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Vitamin D: Über kein Vitamin wird derzeit so viel geforscht und berichtet. Aber was kann Vitamin D wirklich? Und wie verbreitet ist Vitamin-D-Mangel?

Vitamin D – das meisterforschte Vitamin

Auch wenn man meinen könnte, unser Körper sei mittlerweile erschöpfend erforscht, muss man bei näherem Hinsehen erkennen, dass dies noch längst nicht der Fall ist. Besonders die Biochemie und ihr Zusammenhang mit der Erhaltung der Gesundheit oder dem Entstehen von Krankheiten ist noch immer ein Forschungsfeld, in dem quasi jährlich völlig neue Entdeckungen gemacht werden.

Alle paar Jahre kommen in diesem Zuge auch bestimmte Nährstoffe ins Gespräch, deren Wirkung man plötzlich überhaupt erst wirklich versteht. Vitamin D ist so ein Fall. Über keinen anderen Nährstoff gab es in den letzten Jahren so viele Studien, Zeitungsberichte und wissenschaftliche Aufsätze wie über Vitamin D – in den letzten 15 Jahren hat das „Sonnenvitamin“ eine steile Karriere von einem kaum beachteten Nährstoff zum Gesundheits-Vitamin schlechthin hingelegt, dem mittlerweile fast die Aura eines Wundermittels anhaftet.

Doch was ist dran, am Vitamin-D-Hype? Wird das Vitamin in ein paar Jahren in der Versenkung verschwinden, wie einige andere Nährstoffe vor ihm? Oder ist Vitamin D gekommen, um zu bleiben?

Die Geschichte des Vitamin D

Entdeckt wurde Vitamin durch eine rätselhafte Kinderkrankheit, die zu Beginn des industriellen Zeitalters verstärkt auftauchte: die schon seit dem 17. Jahrhundert gefürchtete Rachitis grasierte in bisher unbekanntem Ausmaß in den großen Industriestädten. Die betroffenen Kinder zeigten schwerste Fehlbildungen und -wüchse des Skeletts, deren Ursache zunächst unbekannt war und die bis zum Tode führen konnten. Bald fand man heraus, dass sich die Krankheit durch Lebertran und durch den Aufenthalt im Freien behandeln und verhindern ließ – und nach diversen wüsten Theorien wurde auf diesem Wege schließlich Vitamin D entdeckt und Rachitis als eine Vitamin-D-Mangelkrankheit erkannt.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstand man dann jedoch, dass Vitamin D zwar einerseits in Lebensmitteln enthalten ist, vor allem aber durch Sonnenlicht in der Haut vom Körper selbst gebildet werden kann – ein völliges Novum in der Medizin, den kein anderer Nährstoff kann vom Körper produziert werden und bei keinem anderen spielt die Sonne eine Rolle.

Auch der Zusammenhang zur Rachitis wurde schließlich entschlüsselt: Vitamin D, so stellte sich heraus, steuert die Aufnahme von Calcium und Phosphat, den wichtigsten Baustoffen unserer Knochen. Ohne Vitamin D kommt es auf diese Weise zu den beobachteten Fehlbildungen. Lange Zeit blieb es dabei und man glaubte, damit die Wirkung des Vitamin D entschlüsselt zu haben. Babys und Kleinkinder bekommen seither auch heute noch prophylaktisch Vitamin D, um der Rachitis vorzubeugen. Darüber hinaus jedoch fand Vitamin D wenig Beachtung.

Doch dann wurde der Vitamin-D-Rezeptor (VDR) entdeckt. Es stellte sich heraus, dass jede einzelne Körperzelle über so einen VDR verfügt – und dass das Vitamin D im Körper gar kein Vitamin ist. Vielmehr wird es zu einem Hormon umgewandelt, das – genau wie alle anderen Hormone – zahlreiche Prozesse im Körper steuert. Vom Calcium-Vitamin war Vitamin D auf einmal zu einem zentralen Super-Hormon aufgestiegen, ohne das keine Zelle unseres Körpers reibungslos funktionieren kann.

Über den VDR steuert Vitamin D unsere Immunantwort, schaltet über 2000 Gene an oder aus, regelt den Zellstoffwechsel und erfüllt zahlreiche andere zentrale Funktionen in unserem Körper. Wie alle anderen Hormone ist es damit ein zentrales Steuerelement unseres Organismus.

