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In den 20 Jahren, seit wir Klima-Aktivisten unsere Arbeit ernsthaft begannen, hat sich der Zustand des Klimas dramatisch verschärft, und die Veränderung beschleunigt sich – trotz all unserer Bemühungen. Offensichtlich ist etwas zutiefst falsch an diesem Bild. Was ist es, dass wir noch nicht wissen? Was haben wir anders zu denken und zu machen, um zu nachdrücklich anderen Ergebnissen zu kommen? [1]

Die Antworten liegen nicht in der Wissenschaft, sondern in der Kultur.

Klimaschützer sind besessen von Treibhausgas-Emissionen und -Konzentrationen. Da die globale Klima-Störung ein Effekt von Treibhausgasen ist – und zwar ein katastrophaler – ist dies verständlich. Aber es ist auch ein Fehler.

Der Irrtum des Klima-Aktivismus [2]: Wir bestehen darauf, dass die globale Erwärmung nur eine Folge der Treibhausgas-Emissionen ist. Da sie das nicht ist, versagen wir darin, der Öffentlichkeit die Wahrheit zu erzählen.

Ich denke, es gibt zwei gravierende Fehler in unserer Perspektive auf Treibhausgase:

Globale Erwärmung als Symptom

Der erste Fehler ist unser Unvermögen zu begreifen, dass Treibhausgase nicht die Ursache sind, sondern ein Symptom. Und die Bewältigung der Symptome wird zu wenig mehr führen, als uns mit einem teuflischen Sack voller anderer Symptome zurückzulassen, die vielleicht etwas weniger rasch tödlich sind, aber dennoch tödlich.

Die Ursache, die Quelle der Symptome sind 300 Jahre unserer gnadenlos ausbeuterischen, erschöpfenden und exponentiell wachsenden Technokultur, vor dem Hintergrund von zehn Jahrtausenden von hierarchischen und kolonialen Zivilisationen. [3] Dies sollte nicht gerade die Neuigkeit des Tages sein, aber das verführerische Versprechen von endlosem Wachstum hat uns zivilisierte Leute alle an der kollektiven Gurgel gepackt und uns dazu gebracht unsere Bevölkerung bis zu Zahlen jenseits aller Vernunft zu erweitern und den Völkermord an den indigenen Kulturen und die Vernichtung von anderem Leben auf der Erde zu begehen.

Ganz sicher ist das globale Klima-Chaos das Nummer-1-Symptom. Aber wenn die planetare Erwärmung morgen verschwinden würde, hätten wir immer noch reichlich katastrophales Potenzial übrig, das viele Lebensformen in ziemlich kurzer Zeit auslöschen könnte: Entwaldung, Wüstenbildung, Vergiftung von Böden, Wasser und Luft, die Zerstörung von Lebensräumen, die Überfischung und die allgemeine Dezimierung der Ozeane, nukleare Abfälle, angereichertes Uran und nukleare Waffen – um nur einige zu nennen. (Auch wenn diese Symptome unabhängig voneinander existieren, werden viele durch die globale Erwärmung verstärkt.)

Wir werden diesen Kurs nicht ändern, indem wir uns jedem einzelnen Symptom als getrennte Frage nähern, wir müssen ihre grundlegende kulturelle Ursache angehen.

Jenseits von Treibhausgas-Emissionen

Der zweite Fehler ist unsere hartnäckige Weigerung zu verstehen, dass der Kampf gegen die Treibhausgas-Emissionen, wie wir sie derzeit gefasst haben, vorbei ist.

Er ist absolut vorbei und wir haben verloren.

Wir müssen das so sagen.

