Licht ist lebenswichtig. Ohne ausreichend dem natürlichen Tageslicht ausgesetzt zu sein, werden wir schnellkrank, antriebslos oder sogar depressiv. Reichlich Sonne hingegen stärkt das Immunsystem, setzt Testosteronund Glückshormone frei – die Basis für alles, was Spaß macht! Andererseits kann man sich im Sommer nicht soeinfach stundenlang in die Mittagssonne legen, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Wie aber kriegt man dieBalance zwischen Sonnenschutz und Sonnetanken richtig hin…?

von Illian Sagenschneider

Viele Menschen in unseren nördlichen Breiten bekommen nicht genug Sonnenlicht ab. Zum einen ist die Strahlung hier schwächer als in den südlichen Gefilden, zum anderen gestalten wir zusätzlich unseren Alltag hier recht finster: Der „Sonnenschutzfaktor“ Büro und Arbeitszeit hindert uns schlicht daran, uns nachmittags mal schön in die Sonne zu legen. Und dann ist da der „Sonnenschutzfaktor“ Kleidung – das heißt, wenn wir schon mal draußen sind, profitieren bestenfalls Gesicht und Hände davon. Die restlichen zwei Quadratmeter Haut bekommen in der Regel erst am Spätnachmittag, am Wochenende oder im Urlaub etwas mehr Licht zu sehen.

Doch genau in diesen Momenten im Garten, Freibad oder am Meer schmieren wir unsere Haut oft dick mit Sonnencreme (meist mit hohem Schutzfaktor) ein. Dabei sollten wir weniger Angst vor der Sonne als vielmehr Angst vor den Zutaten dieser Industrieprodukte haben.

Sonnencremes mit Nanopartikeln

Nicht wenige Sonnenschutzmittel enthalten winzige Nanopartikel, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Allen voran das Titandioxid, das als hochfein zerkleinertes Teilchen für „bessere Eigenschaften“ der Sonnenmilch beigemischt wird. Achten Sie mal auf den – ebenfalls winzigen – Hinweis in der Zutatenliste (Titanium Dioxide Nano). Anhand von Tierversuchen konnte man zeigen, dass sich diese kleinsten Partikel im Körper ablagern und dort für Entzündungen, Darmprobleme und Schäden an den Nervenzellen sorgen. Doch trotz großer Bedenken aus der Wissenschaft wird an der Nanotechnologie festgehalten. Selbst in unserem Essen, unserer Zahnpasta und unseren Medikamenten ist immer häufiger Titanoxid (E171) zu finden, obwohl es den Produkten hier lediglich eine schöne weiße Farbe verleiht. Wer also gern Kaugummis, Marshmallows oder Sachen mit Zuckerguss isst, sollte sich auch hier mal die Zutatenliste ansehen. Wie immer streitet die Industrie die negativen Wirkungen ab und fordert erst mal viele, viele weitere Studien. Aber was bringt es Ihnen, wenn Sie dann in zwanzig Jahren mit Sicherheit wissen, dass Ihr Krebs eben nicht von „zu viel Sonne“, sondern paradoxerweise von Ihrer Sonnencreme kam?!

Natürlicher Sonnenschutz

Beim Sonnenbaden verfolge ich mittlerweile eine ganz eigene Strategie, um toxische Substanzen auf meiner Haut zu vermeiden. Zuerst einmal möchte ich mich nicht vor der Sonne schützen, sondern Sonne tanken! Und damit beginne ich langsam und frühzeitig: Schon im März, wenn die Strahlen noch recht schwach sind, gehe ich bewusst für eine Stunde in die Mittagssonne. Komplett nackt in meinem Garten oder im Park bekommen meine beiden Körperseiten je eine halbe Stunde Licht geschenkt. Zum Glück sind die Berliner, was das angeht, ja herrlich unverklemmt. In Düsseldorf im Stadtpark könnte ich das nicht bringen, ohne vom Ordnungsamt verscheucht zu werden. Aber das ist ein anderes Thema…

Wer fürs reine Sonnenbaden zu wenig Zeit hat, könnte solche Momente, in denen der Körper effizient Vitamin D bildet, auch mit Lesen, Laptop oder dem Mittagessen verbinden. Im Mai beginne ich dann immer häufiger, die Mittagssonne zu meiden, und verlege das Sonnenbad auf den Nachmittag. Bis zum Juni hat mein ganzer Körper einen feinen braunen Teint bekommen. Somit kann auch keine schneeweiße Hautpartie unvorbereitet mit der intensiven Sommersonne in Kontakt kommen.

