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Ein Supermarktbetreiber von 12 Edeka-Filialen in Baden-Württemberg will seine Filialen bis Ende des Jahres 2016 plastikfrei machen und weniger Verpackungsmüll produzieren. Als ersten Schritt führte er an der Frischetheke ein Hygienesystem für von Kunden selbst mitgebrachte Boxen ein.

Für die Plastiktüten im Supermarkt müssen die Kunden schon lange bezahlen, aber an der Frischetheke gab es bis jetzt dank strenger Hygienevorschriften keine Möglichkeit, Verpackungsmüll zu sparen. Das wird sich jetzt ändern. Zumindest in den 12 Edeka-Filialen von Dieter Hieber. Inspiriert von den verpackungsfreien Läden und gemeinsam mit einer Studentengruppe der „Ecole Supérieure en Visual Merchandising Design“ und verschiedenen Unternehmen hat er Lösungsansätze entwickelt – und startet nun eine Umweltoffensive in seinen Supermärkten.

Ein erster Schritt war die Einführung einer Hygieneschleuse an der Frischetheke. Bisher war es so, dass an der Frischtheke keine mitgebrachten Dosen, an denen Bakterien haften könnten, über die Theke gereicht werden durften. Damit alles nach den Hygienevorschriften abläuft, entwickelte das Team eine Schleuse, in die die Kunden ihre Boxen legen können. Mithilfe von UV-Licht entkeimt der Apparat die Dosen, sodass die Mitarbeiter sie ohne Bedenken anfassen und mit Lebensmitteln befüllen können.

Diese Lösung fand zwar die Zustimmung der Behörden, war dem Unternehmer aber immer noch zu langsam und zu energieintensiv. Die Schleusen töten in 45 Sekunden dank UV-Licht die Bakterien ab, waren aber Energiefresser. Die neue Lösung ist so einfach, dass Dieter Hieber schmunzeln muss: „Der Kunde reicht seine Dose über die Theke und der Mitarbeiter hält ein Tablett hin. Auf dieses Tablett stellt der Kunde seine Dose ab. Der Mitarbeiter stellt dann das Tablett neben der Waage ab und füllt die gewünschten Produkte in die Dose. Anschließend reicht der Mitarbeiter dem Kunden die Dose wieder über die Theke. Wir wollen den Vorgang bei der Rückgabe so gestalten, dass wir dem Kunden die Dose wieder offen auf dem Tablett zurückgeben“. Dann müsse der Mitarbeiter die Dose nicht berühren und sich dann auch nicht die Hände reinigen. 

Die Kunden nähmen das neue System eher zögerlich an. Aber je weiter sich die Neuigkeit verbreiten würde, desto mehr brächten auch ihre Boxen mit. Wenn zehn bis 15 Prozent auf den Zug aufspringen würden, wäre Dieter Hieber schon zufrieden. Bis dahin entwickelt er schon die nächsten Ideen: Obst und Gemüse sollen die Kunden künftig in wieder verwendbaren Netzen statt in Plastikbeutel einpacken. Auch bei den Backwaren, dem Kaffee zum Mitnehmen und bei der Saftbar arbeitet er an Mehrweglösungen ohne Verpackungsmüll. Für die alternativen Einweglösungen will er auf nachhaltiges Material setzen. Nur die Verpackung der gelieferten Industrieprodukte, die kann der Unternehmer leider nicht beeinflussen: „Aber auch da findet langsam ein Umdenken statt“, hofft der Unternehmer.

Verpackungsmüll nimmt zu

Die Deutschen produzieren so viel Verpackungsmüll wie nie zuvor. Allein seit 2003 stieg die Pro-Kopf-Menge von 187,5 Kilogramm auf 212,5 Kilogramm im Jahr 2013. Die gesamte Verpackungsmüllmenge stieg innerhalb von zehn Jahren von 15,5 Millionen auf 17,1 Millionen Tonnen im Jahr. Die Bundesregierung macht für diesen Anstieg um 1,6 Millionen Tonnen vor allem auch den Boom beim Internet-Versandhandel verantwortlich. Papier und Kartons haben den größten Anteil am Verpackungsmüll. Am gesamten Müllaufkommen in Deutschland hat Verpackungsmüll einen Anteil von knapp 50 Prozent. Wer in Deutschland verpackungsfrei leben will, braucht viel Geduld und einen dicken Geldbeutel, denn verpackungsfreie Läden sind selten und teuer. In Deutschland gibt es momentan  rund 30 verpackungsfreie Läden und auch im Internet steigen die Möglichkeiten, mit weniger Verpackungsmüll beim Einkaufen auszukommen.  

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