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„Ein Anfang ist gemacht“

Dr. Harald Wiesendanger, Autor zahlreicher Bücher über Geistiges Heilen, hat mit seiner Internationalen Vermittlungsstelle für herausragende Heiler einen Kriterienkatalog erstellt, der die Qualität von Heilern beurteilt. Die nach diesen Kriterien guten Heiler sind in einem Buch zusammengefasst und sollten Hilfe Suchenden die Wahl des für sie passenden Heilers erleichtern. Im Interview verrät der Initiator mehr über die Motivation, das scheinbar Unmögliche zu bewerten.

Wann ist ein Heiler „gut“?

Wenn seine Taten einigermaßen halten, was sein Name verspricht. Das herauszufinden, ist eine überaus komplexe Aufgabe. Denn „Geistiges Heilen“ bezeichnet eine Familie von Zwei-Komponenten-Therapien. Auf der psychologischen Ebene setzen ihre Anwender – zumeist unsystematisch, spontan und intuitiv – eine Vielzahl von Techniken ein, die Psychotherapeuten verschiedener Schulen wohlvertraut sind: darunter Tiefenentspannung, Visualisierung, Suggestion und Autosuggestion, Gesprächs- und Logotherapie. Auf der physikalischen Ebene gelingt es ihnen irgendwie, anscheinend durch bloße Intention, ein ungeklärtes Etwas – sie nennen es „Energie“ – ins Spiel zu bringen, das Genesungsprozesse anregen und beschleunigen kann.

Also müsste die Effizienz von Heilern auf jeder dieser beiden Ebenen beurteilt werden?

Genau. Aber davon sind wir noch weit entfernt. Wie schwer die Wirksamkeit verschiedenartiger psychologischer Interventionen abzuschätzen ist, zeigt sich an den notorischen Engpässen vergleichender Psychotherapieforschung. Noch weiter entfernt sind wir bislang davon, die Physik des Geistheilens zu erfassen. Dazu müssten wir nicht nur wissen, was es ist, das Heilintentionen folgen kann; wir benötigen auch Messinstrumente, die zuverlässig anzeigen, wann es in den therapeutischen Prozess einfließt. Darüber hinaus müssten wir feststellen können, ob und inwieweit ein bestimmter Heiler diesen Prozess tatsächlich unter Kontrolle hat – hier und jetzt, in dieser Sitzung, bei diesem bestimmten Patienten; ob ihm dies nicht nur ab und zu gelingt, sondern einigermaßen zuverlässig; ob er den physikalischen Prozess nicht bloß irgendwie beeinflusst, sondern in therapeutisch hilfreicher Weise. Zu alledem fehlen uns gegenwärtig das nötige Wissen und die geeignete Messtechnik.

Wenn das so ist: Versucht Ihre „Vermittlungsstelle für herausragende Heiler“ dann nicht Unmögliches?

Die genannten Einschränkungen sollten uns nicht von Bemühungen abhalten, heilerisches Können vergleichend zu beurteilen. Denn Hilfesuchende suchen und brauchen Anhaltspunkte. Dazu dient das IVH-Bewertungssystem.

Werden die Bewertungen der einzelnen Heiler veröffentlicht?

Nein. Sonst besteht die Gefahr, dass ein regelrechter Wettbewerb um Punktzahlen entsteht – „Mein IVH-Wert ist doppelt so hoch wie deiner“ – und irgendwann im Medienboulevard „Heiler-Hitparaden“ kursieren. In den IVH werden nur Heiler aufgenommen, die über einen bestimmten Punktwert kommen. Sie als möglicher Klient wissen dann zwar nicht, wer nun der Beste ist, aber dass der Betreffende als herausragender Heiler gilt – gemäß eines Bewertungsverfahrens, das sicher noch verbessert werden kann, aber das aufwendigste, differenzierteste und aussagekräftigste ist, das momentan zur Qualitätssicherung in der Heilerszene zur Anwendung kommt.

Ist es nicht absurd, heilerische Begabung in Zahlen auszudrücken?

