage. Shay Tubaly
    ist ein junger spiritueller Heißsporn und das ist gut so. Er bringt Wind in den erlahmten Laden. Der Versuch den New Age Begriff nochmal positiv aufzuladen & der Versuch eine neue Runde einzuleiten ist doch eigentlich lobenswert.

    Antworten
  3. Free Willy

    Gestern standen wir noch am Rande des Abgrunds und dieser Manifest von neu age führt uns einen Schritt weiter.
    Nicht mit mir, ich kehre um.
    Freiheit ist immer das beste 🙂

    LG
    Free Willy

    Antworten
  4. Urs

    Ermahnung an Axel Wartburg,

    da er hier falsche Eigenwerbung an die Leser und an die Redaktion betreibt.

    Axel Wartburg gibt falsch an, den „sanften Weg“ zu gehen aber im Artikel

    „Karnismus“ befürwortet er Tiermorde und bekämpft Vegetarier und Veganer.

    http://www.sein.de/gesellschaft/zusammenleben/2012/karnismus-die-psychologie-des-fleischkonsums.html

    Er will nicht begreifen, dass es keinen sanften Weg mit Mord gibt.

    Mord ist immer der brutalste und gewalttätigste Weg, den ein Mensch geht.

    Antworten
  5. Axel Wartburg

    @ Veronice: Ich denke, dass diese Texte auch nicht da sind, um jemanden zu überzeugen, sondern um Menschen Denkimpulse zu geben. Manche bleiben eben lieber bei dem, was sie kennen, während andere andere Wege gehen.

    @ Sein-Redaktion: Methoden zur Umkonditionierung von Glaubenssätzen gibt es inzwischen reichlich. Sie gehören, laut Bruce Lipton zu dem Bereich der energetischen Psychologie. Mit ihnen können nicht nur Sichtweisen geändert werden, sondern auch die Strukturen, die mit dazu beitragen, ob ein Mensch sich als sogenannt gesund oder sogenannt krank empfindet.

    Jedoch kenne ich außer mir niemandem, der seine Methoden auch verschenkt. – Liegt wohl an meiner begrenzten Wahrnehmung, wie ich denke. – Ich biete meine Dienstleistungen üblicherweise auf Spendenbasis an. Doch verschenke sie auch, wenn ich das Empfinden habe, dass es für alle Beteiligten hilfreich ist.

    Interesse an einem Artikel über diese von mir erschaffene Methode „Der Sanfte Weg – Ein Weg zu dir“?

    Wenn ja, freu ich mich noch mehr über eine Resonanz auf diesen Kommentar.

    Herzliche Grüße

    Antworten
  6. baja

    ich widerspreche dem neu age manifest, weil ich drin nichts faszinierendes oder irgendwie inhaltsvolles finden konnte. das ist steifes pädagogenzeug mit viel blabla kann mir auch nicht vorstellen mit leuten zusammenzukommen die so ticken.
    immer cool bleiben.

    Antworten
  7. Anna

    Ich habe noch nie klarere, konkretere und zeitgenössischere Ideen zu praktisch gelebter zur heutigen Spiritualität und ihrer Weiterentwicklung gelesen. Ich werde mir diese Liste ausdrucken und aufhängen. Und ich hoffe, dass Tubaly seiner Zeit nicht einfach zu weit voraus ist, und dass es Menschen gibt, die jetzt und hier und heute das, was er hier darlegt, begreifen und weiterentwickeln können. Ich hoffe, dass ich Partner finden kann, um diese umfassende, liebevolle und das leben als Ganzes akzeptierende Spiritualität zu leben. Ich wünsche mir so sehr eine Sangha, die wirklich und ernsthaft an Transformation zum Wohle des größeren Ganzen interessiert ist – Menschen, die nicht nur vor ihrem persönlichen Schmerz weglaufen und dies als Spiritualität verkleiden („Ich muss mit dieser Welt nichts zu tun haben, mein höheres Ich braucht das nicht“), die liebevoll der Welt zugewandt sind und gleichzeitig das Bewusstsein haben, dass sie auf einer bestimmten Ebene auch nur ein göttliches Experimentierfeld oder Spiel ist, die die Entwicklung des Bewusstseins als wahre Evolution begreifen. Viel zu oft treffe ich stattdessen nur festgefahrene Konzepte, Parolen und Rückwärtsgewandtheit, keine echte Offenheit. Wenn unter den Lesern dieses Artikels Menschen sind, die diese Sehnsucht teilen, lasst von euch hören! Gemeinsam könnten wir eine neue Spiritualität leben!

    Antworten
  8. Veronica

    Grüß euch

    Diese abgehobene Art von Spiritualität kann mich gar nicht überzeugen.
    Ich finde, dass die 10 Gebote viel sachlicher und bis heute aktuell für alle Menschen sind. Es ist einfach erstaunlich wie zeitlos diese 10 Gebote sind.

    1.Gebot: Ich bin dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
    2.Gebot: Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen. 3.Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.
    4.Gebot: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
    5.Gebot: Du sollst nicht töten.
    6.Gebot: Du sollst nicht ehebrechen.
    7.Gebot: Du sollst nicht stehlen.
    8.Gebot: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
    9.Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus und Gut.
    10.Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/Mann oder was dein Nächster hat.

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