Es geht voran! Wie kann es nach einem Ausstieg aus der Braunkohleindustrie mit den betroffenen Regionen und den Arbeitnehmern weiter gehen? Ein Beispiel vorgestellt von Aman

Wieder einmal hat der vielfältige Protest gegen eine lebensfeindliche Technologie seine Wirkung gezeigt. Nach dem Ausstieg aus der Kernkraft ist nun nach dem Kampf um den Hambacher Forst auch das Ende der klimaschädigenden und landschaftzerstörenden Braunkohleförderung nur noch eine Frage der Zeit. Eine sogenannte Strukturanpassung, die vor allem die Arbeitsplätze in dieser sterbenden Industrie betrifft, ist unausweichlich. RWE droht bereits mit der Entlassung der ersten Mitarbeiter. Doch in welche Richtung sollen sich die Bergbauregionen entwickeln? Wie sollen neue Arbeitsplätze entstehen? Was wird aus den ausgebeuteten Tagebauen, was aus den Wunden in der Landschaft?

Der Wandel, der dem rheinischen Braunkohlerevier am Hambacher Forst jetzt bevorsteht, ist in den Tagebaugebieten in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt längst im Gange. Dort sind von den ursprünglich 70.000 Arbeitsplätzen in der Braunkohleindustrie nur noch 8.000 erhalten. Noch! Welche Rezepte haben die Landesregierungen, hat der Staat, um die Landflucht aus diesen strukturschwachen Regionen zu verhindern? Neben den Arbeitsplätzen, die für den Rückbau und die Renaturierung der letzten Kohlegruben kurzzeitig erhalten bleiben, soll vor allem der Tourismus die dort noch bleibenden Menschen ernähren. Schließlich wurde ein Großteil der ehemaligen Braunkohle-Tagebaue inzwischen geflutet und eine künstliche Seenlandschaft mit mehr als 70 Quadratkilometer Seefläche ist entstanden.

Weitere, riesige Seen kommen durch die noch stillzulegenden Kohlegruben in den nächsten Jahren hinzu. Die Frage ist nur, werden die auf absehbare Zeit öden Wasserlandschaften genug Wassersportler und Freizeitaktivisten anziehen? Kann der Tourismus das Auskommen für Menschen und Gemeinden kompensieren, das durch das Ende der Braunkohleförderung fehlen wird?

Neue Arbeitsplätze in den Kohlerevieren

In den ehemaligen Tagebauen, die heute Seen sind, könnten neue Arbeitsplätze durch den Bau und den Betrieb von schwimmenden Solarkraftwerken entstehen. In China, nahe der Stadt Huainan, wurde in einer gefluteten Kohlegrube vor kurzem das bisher größte schwimmende Solarkraftwerk der Welt mit einer Leistung von 40 MWp (40 Millionen Watt) errichtet. Besonders in Japan boomen solche Kraftwerke auf Regenwasserbecken oder Trinkwasserspeichern. Spezialist und Marktführer für schwimmende Solarmodule ist das französische Photovoltaik-Unternehmen Ciel et Terre, das bereits 120 Projekte mit einer Gesamtleistung von 235 MWp in England, Frankreich, Portugal, Brasilien, USA, China und vor allem in Japan umgesetzt hat.

Die Korea Rural Community Corporation will drei schwimmende Photovoltaik-Anlagen auf künstlichen Seen in Südkorea mit einer Gesamtkapazität von 280 Megawatt installieren. Auch das südkoreanische Unternehmen Solkiss plant in der vietnamesischen Provinz Yen Ba schwimmende Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von 500 Megawatt. Der Vorteil, Seeflächen für Solaranlagen zu nutzen, liegt einerseits darin, dass keine landwirtschaftlichen Flächen verloren gehen. Andererseits können schwimmende Solarzellen bis zu elf Prozent effizienter sein, als auf kostbarem Land installierte Module. Deren Leistung sinkt ab einer Temperatur von 25 Grad. Schwimmende Solarzellen werden hingegen durch das Wasser darunter natürlich gekühlt und tragen zusätzlich auch zur Reduzierung der Verdunstung des kostbaren Wassers bei. Somit wären die ehemaligen Braunkohlereviere ein idealer Standort für schwimmende Kraftwerke, zumal die benötigten Stromtrassen vorhanden sind.

Theoretisch ließe sich auf den bisher gefluteten Tagebaugebieten mit einer Gesamtfläche von 70 km2 eine elektrische Leistung von 7.000 MWp installieren. Zum Vergleich: Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, das zu den zehn dreckigsten Kraftwerken in der Europäischen Union gehört, hat eine Leistung von 3.000 MW. Auch Recyclingbetriebe könnten sich dort ansiedeln, um die Schwimmkörper für die Solarpanele aus recyceltem Kunstoff zu produzieren. Die für schwimmende Solaranlagen eingesetzten Schwimmkörper bestehen meist aus dem Kunststoff HDPE, also Polyethylen mit hoher Dichte. Es ist der weltweit mit Abstand am häufigsten verwendete Standard-Kunststoff und wird in erster Linie für Verpackungen von z.B. Getränkeflaschen, als Behälter für Shampoo und Waschmittel oder als Material für Kanister oder Yoghurt-Becher verwendet.

