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Pferde, Hunde oder Delfine werden immer öfter in Therapien eingesetzt. Ihre direkte Empfänglichkeit für das Sein des Klienten und ihre nonverbale Kommunikation senden Heilimpulse auf einer Ebene jenseits des Verstandes. Der Kontakt mit den tierischen Helfern fördert Stressabbau, Selbstbewusstsein, Vertrauen ins Leben und kann sogar konkrete körperliche Leiden lindern.

 

„Na, das ist ja doch ziemlich groß. Ich weiß gar nicht, wie ich das anfassen soll.“ Das war das Erste, was meiner Klientin Tanja (44) zu meiner Stute Joy einfiel. Kurz darauf war von Angst keine Spur mehr, denn 20 Minuten später besteht sie darauf, ohne Sattel zu reiten. So schnell kann es gehen, dass ein Mensch – in diesem Fall mit traumatisiertem Hintergrund – Vertrauen fassen kann. Die Bereitschaft, mit ­einem so großen und starken Tier um­zugehen, es zu führen und letztendlich von ihm getragen zu werden, ist der erste Schritt in Richtung Heilung und Vertrauen, den die tiergestützten Förderungen und Therapien bieten können.

Gerade in puncto Vertrauen hat Tanja seit ihrer Jugend bis ins Erwachsenen­alter hinein viele Brüche erlebt. Sexueller Missbrauch und Vergewaltigung haben ihren Lebensmut und ihr Urvertrauen schwer erschüttert, und doch konnte sie die nötige Stärke beibehalten, welche sie immer wieder auf den Pfad der Verarbeitung des Erlebten dirigierte.

Auf diesem Pfad kam sie nun auch zu uns. Anfangs noch etwas unsicher im Umgang mit diesem großen Tier (dabei ist Joy mit ihren 1,57 Meter noch lange kein „großes Pferd“– die fangen dann so bei zwei Meter an), saß sie schon bald hoch zu Ross ohne die Sicherheit eines Sattels und gab sich ganz dem Schaukeln hin.

 

Vertrauen zu sich selbst entdecken

Typische Methoden aus der heilpädagogischen Reit- und Voltigierarbeit kombiniert mit Praxen zum Beispiel aus den Bereichen Qi Gong, Meditation, energetische Atemübungen und schamanische Arbeit erlauben uns, individuell auf die aktuellen Bedürfnisse aller Beteiligten eingehen zu können.

So war es an diesem Tag für Tanja eher wichtig, einfach zu spüren – und dann besonders schön, mit geschlossenen Augen zu reiten. Es kann durchaus sein, dass ein Tier einmal einen schlechten Tag hat und nicht ganz konzentriert ist. Dann ist es unerlässlich, auch darauf Rücksicht zu nehmen und das flexibel geplante Tagesprogramm dementsprechend anzupassen.

Meine Position ist eher eine beobachtende und meist nur unterschwellig führende. In diesem Rahmen konnte Tanja anschließend und nach dem gemeinsamen Waschen von Joy diese sogar ganz allein auf die Koppel zurückbringen. Völlig begeistert und beseelt von dieser Erfahrung meldete sie sich bereits wenige Tage später: „Ich erzähle allen von deiner Arbeit und bin dir sehr dankbar für diesen schönen Tag. Die Erfahrung mit Joy hat mir den Weg zu meinem Körper nachhaltig näher gebracht. Mich auf ein für mich riesengroßes Tier einzulassen, war ein riesengroßer Schritt Richtung Selbstvertrauen und auch einem anderen Wesen – in dem Fall Joy – zu vertrauen.“

Genau dieses „Vertrauen zu mir selbst“ ist der erste Schritt, die eigene innere Kraft zu entdecken und zu stärken. Mit diesem Vertrauen in die eigene Kraft kann der Kontakt zur inneren Weisheit und Intuition gestärkt werden, weshalb ich lieber Begriffe wie ‚Selbsterfahrung‘ statt Therapie zur Beschreibung dieser Arbeit nutze.