Es gibt drei Hauptgründe für die Eskalation der Treibhausgas-Konzentrationen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen:

Dreißig-Jahres-Verspätung

Die erste ist generell gesprochen, dass die Auswirkungen, die wir heute sehen, so düster wie sie auch sind, das Ergebnis einer atmosphärischen Konzentration von Kohlendioxid in der Größenordnung von nur 330 Teile pro Million (ppm) sind, nicht das Ergebnis einer Konzentration von heute fast 390 ppm. Dies ist vor allem eine Folge der großen trägen Masse der Ozeane, die Temperatur und Kohlendioxid absorbieren und so eine etwa 30-jährige Verzögerung zwischen Treibhausgas-Emissionen und deren Auswirkungen kreieren. Wir sehen also derzeit die Auswirkungen der Treibhausgase, die vor 1980 emittiert wurden.

Genau wie die Wissenschaft nicht erfasst hatte, wie rasch und umfassend geophysikalische und biologische Systeme auf einem Anstieg der atmosphärischen Treibhausgas-Konzentrationen reagieren würden, haben wir derzeit nur eine grobe Vorstellung davon, was 60 ppm bereits emittierten Gases bedeuten werden, selbst wenn wir unsere Emissionen heute stoppen würden. Aber wir wissen mit praktischer Gewissheit, dass es voll unangenehmer Überraschungen sein wird.

Positive Feedback-Schleifen

Die zweite Out-Of-Control-Komponente sind positive (verstärkende) Feedback-Schleifen. Das Merkwürdige an positiven Feedacks ist, dass sie oft bei der Beurteilung der Auswirkungen von Treibhausgasemissionen ignoriert werden. Unser Verständnis von ihnen ist begrenzt und unsere Fähigkeit, sie in eine Formel einzubringen, ist rudimentär. Unsere Unfähigkeit sie zu erfassen, mindert jedoch in keiner Weise ihre Auswirkungen, die so real sind wie das weltweit heftige Wetter.

Es ist nun klar, dass einige Phänomene sich selbst erhaltende und verstärkende Zyklen sind, zum Beispiel schmelzendes Eis und Gletscher, die schmelzende Tundra und andere Methan-Quellen. Und die Erhöhung der Kohlendioxid-Sättigung mit der Ozeane, die zu einem Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids führt. Diese Schleifen werden weitergehen, auch wenn wir unsere menschliche Emissionen auf Null reduzieren – und alle unsere schnörkligen Glühbirnen, Priuse, Windkraftanlagen, Waxman-Markeys und Kopenhagens werden nicht den Hauch eines Unterschieds machen. Nicht, dass wir nicht alle Treibhausgas-Emissionen sofort stoppen sollten – natürlich sollten wir das – aber das ist nur eine Notwendigkeit, nicht annähernd eine ausreichende Reaktion.

Wir müssen den Mut finden, dass so zu sagen.

Nicht-Linearität

Die dritte Komponente ist Nichtlinearität, was bedeutet, dass die Auswirkungen der steigenden Temperatur und Konzentrationen an atmosphärischem Kohlenstoff sich plötzlich und unvorhersehbar ändern können. Während wir Linearität für Naturereignisse annehmen mögen, weil Linearität viel einfacher zu bewerten und vorherzusagen ist, sind doch viele Veränderungen in der Natur nicht-linear – und oft sehr abrupt so. Ein typisches Beispiel ist das Verhalten von Wasser. Die Änderungen der Zustände von Wasser – fest, flüssig, gas – geschehen abrupt. Es friert plötzlich bei 0 ° C, nicht bei 1 °, und bei 100 ° verwandelt es sich an Wasserdampf , nicht bei 99 °. Wenn wir unsere Erfahrung von Wasser auf den Bereich von 1 ° bis 99 ° begrenzen würden, könnten wir nie von der Existenz von Eis oder Dampf wissen.