Ebenso könnten Sie sich über IQs bei der Messung von Intelligenz wundern. Beidem zugrunde liegt eine Wahrheit, die so simpel ist, dass man sich darüber wundern muss, weshalb sie in Diskussionen über Geistiges Heilen immer wieder aufs Neue betont werden muss: Bei keiner menschlichen Fähigkeit gibt es ein absolutes „Besitzen“ oder „Nichthaben“ – weder bei Klugheit, Geschicklichkeit, Kreativität oder Musikalität noch beim Heilenkönnen. Nichts dergleichen entspricht einem „Entweder-Oder“-Schema, stets geht es um ein „Mehr-oder-Weniger“. Bis zu den Prüfungskommissaren von Heilerschulen und -vereinen scheint sich das aber noch nicht herumgesprochen zu haben; Zertifizierungen aller Art beruhen auf dem Prinzip: „Der kann´s – jener nicht.“ Und eben dies widerspricht jeder Erfahrung: All die Abertausende von sogenannten „Heilern“, die sich in der Esoterikszene tummeln, können´s bestimmt zumindest ein bisschen. Für den Hilfesuchenden entscheidend ist aber die Frage: Wie gut können sie es? Das heißt, wie ausgeprägt ist ihre Heilfähigkeit? Darauf gibt die IVH erstmals eine differenzierte Auskunft, die der Komplexität des Phänomens gerecht wird, dem sie gilt. Der IVH-Score ist der Prototyp eines „HQ“, eines „Heiler-Quotienten“, wenn Sie so wollen.

Aber sagten Sie vorher nicht selber, das Heilenkönnen sei im Grunde nicht messbar?

Vorerst nicht messen lässt sich, was physikalisch vor sich geht, wenn sich das abspielt, worin Geistiges Heilen über eine reine Suggestiv- und Imaginationstherapie hinausgeht. Durchaus erkunden und quantifizieren lässt sich hingegen eine Reihe von Merkmalen, die das Heilenkönnen erfahrungsgemäß recht zuverlässig begleiten: zum Beispiel das Lindern insbesondere von chronischem Leid, eine besonders hohe Patientenzufriedenheit gerade in solchen Fällen, das Zustandebringen von Signifikanzen in wissenschaftlichen Studien usw. Auf solche Merkmale konzentriert sich das IVH-Bewertungsverfahren, bildet jedes für sich ab und fügt die Einzelbeobachtungen zu einem komplexen Gesamtbild zusammen. Im Laufe der Zeit könnten durchaus weitere Merkmale hinzukommen, schon berücksichtigte anders gemessen und im Verhältnis zu den übrigen anders ge- wichtet werden. Immerhin ist aber ein Anfang gemacht, der die Einschätzung heilerischer Fähigkeiten von dummen Dichotomien befreit. Natürlich wird das Bewerten von Heilern dadurch mühsamer. Aber die Mühsal lohnt sich, allein schon den Hilfesuchenden zuliebe. Es gibt keine glaubwürdige Alternative dazu.

Wie „spirituell“ ist Geistiges Heilen?

Eine Änderung von Einstellungen, Denkmustern, und Sichtweisen mag in manchen Fällen, bei manchen Diagnosen förderlich sein – sei es zum Gesundwerden, sei es zum Abfinden mit Unabänderlichem. Aber grundsätzlich? Es scheint mir schlicht eine absurde Zumutung, dass Onkel Otto erst die Lektion der Warze kapieren muss, ehe diese abfallen kann; und dass ein Kleinkind oder seine Eltern erst esoterisch hinzuzulernen haben, ehe seiner Neurodermitis beizukommen ist. Erfahrungsgemäß finden manche Klienten verblüffend rasch Hilfe bei Heilern, obwohl sie hinterher so gedankenlos weiterleben wie vorher. Andere scheinen spirituell vorbildlich gereift und hochentwickelt – trotzdem leiden sie weiter.

Keines der neun Kriterien, die Sie an Heiler anlegen, wirkt für sich allein überzeugend. Kommt es, beispielsweise, wirklich auf Berufserfahrung an? Warum soll ein Heiler, der erst vor kurzem entdeckt hat, was in ihm steckt, nicht fähiger sein können als einer, der schon seit zehn Jahren praktiziert?