HDPE gilt, wenn er nicht im Meer landet, als ein vergleichsweise umweltfreundlicher Kunststoff, der aber auch östrogenartig wirkende Chemikalien enthalten kann. Ein praxisnahes Testverfahren hat bestätigt, dass HDPE unter genau festgelegten Bedingungen bis zu zehnmal dem Recycling zugeführt und wiederverwendet werden kann, ohne dass der Spritzgussvorgang und die Feinzerkleinerung deren Eigenschaften prinzipiell nicht verändern. Daher wäre eine nachhaltige Produktion von eben diesen Schwimmbehältern für Solaranlagen unter Verwendung des immer wieder recylcelten Ursprungskunststoffs bis zu 200 Jahre lang möglich. Statt Großkonzerne den Markt für schwimmende Solaranlagen entwickeln und beherrschen zu lassen, sollten sich die Menschen in diesen strukturschwachen Gebieten in Genossenschaften organisieren können.

Diesen Genossenschaften muss durch staatliche Anschubfinanzierungen ermöglicht werden, diese Kraftwerke selbst zu errichten und auch zu betreiben. Vorfinanziert aus Mitteln des „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“, dessen Volumen mittlerweile 24,1 Mrd. Euro beträgt. Eine sinnvollere Anlage dieser Gelder gibt es nicht. Oder wo sonst könnten diese Gelder sinnstiftend besser investiert werden?

4 Responses

  1. Michael Müller
    Tatsächliche Stromerzeugung statt installierter Leistung angeben

    „Theoretisch ließe sich auf den bisher gefluteten Tagebaugebieten mit einer Gesamtfläche von 70 km2 eine elektrische Leistung von 7.000 MWp installieren. Zum Vergleich: Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, das zu den zehn dreckigsten Kraftwerken in der Europäischen Union gehört, hat eine Leistung von 3.000 MW.“
    Hier wird durch die installierte Leistung der Anschein erweckt, dass man mit der PV-Anlage mehr Strom erzeugen könnte als mit dem Kohlekraftwerk. Das ist falsch. Die PV-Anlage kommt vielleicht auf 1.000 Vollaststunden pro Jahr und das Kohlekraftwerk auf 8.000 (wenn man es durchlaufen lässt und nur Wartungszeiten abzieht). D. h. für das oben genannte Beispiel, dass Jänschwalde im Jahr mehr als 3 Mal so viel Strom produzieren kann wie die PV-Anlage. Und das durchgehend ohne irgendwelche täglichen und jahreszeitlichen Schwankungen ausgleichen zu müssen. Das steht aber leider nirgendwo in dem Artikel. Schade…
    https://de.wikipedia.org/wiki/Volllaststunde

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  2. Petro
    Kraftwerke auf Seen

    Es ist schon erstaunlich, wie solche Artikel mit geringstem Fachwissen geschrieben werden. Es ist doch völlig egal, ob solche „Kraftwerke“ schwimmend oder auf Land errichtet werden. Nachts scheint auch auf den Seen keine sonne, bei bewölktem Wetter auch tagsüber nicht. ich möchte den Redakteur sehen, wenn er nachts mit Kerzen seine Arbeit manuell, nicht am Computer mangels Strom, verrichten will. Dass dann sonst auch nichts mehr geht, wie z.B. Wasser und Abwasserver- und Entsorgung, usw. Es muss nicht wiederholt werden, dass alles im Leben mit Strom geht. Also nur zu, alles abschalten, der Strom kommt ja aus der Steckdose. Aber es sollte bevorzugt diese Phantasten treffen, die ihre abenteuerlichen ideen für nachahmenswert halten.

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    • dedzi

      Da setzt man einfach die nächste Industrie in Form von Speicherherstellern in welcher Form auch immer hinten an. Potential für Aufschwung ohne Ende! Nein im Ernst, was erwartest du von einem Portal über Spiritualität, Geist und Körper. Die Idee ist interessant und die realisierten Beispiele sollten Beweis genug sein, dass es sich offenbar auch rechnet. Da mit Sonne scheint/scheint nicht zu argumentieren zeugt auch nicht gerade von sonderlich viel Expertise.

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      • Peter Wieland
        Schwimmende Solarkraftwerke

        Danke, danke, für Ihre „Expertise“. Sind wir uns darüber einig, dass ein „Solarkraftwerk“ seine Energie aus der Sonne bezieht, oder soll? Egal, ob dieses schwimmt oder sonstwo installiert ist. Sind wir uns weiterhin darüber einig, dass ohne Sonne, nachts oder bei bewölkten Himmel, keine Energie erzeugt werden kann? Wenn nicht, dann kramen Sie bitte Ihre Kerzen heraus, um wenigstens Licht zu haben. Alles andere ist esoterischer Unfug.

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