Dies ist, wo wir in Beziehung zu vielen Aspekten des globalen Klimas stehen. Wir wissen nicht, wo die Kipp-Punkte – die effektiven Änderungen von Zuständen – für solche Ereignisse wie das unumkehrbare Abschmelzen der Gletscher, die Freisetzung des in der Tundra und den Meeresböden gefangenen Methans und die Kohlenstoff-Sättigung der Ozeane liegen. Schwer zu fassen wie sie sind, können Kipppunkte schon lange Vergangenheit sein, oder gleich um die Ecke. Wie einer der führenden Klimaforscher Jim Hansen geschrieben hat, lässt „Das derzeitige Wissen keine genaue Spezifizierung eines gefährlichen Schwelle der vom Menschen verursachten Treibhausgase zu. Sie liegt jedoch viel niedriger als allgemein angenommen wurde. Wenn wir nicht schon ein gefährliches Level überschritten haben, sorgt die bestehende Energie-Infrastruktur dafür, dass wir es innerhalb weniger Jahrzehnte überschreiten. „[4]

Die Beweise für Nicht-Linearität sind stark, nicht nur durch die atemberaubende Beschleunigung des Klimawandels allein in den letzten paar Jahren, sondern durch das wilde Verhalten des Klimas über Millionen von Jahren, während derer es sich manchmal dramatisch veränderte, innerhalb von Fristen so kurz wie ein Jahrzehnt.

Die erfahrensten wissenschaftlichen Forscher wurden geblendet durch die Geschwindigkeit und das Ausmaß der jüngsten Entwicklungen und die Klima-Modelle haben sich ebenfalls als sehr viel konservativer erwiesen als die Natur selbst. Da die Wissenschaftler sogar die Auswirkungen selbst kleiner Veränderungen der globalen Temperatur unterschätzt haben, ist es verständlicherweise schwierig, eine angemessene öffentliche und staatliche Aussage zu bekommen.

Außerhalb der Box

Wir Klima-Aktivisten müssen unsicherem Boden betreten und uns schnell über unsere aktuelle, unangenehme aber komfortable Co2-pro-Million-Box hinaus bewegen. Hier sind einige Dinge, die wir sagen müssen, immer und immer wieder, überall, auf tausend verschiedene Arten:

Bittere Klima-Wahrheiten sind grundsätzlich bittere kulturelle Wahrheiten. Endloses Wachstum ist ein Ding der Unmöglichkeit in der physischen Welt, das immer – aber auch immer – im Kollaps endet. Kollaps: mit einem Knall oder einem Wimmern, wahrscheinlich mit beidem. Wir sind bereits Zeuge davon, ob wir nun wählen, es anzuerkennen oder nicht.

Aufgrund der Besessenheit dieser Zivilisation mit dem Wachstum ist ihr Untergang 100 Prozent vorhersagbar. Wir können einfach nicht auf diese Weise weiterleben. Unsere Version vom Leben auf der Erde ist am Ende.

Darüber hinaus gibt es keine „freie Markt“ oder „wirtschaftlichen“ Lösungen. Da Unternehmen physisch das unmögliche endlose Wachstum zum Überleben brauchen, ist soziale Verantwortung der Unternehmen ein Mythos. Der einzig soziale Akt zu dem Unternehmen fähig sind, ist sich aufzulösen.

Wir können mit den Kräften der Natur nicht verhandeln und etwas weniger schädliche Wertlosigkeiten für eine herbeifantasierte Begnadigung eintauschen. Geophysikalische Prozesse sorgen sich nicht einen Deut um unsere Politik, unsere Wirtschaft, unsere Abendessen, unsere Theologien, unsere Liebe für unsere Kinder, unsere wehleidigen Schreie über Unschuld und Irrtum.

Wir können entweder versuchen, den Übergang zu planen, auch zu dieser späten Stunde, oder die physischen Kräfte der Welt erledigen das für uns – in der Tat sind sie schon dabei. Wie Alfred Crosby in seinem bemerkenswerten Buch „Ecological Imperialism“ geschrieben hat, ist die liebevolle Fürsorge der Mutter Natur niemals sanft. [5]

Die Wahrheit sagen

Wenn wir Klima-Aktivisten nicht die Wahrheit sagen, die wir kennen – was wir verabscheuen zu tun, weil wir selbst Angst haben, diese Worte zu sprechen – wird die Öffentlichkeit nicht reagieren, trotz all unserer Beteuerungen der Dringlichkeit.