Wie mir sicher die meisten Menschen mit tierischen Begleitern bestätigen können, ist die Kommunikation mit einem Tier eine der ehrlichsten überhaupt. Tiere stellen einen Spiegel unserer wahren Empfindungen dar, denn wir können ihnen nichts vormachen. Als Meister der so genannten nonverbalen Kommunikation interessiert sie herzlich wenig, was wir mit unserer Stimme sagen, wenn es nicht dem entspricht, was wir mit unserer wesentlich komplexeren Körpersprache ausdrücken. Ein Tier kennt kein Mitleid oder ähnliche Gefühle, die es daran hindern könnten, direkt und ehrlich zu kommunizieren. Tiere machen keine Unterschiede. Sie schauen direkt in uns hinein und sind im Hier und Jetzt. Und genau da kann ich auch sein, wenn ich mich mit Tieren beschäftige.

 

Spiegel für den Klienten

„Tiergestützte Förderung und Therapie“ bedeutet mit Hilfe von – meist – Hunden, Pferden oder Delfinen einen Kontakt zum Klienten herzustellen und heilende Impulse der Tiere zu nutzen, die es im Idealfall ermöglichen, Querschnittslähmungen, Burn-Out-Syndrome oder Ängste zu heilen oder zumindest die Symptomatik zu verbessern. Die Liste der Einsatzgebiete ist fast unbegrenzt, da auch die Möglichkeiten, Tiere als therapeutische Partner zu nutzen, nahezu unbegrenzt sind.

Häufig kommen auch einfach Erwachsene zu uns, die sich eine regelmäßige Auszeit wünschen, in der sie einfach mal wieder ins Spüren kommen, ehrlichen Austausch erleben und dabei noch an der frischen Luft sein können.

Die verschiedenen Angebote der pferde­gestützten Therapien unterscheiden sich oft grundlegend. Einerseits gibt es die rein physiotherapeutische Variante der so genannten „Hippotherapie“. Sie nutzt die natürlich rhythmischen Impulse des Pferdes in Bewegung als wichtigstes Heilmittel. Diese rhythmischen Reize werden beim Sitzen auf dem Rücken des Tieres über das Becken des Klienten aufgenommen und die Wirbelsäule hinauf bis in den Schädel geleitet. Die Effekte reichen von Entspannung und Stressabbau bis zur Rehabilitation von geschädigten Nerven.

Neben einigen weiteren Möglichkeiten des therapeutischen Einsatzes von Pferden gibt es auf der anderen Seite die Einstellung, das Pferd noch mehr als Partner einzubeziehen und selbst sprechen zu lassen. So habe ich schon die erstaunlichsten Situationen zwischen Klient und Pferd beobachten können, je mehr ich mich als “Anleiter“ zurücknahm.

Das Pferd erhält also die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und zu agieren und so uneingeschränkt als Spiegel für den Klienten fungieren zu können. Es bekommt die Gelegenheit, Impulse dort und genau dann einzusetzen, wo und wann sie gerade benötigt werden. Mal nimmt es die Rolle als großes Kuscheltier ein, dann wieder fordert es aktiv Reaktionen ein. So kann ein Tier wirklich zum Therapiepartner werden.

Eine ebenso interessante wie effektive Variante, Pferde als Helfer einzusetzen, sind Aufstellungen. Während Aufstellungen mit Menschen als Vertreter immer auch zu einem gewissen Grad von ihren eigenen Emotionen gefärbt sind, ist dies bei Pferden nahezu nicht der Fall. Sie stellen dank ihrer Körpersprache und ihres Verhaltens untereinander die nackte Wahrheit, aber auch Lösungsansätze ganz klar dar. In jedem Fall des therapeutischen Einsatzes von Tieren ist es wichtig, den Hauptakteuren einen adäquaten und ausreichenden Ausgleich passend zur Tierart zu ermöglichen. Bei Pferden ist hier ganz besonders darauf zu achten, dass sie täglich viel grünen Auslauf haben und in einer Herde leben können. Genau wie wir sind auch sie soziale Wesen und können sich bei Mutter Natur den schönsten und nachhaltigsten Ausgleich holen.

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Über den Autor

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Stephanie Römhildts Beiname „Die in Bäumen sitzt“ beschreibt ganz treffend, wie sie schon seit ihrer Kindheit eine enge Verbundenheit zu Mutter Natur und ihren ­Geschöpfen spürte und dies schon früh als ihren Lebensweg erkannte. So hat sie den Einsatz von Pferden, wilden Heil- und Nahrungspflanzen, Gesang, Engeln und nicht zuletzt das Handauflegen für ihre Arbeit als Heilprak­tikerin und Kräuterkundige entdeckt. Sie begleitet Menschen auf ihren individuellen Lebenswegen mit ­liebevollem und ganzheitlich-spirituellem Blick.

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