Das kommt vor, erfahrungsgemäß aber eher selten. Wer in puncto heilerische Begabung höchstens Mittelmaß erreicht, dessen Praxis hält sich selten lange. Aber natürlich könnten Sie weitere Punkte bemängeln: Wer eher zurückgezogen arbeitet, hat von vornherein geringere Chancen, die Wertschätzung von Kollegen und Experten zu gewinnen, die ihn der IVH empfehlen könnten. Heilern in großstädtischen Ballungsräumen bieten sich von vornherein mehr Möglichkeiten, in Arztpraxen und anderen medizinischen Einrichtungen mitzuarbeiten, als Heilern in entlegenen ländlichen Gegenden. Manche Heiler wurden zwar noch nie wissenschaftlich getestet, würden sich aber gerne in Studien einbeziehen lassen – doch fehlen ihnen die nötigen Kontakte. Eine ärztliche Ausbildung wird im IVH-Ranking verhältnismäßig stark gewichtet; doch verbürgt eine Approbation natürlich noch keine überdurchschnittlichen Heilfähigkeiten. Heilern, die bereits mit Ärzten kooperieren – oder gar deren Lebensgefährten sind -, fällt es selbstverständlich leichter als anderen, medizinische Dokumentationen von Behandlungserfolgen vorzulegen. Entscheidend ist aber das Kriterienbündel als Ganzes: Wer in einer Hinsicht schlecht abschneidet, ragt in einer anderen heraus, und die hebt seinen IVH-Score an. Im Score verdichtet sich ein Gesamtbild aus zahlreichen Elementen.

Was hat das Geistige Heilen von Ihrer Einrichtung?

Eine Menge, hoffe ich. Erstens: Heiler in der IVH haben Vorbildfunktion. Sie führen der Esoterikszene vor Augen, was fähige, empfehlenswerte Heiler ausmacht. Je bekannter und anerkannter die IVH wird, desto mehr Beachtung werden die Maßstäbe finden, die sie an Heiler anlegt. Der Kriterienkatalog, der dem IVH-Ranking zugrundeliegt, wird Heiler auch außerhalb der IVH dazu anregen, auf Dokumentation, Kooperation und Forschung Wert zu legen. Zweitens: Die IVH fördert die Zusammenarbeit von Heilern mit Ärzten und anderen anerkannten Heilberufen.

Drittens: Die IVH bemüht sich, Skeptikern zu denken zu geben – durch sorgfältige medizinische Dokumentation von Behandlungserfolgen in Heilerpraxen. Viertens: Zu den Anliegen der IVH zählt, dem Geistigen Heilen mündigere, besser vorinformierte Patienten zuzuführen: Patienten, denen klar ist, dass Geistiges Heilen lediglich eine neben vielen anderen komplementären Therapieformen darstellt, die Patienten Auswege eröffnen können, nachdem die konventionelle Medizin an Grenzen gestoßen ist. Und fünftens: Mit Hilfe der IVH sollen bei Veranstaltungen sowie in Massenmedien verstärkt Heiler berücksichtigt werden, die es aufgrund ihrer therapeutischen Befähigung und Persönlichkeit verdient haben, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden.

Letztlich sind IVH und die Stiftung AUSWEGE aber nicht dazu da, dem Geistigen Heilen zu nutzen – Geistiges Heilen ist dazu da, Kranken und Leidenden zu nutzen, und mich interessiert es nur in dem Maße, in dem ihm das gelingt. In der Rolle eines Vorkämpfers für irgendeine unkonventionelle Therapieform, eines Fürsprechers für deren Anwender fühle ich mich unwohl. Ich will nichts weiter als helfen. Auch und besonders Kindern, für die Schulmediziner zuwenig bis gar nichts mehr tun können. Dazu ist mir jedes Heilmittel gleich recht.

Geistiges Heilen BuchDr. H. Wiesendanger: In guten Händen. 140 Heiler im Porträt – Empfehlungen der Internationalen Vermittlungsstelle für herausragende Heiler (IVH), Lea Verlag Schönbrunn 2006.

Dr. H. Wiesendanger: Heilen „Heiler“? Ein Wegweiser für Hilfesuchende, Lea Verlag Schönbrunn 2008.

Über den Autor

Avatar of Dr. Harald Wiesendanger

Dr. Harald Wiesendanger ist Philosoph und Psychologe und gilt als Experte für Geistiges Heilen. 18 seiner 30 Sachbücher hat er dieser umstrittenen Heilweise gewidmet, darunter die Beststeller „Das Große Buch vom Geistigen Heilen“ und „Geistheiler – der Ratgeber“ 1994 rief Wiesendanger eine Dachorganisation für Heilerverbände ins Leben, die er bis 1998 leitete. Mehrfach hat er Geistiges Heilen wissenschaftlich erforscht, unter anderem bei der europaweiten, von der EU-Kommission geförderten Fernheilstudie EUHEALS (2001-2004).

2005 rief Wiesendanger die Stiftung AUSWEGE ins Leben, die chronisch kranken Kindern therapeutische Auswege in unkonventionellen Heilweisen eröffnen will (www. stiftung-auswege.de). Zugleich begann er mit dem Aufbau der Internationalen Vermittlungsstelle für herausragende Heiler (IVH).

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