Und im Gegensatz zur aktuellen Mainstream-Klima-Aktivisten-Meinung, im Gegensatz zu allen Sinnlosen „Krisen-Teams“, im Gegensatz zu den endlosen Spekulationen über den „richtigen Rahmen“ ist der einzige Weg, die Wahrheit zu sagen, sie zu sagen. Die ganze, egal wie schrecklich sie sein mag. [6]

Es ist beleidigend und herablassend für Aktivisten anzunehmen, dass die Menschen die Wahrheit nicht verkraften können, ohne dass Umweltschützer einen Weg finden, sie etwas schmackhafter zu machen. Die Öffentlichkeit ist beunruhigt, wir wissen vage, dass irgendwas ganz verzweifelt falsch ist und wir wollen mehr wissen, damit wir versuchen können herauszufinden, was zu tun ist. Die Reaktionen auf „Eine unbequeme Wahrheit“, so zahm, wie dieser Film im Nachhinein auch ist, hätten deutlich machen sollen, dass wir die Wahrheit wissen wollen.

Und schließlich verlangt Verleugnung ein hohes Maß an Energie, ist emotional anstrengend, beladen mit Konflikten und Verwirrung. Vorzugeben wir könnten unsere heutige Lebensweise fortsetzen, lässt uns entgleisen und schickt uns in Richtungen, die uns in die Irre führen. Je früher wir die Wahrheit umarmen, desto eher können wir die eigentliche Arbeit beginnen.

Last es uns einfach sagen.

Das Problem aussprechen

Nachdem wir die Wahrheit gesagt haben, was können wir tun? Ist es hoffnungslos? Vielleicht. Bevor wir jedoch die geringste Chance für ein sinnvolles Handeln haben, die Wahrheit gesagt haben, müssen wir der Klima-Realität voll und unerschrocken ins Gesicht blicken. Wenn wir unsere Planung auf falschen Voraussetzungen aufbauen – wie z. B. das häufige Gestotter, dass die Verringerung unserer Treibhausgasemissionen „den schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung verbeugen wird“ – können wir nur zu falschen Lösungen kommen. „Lösungen“, die uns ein besseres Gefühl geben, während wir dem Ende entgegen taumeln, die aber letztlich keinen Unterschied machen werden.

Darüber hinaus können und müssen wir das Problem darstellen auch ohne notwendigerweise die Lösungen bereitzustellen.[7] Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele Klima-Aktivisten mit mir geschimpft haben „Du kannst nicht ein Problem wie dieses verkünden, ohne einige Lösungen zu bieten!“ Wenn wir diese Prämisse akzeptieren würden, käme alle wissenschaftliche Forschung, wie auch viele andere Arten der Problemlösung, zu einem völligen Stillstand. Der springende Punkt bei der Angabe eines Problems besteht darin, Fragen, Verwirrungen und Unbekanntes herauszustellen, so dass das Problem gekaut und präzisiert werden kann, um zu einigen sinnvollen Antworten zu führen – auch wenn die Antworten außer Reichweite zu liegen scheinen.

Einiges unseres wichtigsten Denkens geschieht während der Entwicklung der Problemstellung und desto besser die Problemstellung, umso reicher unsere Antworten. Deshalb hat sich die Einengung des Problems der globalen Erwärmung auf Treibhausgas-Konzentrationen als eine solche Sackgasse erwiesen.

