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Die Arche Ziethen ist ein kleiner Hof in der Nähe von Kremmen bei Berlin. Stephanie Ostendorf und ihr Lebensgefährte Michael Baginski leben dort seit 1999 mit 23 tierischen Mitbewohnern. Anneke Polenski führte ein Gespräch mit Stephanie Ostendorf über das Projekt, in dessen Rahmen auch Kurse mit den Tierkommunikatorinnen Karin Müller und Carola Lind stattfinden.

Im Februar 2004 und im Januar 2005 habt ihr die Tierdolmetscherin und Autorin Karin Müller in die Arche Ziethen bei Berlin eingeladen. Wie kam es dazu, was war dafür der Hintergrund?

S.O.: Wir leben hier mit unseren Tieren in intensivem Kontakt. Wir arbeiten mit ihnen nach einen Konzept, das ich im Laufe meiner langjährigen Erfahrungen entwickelt habe. Die Grund- lagen dafür sind: Wertschätzung, Empathie und Feedback. Daher passte es extrem gut, dass mir eine Reitschülerin das erste Buch von Karin Müller und Carola Lind „Der 6. Sinn“ schenkte. Sie hatte sich gewundert, dass wir nicht schon längst telepathisch arbeiten, da wir mit unseren Tieren sehr einfühlsam umgehen. Ich dachte damals nur „Na endlich! Das ist genau das, was noch fehlte.“ Keine Frage, dass mein Partner Michael Baginski und ich lernen wollten, unseren 6. Sinn zu nutzen. Da auf unserem Hof die Voraussetzungen gegeben sind, beschlossen wir, auch anderen interessierten Menschen die Möglichkeit zu bieten. Daher luden wir Karin Müller als Referentin in die Arche Ziethen ein.

Seit wann gibt es die Arche Ziethen? Und was war eure Idee bei der Gründung der Arche?
S.O.: Mein Partner und ich leben seit Oktober 1999 mit damals noch etwas weniger tierischen Mitbewohnern auf dem kleinen von uns gemieteten Hof bei Kremmen. Am Anfang stand der Wunsch, mit unserem verhaltensgestörten Pferd zusammen zu leben, um ihm Möglichkeiten zu geben, mit seinen Problemen klar zu kommen. In unserer Zeit hier haben wir erfahren, dass wir von den Tieren lernen. Dieses Wissen hilft uns manches Mal in Situationen außerhalb der Arche Ziethen im Zusammensein mit anderen Menschen und im Beruf. Und genau hier liegt der Ursprung der Idee: Wir Menschen wollen anderen Menschen vermitteln, was die Tiere uns beibringen können. Diese in ihrem Verhalten noch immer recht archaischen Persönlichkeiten können den Menschen vieles lehren, das er auch in seiner so genannten zivilisierten Welt brauchen kann. Mein Partner und ich haben beide pädagogische Berufausbildungen. Michael ist zusätzlich Diakon und hat die Gabe, in der Arbeit mit Menschen (sein Schwerpunkt sind die Kinder) und Tieren die Achtung vor der Schöpfung zu vermitteln. Ich habe in meinen inzwischen fast 26 Jahren Pferdeerfahrung den Fachübungsleiter Voltigieren*) und eine Zusatzqualifikation Psychomotorik erworben.

Welche Tiere leben zur Zeit bei euch?
S.O.: Inzwischen leben wir mit 23 tierischen Mitbewohnern zusammen: 5 Hühner, 1 Hahn, 2 Kaninchen, 6 Meerschweinchen, 3 Minischweine, 1 Hund, 1 Katze, 2 Pferde und 2 Ponies. Die drei Minischweine, fünf der Hühner und zwei von unseren Meerschweinchen stammen aus dem Versuchslabor. Die meisten anderen wurden aus den „üblichen“ Gründen abgegeben: Krankheit entweder bei Mensch oder Tier, keine Vorkehrungen gegen ungewollte Vermehrung, ausgesetzt, kein (finanzieller) Nutzen mehr etc.

