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Eine Bürgerinitiative aus Schönau in Südbaden hat eine bundesweite Kampagne »Energie in Bürgerhand« gestartet und will die Macht der Energiekonzerne brechen. Gemeinsam mit einer kommunalen Bietergemeinschaft aus über 50 Stadtwerken will sie die E.on-Tochter Thüga kaufen.

 

Schönau wurde bundesweit bekannt durch die  »Schönauer Stromrebellen«, die Mitte der 90er Jahre schon einmal einen Millionenbetrag von Bürgern einsammelten, um damit das lokale Stromnetz zu kaufen. Gegen große Widerstände der regionalen Energiemonopolisten gründeten sie die Elektrizitätswerke Schönau (EWS), die inzwischen 83.000 Privathaushalte, Gewer- bebetriebe und Industrie-Unternehmen in ganz Deutschland mit Ökostrom versorgen. Jetzt sind die Schönauer angetreten einen noch größeren Coup zu landen. Gemeinsam mit einem Konsortium aus kommunalen Interessenten wollen sie Anteile an der Thüga AG kaufen. Der Energieriese Thüga ist bundesweit an knapp 90 kommunalen Versorgern beteiligt und bringt es  zusammen auf 3,5 Millionen Strom- und 2,9 Millionen Erdgaskunden. Rund 20 Prozent des Erdgas-Verbrauchs in Deutschland wird von Unternehmen der Thüga-Gruppe geliefert. Diese gehört zum Energiekonzern E.on, der nun seine Stadtwerke-Tochter auf Druck des Kartellamts verkaufen muss. Vier Milliarden Euro soll die Thüga kosten, die einen Jahresumsatz von 15 Mrd. Euro erwirtschaftet.

»Wir haben jetzt die einmalige Chance, von unten her einen ökologischen Energiekonzern aufzubauen«, sagt Michael Sladek, der gemeinsam mit seiner Frau Ursula Sladek von Anfang an bei den  Elektrizitätswerken Schönau dabei war.  Kurz vor Ostern wurde die Genossenschaft »Energie in Bürgerhand« in Freiburg aus der Taufe gehoben, die Kaufverhandlungen mit E.on führen und das nötige Geld auftreiben soll. Die kommunale Bietergemeinschaft will 65 bis 70 Prozent der Thüga-Aktien erwerben. Die Genossenschaft möchte einen möglichst großen Anteil von den übrigen rund 30 Prozent kaufen – und damit den Energiekonzern in Bürgerhand aufbauen.

»Energiepolitik wird dann nicht mehr von oben verordnet«, hofft Michael Sladek. Man könne die »Ökologisierung« der Thüga vorantreiben. Das bedeute den Verzicht auf Atomstrom in den Thüga-Stadtwerken, die weitgehend regenerative Erzeugung von Strom und Gas sowie die massive Förderung von Energieeffizienz und -einsparung. Außerdem würde so die Position der Kommunen gestärkt. Die Thüga konnte in der Vergangenheit regelmäßig solide Gewinne erwirtschaften, die jedoch E.on zuflossen. »Mit einer Beteiligung haben wir einen Fuß in der Thüga und können erreichen, dass dieses Geld in Zukunft zurück zu den Bürgern und in eine ökologische Energiewirtschaft fließt.«

Wie es scheint haben sie auch Erfolg. Am 12. August 2009 ist die Grundsatzentscheidung des Verkaufs der Thüga AG bekannt gegeben worden. Die Stadtwerkegruppe „KOM9“ erwirbt dabei etwa 37,75 Prozent der verkauften Anteile. In der KOM9 haben sich mehr als 45 kommunale Versorgungsunternehmen aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Eine weitere Möglichkeit für die Genossenschaft also, denn Ziel der „Energie in Bürgerhand“ ist es immer noch sich mit mindestens 100 Mio. EUR an der Thüga zu beteiligen.

Über 16,5 Millionen Euro (Stand 7.08.09) haben die Stromrebellen bereits zusammen.

Jeder Bürger, kann sich mit einer Mindestsumme von 500,- Euro an diesem bürgereigenen Stromkonzern beteiligen.


Weitere Infos:

www.energie-in-buergerhand.de

www.thuega.de

Zur Thüga gehören übrigens auch 36,9% der GASAG, Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft. Da Vattenfall plant ebenfalls seinen GASAG-Anteil von fast 32 % zu verkaufen, ergibt sich für das Land Berlin die Möglichkeit knapp 70% der GASAG zu erwerben (siehe hier).

 

Infoveranstaltung am 9. September

„Energie in Bürgerhand: Die Macht der Monopole brechen – für erneuerbare Energien“

Mittwoch, 9. September 2009, 19.30 Uhr (Einlass ab 19.00 Uhr)

Gotischer Saal, Schmiedehof 17 (über Methfesselstraße 24-40), 10965 Berlin

Programm: Begrüßung, Film „Das Schönauer Gefühl“ und Informationsvortrag mit Diskussion

Gast: Dr. Michael Sladek (angefragt)

Information:

Steffen Walter

Tel. 03322 426113

st_walter@web.de

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