Hier ist die Problemstellung, wie sie sich für mich zu entfalten beginnt. Wir sind alle ein Teil der Bemühung, dieses Denken gemeinsam zu entwickeln:

Wir müssen 10.000 Jahre Zivilisation hinter uns lassen, das könnte die schwerste kollektive Aufgabe sein, mit der wir jemals konfrontiert waren. Sie hat uns die berauschende Kraft gegeben, in 200 Jahren Veränderungen unseres Planeten herbeizuführen, die in natürlichen Zyklen Hunderttausende oder Millionen von Jahren erfordert hätten – aber kein Bisschen von der Weisheit, die notwendig wäre, um diese Büchse der Pandora fest geschlossen zu halten. Wir müssen andere Formen des Lebens auf der Erde entdecken und wieder-entdecken.

Wir lieben unsere Autos, unseren Strom, unsere iPods, unsere Vergnügungsparks, unsere Bananen, unsere Nikes und unsere Atombomben, aber wir verhalten uns, als verstünden wir nichts von dem Land, dem Wasser und der Luft, die uns Leben gibt. Es ist höchste Zeit nachzudenken und anders zu handeln.

Wenn wir alle überleben wollen, müssen wir herausfinden, wie man lokal und nachhaltig lebt. Lokal leben bedeutet alles, was wir brauchen in Fußweite (oder Reit-weite) erreichen zu können. Wir mögen schließlich nachhaltige Formen entdecken uns jenseits dieser kleinen Kreise zu bewegen und Dinge mit nach Hause zu bringen – aber unsere Erfolgsbilanz ist nicht sehr gut und wir denken es diesmal lieber sehr sorgfältig durch.

Ebenso muss alle Technik lokal angesiedelt sein, die lokale Ressourcen und zugängliche Methoden nutzt, erneuerbar und nicht-toxisch. Wir haben viel Um-Denken zu tun, und viel Wieder-Erlernen von unseren Jäger-und-Sammler-Vorfahren, die es geschafft haben auf eine Weise ein paar hunderttausend Jahre zu überleben, die wir mit unseren zivilisierten Scheuklappen kaum mehr vorstellen oder verstehen können. [8]

Nachhaltig leben bedeutet, in Derrick Jensen’s eleganter und einfacher Definition, dass, was auch immer wir tun, wir bedenkenlos für Immer tun könnten. [9] Wir können nichts mehr oder schneller verbrauchen, als die Natur es liefert, wir können nicht Luft, Wasser oder Boden vergiften und wir respektieren das Netz des Lebens, von dem wir ein komplizierter Teil sind. Wir sind nicht getrennt von der Natur oder über ihr oder in irgendeiner Weise qualifiziert, sie zu kontrollieren. [10] Die Beweise sind zahlreich und überwältigend, alles, was wir tun müssen, ist mutig genug sein, um sie zu sehen.

Wie können wir in einer Welt überleben, die sich wahrscheinlich – oder sich schon jetzt – für viele Menschen und Nicht-Menschen gleichermaßen in eine Hölle verwandelt? Wie können wir auch nur Lebensmittel anbauen oder sammeln oder sauberes Wasser finden oder warm oder kühl bleiben, während wir von biblischen Überschwemmungen angegriffen werden, von Stürmen, steigendem Meeresspiegel, Dürren, Wirbelstürmen, Tornados, Schnee und Hagel?

Es ist völlig klar, dass wir nicht alles den Technik-Freaks überlassen können. Es war an erster Stelle menschliche Technologie gepaart mit der Unfähigkeit unerwünschte Folgen zu verstehen, vorherzusagen und zu verhindern, die uns zu der globalen Katastrophe gebracht hat, die nun in der Klima-Störung gipfelt. Ungeachtet aller verzweifelten Hoffnungen gibt es hier keine HighTech-Lösungen, nur Wunschdenken – die Werkzeuge, die uns in dieses Schlamassel hineingebracht haben, sind unfähig uns wieder herauszuholen. [11]

Bei allem, was gesagt ist, brauchen wir doch nicht alles zu verwerfen, was wir gelernt haben, ganz im Gegenteil. [12] Aber wir müssen unser Wissen mit großer Vorsicht verwenden, und viel davon wegsperren, wie Atomwaffen und -müll.