Mir fällt auf, dass ihr eine ganz bestimmte Ethik im Umgang mit den Tieren vertretet. Was beinhaltet diese Ethik und worauf begründet sie sich?

S.O.: Wir versuchen, Tiere als genauso einzigartige und wertvolle Persönlichkeiten zu betrachten wie die Menschen. Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse. Um miteinander zu leben, muss man über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Damit meine ich, dass jedes Individuum Mittelpunkt seines eigenen Universums ist. Um zu verstehen, wie ein bestimmter Mensch, ein Pferd, ein Schwein, Huhn oder was auch immer seine Welt sieht, muss ich versuchen, sein Wesen und seine Lebensart zu begreifen. Dann kann ich auf seine Bedürfnisse eingehen. Erst dann ist eine Kommunikation möglich. Der Mensch ist oft der Meinung, das Tier muss die Sprache des Menschen lernen. Meiner Meinung nach entstehen die bereicherndsten Begegnungen, wenn auch der Mensch bereit ist, auf das Tier zuzugehen, einen Teil seiner Sprache zu lernen und auch dessen Weisheiten als solche anzuerkennen. Gerade unter den Pferden habe ich wunderbare Lehrer gefunden, die mir in meinem Leben als Mensch unter Menschen (nicht nur als Reiterin) sehr viel beigebracht haben. Aber auch von anderen Tieren durfte ich schon sehr viel lernen. Die Telepathie ist hier eine zusätzliche Chance, da auf dieser Ebene der Kommunikation alle weitest- gehend die gleiche „Sprache“ sprechen.

Was geschah, als du das erste Mal ein Buch von Carola und Karin gelesen hast? Wie wirkte der Inhalt auf dich?
S.O.: Ich war einerseits beeindruckt von der zusätzlichen Dimension der Tiefe für die Mensch-Tier-Beziehung, die sich dabei eröffnet. Andererseits hat gerade das erste Buch die Telepathie für mich „entmystifiziert“. Bisher war ich immer der Meinung, nur besonders „esoterisch begabte“ Menschen seien dazu in der Lage. Ich hatte stets das Bild von einem in „höheren Sphären schwebenden Medium“, dem ich viel Geld zahlen muss, wenn ich wissen möchte, was meine Tiere so erzählen. Dass auch ich „kleiner“, bodenständiger Mensch, der ich täglich mit den Tieren im Matsch rumstapfe, dazu in der Lage bin, hätte ich mir nicht träumen lassen. Karin und Carola sind überzeugt, dass jede/r das kann. Das ist natürlich eine faszinierende Vorstellung, von der ich mich inzwischen selbst überzeugt habe.

Was habt ihr in den Seminaren über eure Tiere herausgefunden?
S.O.: Ich hatte ganz schön Bammel davor, was unsere Süßen so erzählen würden! Ich hatte einfach Angst, dass die Tiere mehr von uns wollen, als wir geben können. Zu meiner Beruhigung fanden die Tiere das Leben hier gar nicht so schlecht. Vieles von dem, was sie erzählt haben, wussten wir intuitiv schon. Vieles war eine ganz neue Sichtweise, die Verhalten in einen anderen Licht erscheinen ließ. Die Tiere kennen ihre Probleme sehr genau und wissen oft auch, wie ihnen geholfen werden kann. Spannend ist auch immer, wie die Tiere uns wahrnehmen. Das ist oft eine so unvoreingenommene Sichtweise, dass ich nur noch denken kann: „Ja stimmt, er/sie hat recht.“

Karin Müller und Carola Lind betonen in ihren Seminaren und Büchern, dass es wichtig ist, die telepathisch empfangenen Wünsche der Tiere auch umzusetzen. Welche Veränderungs-wünsche habt ihr von den Tieren empfangen und was konntet ihr davon umsetzen?