Superhormon Vitamin D

Vitamin D war also weit mehr als nur das Calcium-Vitamin. Und weit bedeutender als seine Steuerung des Calcium-Stoffwechsels waren offensichtlich die sogenannten „nicht-kalzämischen-Wirkungen“ des Vitamin D, deren Erforschung bald begann und die noch immer andauert. Gleichzeitig zur Entzifferung der Wirkungen des Vitamin D begann die Suche nach den Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels jenseits der Rachitis. Denn selbst wenn keine Knochenkrankheiten auftreten, sollte bei so zentraler Funktion selbst ein latenter Vitamin-D-Mangel schon weitreichende Konsequenzen haben – und Vitamin D könnte vielleicht ein wichtiges Präventionsmittel für viele Krankheiten sein.

Studie reihte sich an Studie und es konnte gezeigt werden, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel in der Tat mit fast allen Zivilisationskrankheiten einhergehen. Dieser Zusammenhang ist in einigen Fällen aber nur durch Korrelationsstudien belegt – also Studien, die zeigen, dass eine Krankheit und ein Vitamin-D-Mangel gleichzeitig auftreten, nicht aber beweisen, dass ein kausaler Zusammenhang besteht.

Ursache oder Wirkung?

Letzteres geht nur durch Interventionsstudien, die zeigen, dass ein Krankheitsbild durch Vitamin D behandelt oder verhindert werden kann. Der starke, wenn auch rein statistische Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und dem Auftreten schwerer Erkrankungen führte zu der Annahme, dass eine mangelnde Versorgung mit Vitamin D viele dieser Krankheiten mit auslösen kann. Aber bei einigen dieser Krankheiten ist noch unklar, ob die niedrigen Vitamin-D-Spiegel die Krankheit auslösen, oder die Krankheiten die niedrigen Vitamin-D-Spiegel, weil die genauen Wirkmechanismen noch immer nicht verstanden sind und Interventionsstudien fehlen. Einige Forscher sind deshalb der Ansicht, niedrige Vitamin-D-Spiegel sind womöglich eher die Folge von Krankheiten, als ihre Ursache. Die meisten sehen es aber genau anders herum, da mittlerweile viele erfolgreiche Interventionsstudien existieren.

Interventionsstudien mit negativen Ergebnissen hingegen weisen zum Teil einen oder mehrere erhebliche Mängel auf, die erklären, warum keine Wirkung erzielt werden kann: a) Die Dosis ist viel zu klein gewählt (siehe unten), b) die Dauer der Studien ist zu kurz, c) die Intervalle zwischen den Dosen ist zu groß, d) es wurde bei starkem Mangel keine Anfangstherapie durchgeführt, e) es fand keine Kontrolle der Kofaktoren statt (siehe unten).

Aufgrund dieser Situation ruhen derzeit auf keinem anderen Nährstoff so viele Hoffnungen, wie auf Vitamin D. Gerade erst laufen entsprechende Langzeitstudien mit einer großen Anzahl von Probanden, nach deren Auswertung wir in wenigen Jahren erstmals genau wissen werden, ob Vitamin D wirklich eine Ursache all dieser Krankheiten sein könnte.

Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet

Denkbar wäre es. Denn Vitamin D hat einige sehr interessante Aspekte. Es ist das einzige Vitamin, bei dem wir für eine Versorgung nicht primär auf Lebensmittel angewiesen sind, sondern auf Licht – genauer gesagt die Sonne.

Auch in philosophischer Hinsicht ist das ein durchaus interessanter Gedanke: Genau wie Wasser und Nahrung müssen wir auch Sonnenlicht zu uns nehmen, um gesund zu bleiben. Licht ist tatsächlich ein Nahrungsmittel für uns, ohne das wir nicht leben können.

Aber wie gut gelingt die Versorgung mit Sonnenlicht? Wir wohnen nicht mehr in tropischen Gebieten, wie unsere Ur-Ahnen, deren Gene und Physiologie wir noch immer in uns tragen. Wir sind selten nackt in der Sonne, wie es bei indigenen Völkern fast immer der Fall ist. Ja, wir verbringen den Großteil der Zeit überhaupt nicht an der Sonne, sondern in geschlossenen Räumen. Und wir benutzen Sonnenschutzmittel, die eine Vitamin-D-Produktion fast vollständig verhindern. Bekommen wir also genug Sonne?

