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Der westliche Weg


Wenn man die europäische Geschichte der verschiedenen Mysterienschulen und Initiatenorden betrachtet, so erscheint es schwierig, die „Rosenkreuzer“ exakt zu definieren. Derzeit gibt es weltweit über 100 Organisationen, die das Wort „Rosenkreuz“ oder „Rosenkreuzer“ in ihrem Namen verwenden. Der Begriff selbst ist frei verwendbar. Einige Organisation davon sind echte Hüter der Rosenkreuzertradition. Die meisten haben aber nur einen geringen Bezug zur wahren Rosenkreuzerlehre, unabhängig von der Mitgliederzahl, von pompösen Gebäuden oder Publikationen. Zumeist ist die Verpackung edler als der Inhalt.

Die Rosenkreuzer verstehen sich als überkonfessionell. Sie akzeptieren jede Religion und stehen für religiöse Freiheit. 1614 wurde das gesellschaftskritische und reformatorische Manifest „Fama Fraternitatis“ publiziert, welches über die symbolische Gründungsgeschichte und die Ziele des Ordens der Rosenkreuzer berichtet. Ein wesentlicher Bestandteil der Rosenkreuzerideologie ist es, Kranke zu heilen, und dies gratis, wie im Manifest deklariert. Der Gründer wird mit den Initialen Frater (Bruder) C. R. bezeichnet und soll zwischen 1378 und 1484 gelebt haben. Diese Schrift und auch die nachfolgenden sind eher symbolisch zu betrachten. Zwei Jahre danach erschien der mystische Roman „Die chymische Hochzeit“, der diese Initialen fälschlicherweise mit dem Namen Christian Rosenkreutz interpretierte.

Die Lehre

Die Rosenkreuzer verbreiten die zeitlosen Lehren, damit sich die gesamte Menschheit spirituell entfaltet und dadurch Folgendes realisiert wird:
universale geistige Entfaltung
universale Gesundheit
universale politische Freiheit
universale religiöse Freiheit
universale Erziehung
universaler Wohlstand
universaler Frieden

Der westliche Weg der Rosenkreuzer bietet einen sicheren Weg der Selbsterkenntnis. Diese spirituellen Lehren werden durch die Symbolik von Gruppenritualen, des Studiums und der Meditation vermittelt. Die Lehren werden in den Fächern Alchemie, Archetypen des Tarot, Astrologie, Gnosis, Hermetik, Kabbalah, Metaphysik, Mystik und Theurgie weitergegeben. (Theurgie wird bei den Rosenkreuzern im Sinne von rituellen Initiationen angewendet, um bestimmte Umwandlungen und erhöhte Bewusstseinszustände zu bewirken.)

„Universitäten“ der spirituellen Schulung

Das Ziel der westlichen Mysterientradition ist die kontinuierliche und bewusste Vereinigung zwischen dem höheren und niederen Selbst. Diese Aussage findet sich in den Worten von Christus: „Ich und der Vater sind eins.“ Das Konzept der Initiation spielt eine wichtige Rolle. Initiatorische Gesellschaften existierten im antiken Griechenland und Ägypten. Initiatorische Überlieferungen finden sich sowohl in der Bibel als auch auf ägyptischen Wandmalereien. Diese Tradition der initiatorischen Übertragung, auf die der Orden der Rosenkreuzer gegründet ist, wird bis zum heutigen Tage fortgesetzt. Die Rosenkreuzer sehen sich als „Universitäten“ der spirituellen Schulung, nicht als eine Massenbewegung, wie sie in heutigen New-Age-Bewegungen zu finden ist. Ein Großteil des westlichen esoterischen Wissens ist heute genauso wie vor Jahrhunderten frei zugänglich, doch können nur vorbereitete Schüler diese Schlüssel für die Öffnung der spirituellen Tore verwenden – was an den symbolhaften Schriften der Alchemie und Kabbalah ersichtlich ist.

Der westliche Pfad birgt viele Geheimnisse. Geheimnisse, die selbst dann noch Geheimnisse blieben, wenn man hier versuchen würde, sie darzustellen, in Worte zu kleiden und in allen möglichen Farben und Formen zu schildern. Die größten Geheimnisse jedoch können unmöglich durch das gesprochene oder geschriebene Wort übermittelt werden. Sie sind nur denen zugänglich, die sich darauf vorbereitet haben, sie zu empfangen. Dazu ist es notwendig, wie in jeder höheren Wissenschaft, die Fähigkeit zu erwerben, klare Schlussfolgerungen zu ziehen, die jenseits der üblichen Vorstellungswelt liegen. Wahre Rosenkreuzer erkennen sich untereinander. Ihre Erkennungszeichen können weder gefälscht noch nachgeahmt werden, denn diese Zeichen sind subtiler als die äußerlichen Abzeichen und Kennworte anderer Geheimgesellschaften.

Zu den bemerkenswerten und bekanntesten Vertretern der westlichen Mysterientradition zählten Agrippa von Nettesheim, Benjamin Franklin, Claude Debussy, Eliphas Lévi, Francis Bacon, Graf von Saint Germain, Giordano Bruno, Heinrich Khunrath, Isaac Newton, Jakob Böhme, Johannes Kepler, Leonardo da Vinci, Papus, Paracelsus, Paul F. Case, René Descartes, Thomas Jefferson und William Westcott. Eine alte Rosenkreuzerdoktrin besagt: „Wenn der Schüler bereit ist, erscheint ihm der Lehrer.“

Bild oben: „Portae Lucis“ (Die Pforten des Lichts)
Ein Mann, der den Lebensbaum mit den zehn Sphären hält. Die Sphären (Kreise) sind Bewusstseinszustände – der Lebensbaum selbst ist ein Symbol aus der Kabbala, welches die Beziehung des Menschen zu Gott veranschaulicht.

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