S.O.: Manche Wünsche waren ganz einfach, wie z.B. mehr Kraftfutter, bestimmte Bachblüten oder eine osteopathische Behandlung. Andere Wünsche waren schwieriger. Dort waren wir auch gezwungen, mit unseren Tieren zu verhandeln. Z.B. wollte unsere dreiköpfige Pferdeherde ein viertes Pferd. Da wir uns das nicht leisten können, mussten die drei eben warten, bis wir ein passendes Pensionspferd gefunden hatten. Einigen Wünschen habe ich dann doch nicht entsprochen. So wollte beispielsweise eines unserer Schweine (sie darf im Winter im Haus am Ofen schlafen), dass wir ihr erklären, was im Fernsehen passiert. Das ist anstrengend auf die Dauer! Außerdem wurde mir dabei immer klarer, wie banal das eigentlich ist. Besonders, wenn sich das Schwein nach 10 Minuten desinteressiert wegdreht! Ich will mir aber nicht banal vorkommen, weil ich fernsehe, sondern mich mit gutem Gewissen entspannen. Also habe ich der Sau erklärt, dass Fernsehen eben nichts für Schweine ist.

Wenn man in einem Lernprozess als Tierkommunikator, als Anfänger quasi ist, welche Probleme können da auftauchen? Und hat man nicht auch Sorge, dass die Menschen um einen herum einen für verrückt erklären?

S.O.: Ich stelle in meinem Lernprozess immer wieder fest, dass ich alles einflechte, was ich bereits über ein Tier weiß. Für mich ist es zum Üben daher besser kontrollierbar, wenn ich mit Tieren kommuniziere, die ich nicht kenne und mich dann mit dem Besitzer rückkoppele. Allerdings beginnt hier genau das Problem, das Du bei Deiner zweiten Frage angesprochen hast: Natürlich schaue ich mir die Tierbesitzer genau an oder frage Bekannte, ob sie jemanden kennen, der dafür offen ist. Da ich als Pferdetrainerin sowieso schon unkonventionell arbeite (ich versuche, das Verständnis und die Begeisterung des Pferdes zu wecken), muss ich aufpassen, bei den Reitern nicht als totale Spinnerin zu gelten, wenn ich nun auch noch mit den Tieren „rede“.

Wie geht es auf eurem Hof weiter, was habt ihr für Pläne und Ziele?
S.O.: Wir werden unser Angebot weiter bestehen lassen. Das heißt, ich werde mit Pferden und Menschen arbeiten in meiner eigenen Mischung aus Vertrauensförderung, Selbstfindung, Kommunikation über Körpersprache und körperorientiertem Reiten in Anlehnung an klassisch barocke Vorbilder. Mein Partner Michael Baginski wird die Tierpädagogik für Kinder weiterführen, wobei er Wissen rund um das Tier kindgerecht vermittelt. Wir haben 2005 einige Kurse geplant, wozu auch jeweils ein Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs in Telepathie mit Karin Müller und eventuell auch mit Carola Lind in diesem Sommer gehören. All das wird uns und hoffentlich auch viele andere Menschen und Tiere unterstützen auf dem Weg zu einer vertrauensvollen Partnerschaft mit Tieren.

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Über den Autor

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Stephanie Ostendorf ist Diplom-Pädagogin mit der Zusatzqualifikation Psychomotorik, Fachübungsleiterin Voltigieren, Pferdetrainerin und Tierkommunikatorin. In ihren Seminaren zur beruflichen Fortbildung (Potentialanalyse, Teambuilding, Entstressung etc.) und Kursen in den Bereichen Tierkommunikation und Pferdetraining bringt sie mehr als 35 Jahre Erfahrung im Zusammenleben mit Pferden ein.

Veröffentlichungen:
„Pferdetraining mit allen Sinnen – Eine etwas andere Reitlehre“ (pro business 2008)
„Ich lerne von dir – du lernst von mir; Reiten im Sinne der Pferde“ (Schirner Verlag 2012)

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