Die Antwort ist sehr eindeutig nein. Unsere Vitamin-D-Spiegel betragen etwa nur ein Drittel der Vitamin-D-Spiegel ursprünglich lebender indigener Völker. Und die bisher größte Studie zur Verbreitung von Vitamin-D-Mangel hat gezeigt, dass selbst nach sehr konservativer Lesart in Deutschland 80 Prozent aller Menschen eine Unterversorgung mit Vitamin D aufweisen. Der Grund: Von Oktober bis März reicht die Sonne nördlich von Italien nicht mehr für die Vitamin-D-Produktion aus – und aufgrund der modernen Lebensweise können die wenigsten Menschen im Sommer ausreichende Vitamin-D-Körperspeicher aufbauen, um diese Durststrecke zu überstehen.

Zu wenig Vitamin D

Bildlich gesprochen gleichen die Menschen in den Industrienationen also einem Auto, das mit zu wenig Öl gefahren wird. Das geht eine Weile gut, doch irgendwann ist der Verschleiß so groß, dass das Gesamtsystem zu kollabieren droht.

Vor diesem Hintergrund scheint es recht plausibel, dass Vitamin D an der Entstehung der Zivilisationskrankheiten zumindest beteiligt sein könnte. Ohne das wichtige Hormon können zahlreiche Prozesse im Körper nicht korrekt ablaufen, was eine Kaskade von Folgereaktionen auslöst, die wir nun gerade erst zu erforschen beginnen.

Vitamin D ist komplizierter als gedacht

Ganz verstanden haben wir Vitamin D aber noch nicht. Denn wie alle Hormone wird auch das aus Vitamin D gebildete Vitamin-D-Hormon Calcitirol durch zahlreiche Regelkreise reguliert. Die wiederum sind erst seit nicht mal zwei Jahrzehnten halbwegs bekannt, so dass sich heute viele neue Fragen aufwerfen. Viele Studien der letzten Jahre sind möglicherweise unvollständig, weil sie wichtige Faktoren dieser Regulation nicht berücksichtigt haben.

Vitamin D durchläuft im Körper mehrere Umwandlungsschritte: Von Vitamin D3 zur Transportform 25-OH-D zum Vitamin-D-Hormon Calcitriol. Jeder dieser Umwandlungsschritte wird durch Regelsysteme reguliert und ist zudem von anderen Nährstoffen abhängig. Gemessen wurde in allen Studien stets nur die Transportform 25-OH-D – das ist aber nicht immer aussagekräftig, denn eigentlich wirksam ist nur das Hormon Calcitriol. Niedrige 25-OH-D-Werte können entstehen, weil vermehrt Vitamin D zu Calcitriol umgewandelt wird, oder auch, weil die Umwandlung von D3 zu 25-OH-D herunterreguliert wird. In beiden Fällen liegt kein Vitamin-D-Mangel im eigentlichen Sinne vor.

Es muss nun also genauer erforscht werden, wie sich das Verhältnis dieser Formen bei verschiedenen Krankheiten verhält und welche Faktoren in die Regulation eingreifen. Und auch, ob sich Unstimmigkeiten und Widersprüche zwischen einigen Studien nicht dadurch erklären lassen, dass diese Zusammenhänge nicht berücksichtigt wurden.

Wie so oft hat der Mensch versucht, einen Aspekt der Gesundheit isoliert zu betrachten, nur um zu erkennen, wie vernetzt das System in Wirklichkeit ist.

Vitamin D und seine Kofaktoren

Einige Zusammenhänge lassen sich ziemlich sicher durch Kofaktoren erklären. Heute wissen wir zum Beispiel, dass bei einem Magnesium-Mangel Vitamin D3 nicht umgewandelt werden kann und wirkungslos bleibt. In Studien muss darum eigentlich ein Magnesium-Mangel ausgeschlossen werden, wenn man die Wirksamkeit des Vitamin D beurteilen können will. Das ist jedoch nicht der Fall.

Ebenso wichtig ist das Zusammenwirken von Vitamin D und Vitamin K2 – ein weiteres interessantes Vitamin von dem wir in den nächsten Jahren noch viel hören dürften. Vitamin K2 sorgt dafür, dass das durch Vitamin D aufgenommene Calcium korrekt verwertet wird. Ohne Vitamin K2 ist das Calcium nicht nur nutzlos, sondern gefährlich, weil es sich in den Organen anlagert und Nierensteine, Arteriosklerose und Schlaganfälle auslösen kann. Bei Strandwachen – den Menschen mit den höchsten Vitamin-D-Spiegeln –  sind Nierensteine zum Beispiel eine Art Berufskrankheit, hier wirkt sich Vitamin D durch den Mangel an K2 also sogar negativ aus.Studien welche die Wirksamkeit des Vitamin D hinsichtlich Knochengesundheit und Herz-Kreislauferkrankungen untersuchen, sollten deshalb eigentlich auch den Vitamin-K2-Status feststellen. Auch das wurde bisher aber versäumt.