Verbringe ich viel Zeit in der Sonne, nutze ich zusätzlich frisches Aloe-Vera-Gel für meine Haut. Die Echte Aloe (lat. Aloe vera) ist ein Liliengewächs, dessen Saft und Gel sich seit einigen tausend Jahren völlig nebenwirkungsfrei als Schutz- und Reparaturmittel für die Haut bewährt haben.

Verbesserte Wundheilung

Schon die ägyptischen Königinnen Kleopatra und Nofretete nutzten die Aloe zur Hautpflege. Alexander der Große ließ sie sogar in Wagen pflanzen, um bei seinen Feldzügen immer frische Blätter für die Wundversorgung seiner Soldaten dabei zu haben. Die Aloe hat – im Gegensatz zu dem wasserspeichernden Stamm der Kakteen – ihre Wasservorräte in den Blättern gesammelt. Dort befinden sich auch ihre mehr als 160 nachgewiesenen, hochwirksamen Inhaltsstoffe. Ein besonderes Zuckermolekül der Aloe, das Acemannan, stärkt Zellen gegen Viren und Bakterien, das Enzym Bradykinase hilft bei Entzündungen der Haut, und Salizylsäure (Stichwort Aspirin) erklärt ihre schmerzlindernde Wirkung. Am Ende entsteht die Heilwirkung der Aloe, die in vielen wissenschaftlichen Studien bestätigt wurde, durch ein komplexes Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe. Sie wirkt wundheilungsfördernd, antibakteriell, antiviral, antimykotisch, entzündungshemmend, gegen Tumorzellen und stärkt das Immunsystem. Ich verwende sie sowohl innerlich als Saft als auch äußerlich auf meiner Haut. Bei mir zu Hause gibt es fast immer ganze, frische Aloe-Vera- Blätter.

Davon schneide ich dann jeweils einen etwa zwei Zentimeter breiten Streifen vom Blatt ab und halbiere dieses Stück quer durch das glasartige Wassergewebe. Dann kratze ich mit einem Messer fein das Gewebe Schicht für Schicht herunter – also etwa so, wie das Schwarze von einer angebrannten Toastscheibe. Dadurch entsteht ein feiner Schleim. Diesen kann man vor oder auch nach dem Sonnenbaden (besonders wenn die Haut mal rot geworden ist) dünn auftragen, damit er bei der Reparatur des Gewebes hilft. Und auch wenn es sich anfangs etwas schleimig auf der Haut anfühlt, ist nach wenigen Minuten alles wunderbar eingezogen – ganz als hätte man nichts aufgetragen. Einen von diesen Streifen habe ich zurzeit fast immer dabei. Nicht nur wegen der Sonne, sondern auch wegen der lästigen Mücken. Kurz nach dem Stich aufgetragen, verschwindet der Juckreiz sehr schnell und die Hautreaktion bleibt erträglich.

Das Aloe-Gel eignet sich übrigens auch hervorragend als „Rasierschaum“, welcher gleichzeitig hilft, die von der Rasur verletzte Haut zu desinfizieren und wieder zu heilen. Ganze Aloe-Blätter sind mittlerweile in einigen Bioläden zu bekommen. Ebenfalls praktisch ist es, eine Aloe-Zimmerpflanze für den Notfall auf der eigenen Fensterbank zu haben. Dabei muss man allerdings beachten, dass sich die für uns wirksamen Inhaltsstoffe der Pflanze erst nach fünf Jahren und bei starker Sonneneinstrahlung bilden. Für den Notfall ist die Zimmer- Aloe okay, als Sonnenschutz nutze ich aber lieber importierte Blätter, die eine entsprechende Sonneneinstrahlung hatten. Denn Klima und Lichteinstrahlung im Anbaugebiet sind für die Wirkstoffkonzentration entscheidend.

