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Was uns maßgeblich von den Tieren zu unterscheiden scheint, ist die Fähigkeit uns selbst und die Vorgänge in unserem Geist zu reflektieren. Wie Forscher der Universität Buffalo jetzt aber herausgefunden haben, verfügen offenbar auch einige Tierarten über diese Fähigkeiten: Intensive Studien haben nachgewiesen, dass manche Tiere ihre mentalen Vorgänge bewusst reflektieren, überwachen und beeinflussen können.

„Vergleichende Psychologen haben die Frage untersucht, ob nicht-menschliche Tiere Kenntnis ihrer eigenen kognitiven Vorgänge haben oder nicht, indem sie einen Delfin, Tauben, Ratten, Affen und Menschenaffen mit Wahrnehmungs- und Gedächtnis-Tests sowie Lebensmittel-Versteck-Mustern untersucht haben“, erklärt Dr. J. David Smith, einer der Psychologen an der Universität. „Das Forschungsfeld zeigt zunehmend Beweise, dass Tiere funktionale Parallelen zum Bewusstsein und der kognitiven Selbst-Wahrnehmung des Menschen haben.“

Zu den Tierarten mit diesen Fähigkeiten zählen offenbar Delfine und Makakenaffen.

Nachdenken über das Denken: Metakognition

Die Selbstreflexion der Gedankenvorgänge wird von Psychologen „Meta-Kognition“ genannt: „Die Idee ist, dass der Geist in manchen Fällen einen gedanklichen Manager hat, der auf die Gedanken und Problem-Lösungen des Menschen oder Tieres schauen kann und feststellt, wie diese verlaufen, ob es Wege gibt diese zu lenken und ob ein Verhalten eingestellt werden muss, bis neue Informationen erlangt wurden“, erklärt Smith.

Immer mehr Forscher sind sich sicher, dass Tiere über Metakognition verfügen. „Forschung an Affen hat viele Parallelen zu Metakognitions-Leitungen des Menschen gezeigt“, sagt auch Robert Hampton, Assistant Professor der Psychologie an der Emory University in Georgia. Vergleichende Tests hätten auch dort große Übereinstimmung des Verhaltens von Menschen und Affen in nahezu identischen metakognitiven Tests ergeben.

Besonders Delfine haben diese Fähigkeit schon mehrfach unter Beweis gestellt. In den aktuellen Tests wurden den Tieren einfache Lernaufgaben auf einem Bildschirm gezeigt. Bei richtiger Beantwortung gab es eine Belohnung in Form von Futter, bei falscher eine leichte Bestrafung. Die Tiere hatten stets die Wahl eine Aufgabe auch einfach auslassen, um einer Bestrafung zu entgehen.

Es ergab sich, dass Tiere ohne Metakognition in der Hoffnung auf das Futter jede Aufgabe auf gut Glück zu lösen versuchten, während bei den Affen und dem Delfin klare Abwägungsprozesse erkennbar waren.

Immer wenn der Delfin unsicher war, hielt er eindeutig inne und schwanke merklich zwischen zwei möglichen Optionen. War er sich jedoch sicher, schwamm er direkt und zielgerichtet auf die von ihm gewählte ‚Antwort‘ zu“, beschreibt Smith das Verhalten des Delfins.

Die Evolution des „Ich“

Auch die Kapuzineräffchen haben Anzeichen von Metakognition gezeigt – jedoch nicht in dem Umfang wie der Delfin. Das werfe wichtige Fragen über die Entstehung des reflektiven bzw. erweiterten Verstandes in der Hierarchie von Primaten auf, so die Forscher, und eröffne möglicherweise ein Fenster zu einem neuen Verständnis der Entstehung und Evolution des menschlichen Bewusstseins.

Für viele Verhaltensforscher steht die Metakognition auf einer Stufe mit dem bewussten Verwenden von Werkzeugen und Sprache, wenn es darum geht, den Menschen vom Tier zu unterscheiden. Dennoch muss die Forschung weiter vertieft werden. Metakognition bedeutet nicht automatisch auch das Bewusstsein über ein denkendes „Ich“ – es ist aber gleichzietig durchaus möglich, das Tiere über ein solches verfügen.

„Es ist ein wichtiges Ziel der vergleichenden Psychologie endgültig festzustellen, ob Tiere über die metakognitiven Fähigkeiten des Menschen verfügen. Wenn das so ist, könnten diese auch auf Bewusstsein und Selbst-Gewahrsein gründen“, so Smith.

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2 Responses

  1. veganerkeks

    der preis der erkenntnis…

    ich möchte darauf aufmerksam machen, dass es zwar schön ist, dass menschen allmählich zur erkenntnis kommen, dass nicht nur wir ein lebenswertes leben führen, aber ich möchte auch zu bedenken geben, wodurch derartige wie oben beschriebene erkenntnisse gewonnen werden.

    delphinarien sind seit jahrzehnten selbst tierschützer_innen ein dorn im auge (ich sage selbst, weil sie ja nicht so bekannt dafür sind, sich konsequent für alle tiere einzusetzen), da es unmöglich ist, einen delphin in gefangenschaft glücklich zu machen (wie bei anderen tiere auch). delphine konnten in gefangenschaft noch nie erfolgreich gezüchtet werden, d.h. es gibt maximal eine 2., niemals jedoch eine 3. generation in delphinarien. das führt natürlich dazu, dass irgendwann wilder nachschub gefragt ist. selbstverständlich lassen sich delphine nicht freiwillig in ein gefängnis geleiten, weshalb der delphinfang mehr einem massaker gleicht (was er eigentlich auch ist, s. japan) und wer dann doch fang, transport und die ersten paar monate in gefangenschaft überlebt (was selten der fall ist), kann dann ENDLICH von den menschen ausgebeutet und ausgenutzt werden. ob nun in delphinshows, delphintherapien oder wie hier stumpfsinnigen tierversuchen – das los der delphin ist immer gleichsam grausam. teilweise sind sie so unglücklich, dass sie sich selbst umbringen – zb indem sie bewusst ihr atemloch unter wasser öffnen oder an der oberfläche ihr atemloch geschlossen halten oder so lange mit dem kopf an die beckenwand schwimmen, bis es ihnen den schädel zertrümmert.
    aber naja… alles hat seinen preis! immerhin wissen wir jetzt, dass es unethisch sein könnte, tiere zu quälen.. aber eigentlich wussten wir das auch schon vorher…

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