All diese Zusammenhänge werden in den nächsten Jahren noch viele Erkenntnisse zur menschlichen Biochemie und der Entstehung von Krankheiten hervorbringen, so viel kann wohl jetzt schon abgesehen werden.

Vitamin D als Nahrungsergänzung

Ein umfassendes Verständnis des Vitamin D wird also noch einige Jahre auf sich warten lassen. Es ist unklar, ob Vitamin D wirklich alle Erwartungen erfüllen kann, die derzeit an das Vitamin gestellt werden. Klar dürfte aber sein, dass hierzulande extrem viele Menschen an einer Unterversorgung leiden und dem Vitamin ein große präventive Bedeutung zukommt.

Entsprechend empfehlen heute bereits viele Ärzte und Heilpraktiker, im Winter Vitamin D über Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, um einen Mangel zu vermeiden. Im Sommer können viele Menschen ihren Bedarf gut über die Sonne decken, aber für viele berufstätige Menschen – vor allem in Großstädten – ist es auch im Sommer schwierig, ausreichend Sonne zu tanken, sodass selbst dann Ergänzungsbedarf bestehen kann.

Verrechnet: Die offiziellen Vitamin-D-Empfehlungen

Eine Kuriosität sind dabei die offiziellen Empfehlungen zur Dosierung von Vitamin D: Während man weiß, dass ein Sonnenbad mit nacktem Körper leicht 10.000 – 20.000 sogenannte internationale Einheiten (IE) Vitamin D produziert, bewegen sich die offiziellen Empfehlungen für Erwachsene noch immer im Bereich von 600-1000 IE. Und zwar aufgrund eines über Jahre unentdeckten Rechenfehlers, wie erst eine Studie aus dem Jahr 2014 herausfand.

Auf der Suche nach den Ursachen für die starken Diskrepanzen zwischen den offiziellen Empfehlungen und der therapeutischen Erfahrung hatten sich die Forscher noch einmal die Studien angesehen, die den jahrelangen Empfehlungen zugrunde lagen. Dabei kam heraus, dass diese völlig falsch ausgewertet worden waren – und die Empfehlungen um Faktor 5 bis 10 daneben lagen.

Weitere Studien bestätigten inzwischen diese statistische Analyse mit weiteren Meta-Daten aus der therapeutischen Praxis: Um einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden sind mindestens 3000-4000 IE pro Tag nötig. Mehr als fünf Mal so viel, wie offiziell empfohlen.

Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, auch ausreichend Vitamin K2 zuzuführen, da ansonsten die erwähnte Gefahr der Verkalkung von Gefäßen und Organen besteht.

Vitamin D – das Sonnenvitamin

Die alten Griechen waren der Ansicht, Nahrung sei die einzige Medizin, die wir benötigen. Nun entdeckt die moderne Nährstoffmedizin genau diese Sichtweise neu und neben dem teils dubiosen Markt an Nahrungsergänzungsmitteln entsteht eine neue Art von Medizin, die eine echte Alternative zur pharmakologisch orientierten Schulmedizin darstellt.

Der Körper ist von Natur aus darauf angelegt, Gesundheit zu erzeugen. Alles, was er dazu braucht, ist eine ausreichende Ernährung und eine niedrige Belastung mit Giften. Laut dieser Theorie könnten Nährstoffe wie Vitamine und Mineralien die Medikamente der Zukunft darstellen, mit denen sich fast alle bekannten Krankheiten verhindern oder behandeln lassen.

Vitamin D dürfte in dieser Hinsicht auch weiter eine zentrale Rolle zukommen, weil es eine besondere Stellung im Organismus einnimmt: Es ist das einzige Vitamin, das direkt in ein Hormon umgewandelt wird, und das einzige, für dass wir nicht auf die Ernährung, sondern auf die Sonne angewiesen sind.

Auch wenn wir inzwischen recht weit davon entfernt sind: Unser Körper hat noch immer einen Nährstoffbedarf, der von dem indigener Menschen nicht abweicht. Zeit also, sich mal wieder Sonne auf nackter Haut zu gönnen und etwas Licht zu essen.

Mehr Informationen: VitaminD.net

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