Auf Mallorca beispielsweise herrscht im Sommer große Hitze, während es im Winter schon mal sehr kühl für so eine Aloe werden kann. Die Pflanze ist daher gezwungen, ihr volles Potential an Wirkstoffen zu mobilisieren, und wird dann besonders widerstandsfähig und reich an Inhaltsstoffen. (Einen ähnlich stärkenden Effekt haben Hitze- und Kälteimpulse übrigens auch auf unseren eigenen Körper. Siehe SEIN, Februar 2019: „Kälte statt Kaffee“).

Sonnenschutzschirm von innen

Natürlich ist das noch nicht alles, was ich für meine Haut tue. Frühes, regelmäßiges Sonnenbaden, teilweise in Kombination (davor und/oder danach) mit frischer Aloe ist das eine. Das andere ist meine Ernährung, die zum Beispiel aus hochwertigen Fetten und Antioxidantien besteht, die die Haut von innen heraus gut aufbauen und schützen. Omega-3-Fette sorgen für den richtigen Membranaufbau der Zellen. Antioxidantienreiche Lebensmittel wie Granatäpfel oder auch Nahrungsergänzungsmittel wie Astaxanthin oder OPC (Traubenkernextrakt) unterstützen den Aufbau eines starken, antioxidativen „Schutzschirms“ gegen die Sonne (siehe SEIN, Juli 2018: „Rostschutz für den Körper“). Ähnlich wie ja auch Betacarotinoide unsere Augen vor dem einfallenden Sonnenlicht schützen. Diesen „Schutz“ kann man auch messen. Studien an der Charité Berlin zeigen, dass ein hohes antioxidatives Potential im Körper die Haut wirksam vor Falten und schnellen Alterungsprozessen schützt.

Auf der anderen Seite gibt es Faktoren, die viel Antioxidantien verbrauchen. Trinkt man zum Beispiel im Urlaub abends auf einer Party zu viel Alkohol und legt sich dann am nächsten Tag in die pralle Sonne, rächt sich das doppelt: Hoher Alkoholkonsum lässt den Antioxidantienspiegel nämlich massiv abfallen. Danach braucht es mindestens fünf (!) Tage, bis der „Schutzschirm“ ganz wiederhergestellt ist. Das heißt: Gerade dann, wenn der Schutz am schwächsten ist, setzt man sich auch noch der UV-Strahlung der Sonne aus. Dabei wäre es doch so einfach, wenn man auf ’ner Party – oder besser einige Tage davor – hochkonzentrierte Antioxidantien als Ausgleich nehmen würde. (Pillen auf Partys einzuwerfen dürfte vielen doch gar nicht sooo schwer fallen!) So könnte man genauso viel Spaß haben und gleichzeitig den Schaden minimal halten…

Das zeigt deutlich, wie sehr wir den Körper von innen heraus stärken können, wenn es um äußere „Angriffe“ geht. Meine Hautbeschaffenheit hat sich dadurch tatsächlich verändert. Sie ist weicher und glatter geworden und Sonnenbrand ist bei mir inzwischen eine extreme Seltenheit. Selbst eine Woche in der Sahara konnte ich auf diese Weise wunderbar überstehen. Zumal ich das Glück hatte, direkt vor Ort frische Aloe-Pflanzen zu finden. Nicht umsonst wird sie ja auch „Wüstenlilie“ genannt Ich fände es schön, wenn wir das „kleine Sonnenbaden zwischendurch“ häufiger in Beruf und Alltag einbauen könnten. Wäre es nicht cool, wenn es auf dem Dach jeder Firma ein paar Liegestühle gäbe? Und wenn man auf der Arbeit statt „Ich bin mal kurz eine rauchen…“ genauso einfach sagen könnte: „Ich bin mal kurz sonnenbaden…“ Ich würd’ das feiern.

Author: Oliver Bartsch

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