Die Zeit wird knapp, aber die Vergebung dieser kleinen blauen Kugel in einem weiten einsamen Universum wird uns weiterhin erstaunen und nähren – wenn wir ihr nur die Chance dazu geben.

Unsere Pflicht als Aktivisten, der erste Schritt, die Essenz, ist es, den kulturellen Schleier zu zerschneiden und die Wahrheit zu sagen.

Dieser Artikel erschien erstmals in englischer Sprache auf Grist.org.  Übersetzung durch David Rotter.

 

Original – Fußnoten:

[1] Many thanks to Richard Grossman, who posed that question fifteen years ago with respect to corporate domination of governance and culture when he founded the Program on Corporations, Law and Democracy (POCLAD). He understood that we must take the time to stop and penetrate beyond the obvious if we are to think outside of the cultural prescriptions that constrain our ability to act differently.  Many thanks as well to Ross Gelbspan, a courageous and ground-breaking journalist, who early on investigated the forces driving the fossil fuel machine and has been sounding the alarm for almost two decades.  See his excellent article, “Beyond the Point of No Return,” December 2007, which inspired many of the ideas in this piece.

[2] I would like to express deep gratitude to John A. Livingston, pioneer environmentalist, preservationist, teacher and writer.  In 1981 he wrote “The Fallacy of Wildlife Conservation,” which inspired the title of this piece.  The fallacy that Livingston was referring to is well-described in the foreword by Graeme Gibson:  “The Fallacy of Wildlife Conservation, as a statement of belief, is one of the fiercest and most uncompromising of John Livingston’s convictions.  Had he entitled it ‘The Failure of Wildlife Conservation,’ we might have tried again—without having to think too much about it.  But he didn’t. … As a result of the word fallacy, we are confronted with an insistence that we rethink everything.”  From The John A. Livingston Reader, McClelland & Stewart, 2007, pp. xiv-xv. So it is, with the fallacy of climate activism, that we must rethink everything.

[3] Endless (exponential) growth is an impossibility in a finite physical system (planet earth), and we have a wealth of examples of overshoot and collapse, non-human and human, all of which are fully predictable.  Our cultural inability to grasp such an obvious reality is a primary obstacle to progress in addressing climate change and its root cause.  Indigenous cultures tend to have much better understandings of these things.  See Herman E. Daly and Kenneth N. Townsend, “Sustainable Growth: An Impossibility Theorem,” from Valuing The Earth: Economics, Ecology, Ethics, MIT Press, 1993, p. 267 ff.  For a wide-ranging discussion of the demise of civilizations, see Jared Diamond, Collapse, Viking, 2005.

[4] James Hansen et al.(2007), “Climate change and trace gases,” Phil. Trans. Roy. Soc. A 365: 1925–1954 (2007).

[5] Alfred W. Crosby, Ecological Imperialism: The Biological Expansion of Europe, 900 – 1900, Cambridge University Press, 1986, p. 92.  The actual quote, referring to population, is, “Mother nature always comes to the rescue of a society stricken with the problems of overpopulation, and her ministrations are never gentle.”

[6] A word here about the skeptics, with whom we are also obsessed:  Forget about them. They may appear to have control of the public discussion, but they are babbling into the abyss.  Our enemy is us.  By our own unwillingness to face the profound implications of climate change—that we have to reject civilization as currently conceived and come up with something completely different—we are doing far more damage to the cause of preserving life on earth than the deniers could ever do.

[7] “One of the more peculiar traits of our society is its assumption—its insistence—on solutions.  Just as there are reasons for all things, so there are solutions for all things.  Always there are ultimate answers; there is no problem that is not amenable to logical reduction.  This, as we have seen earlier, in spite of such bewildering enterprises as ecology. I have no ‘solution’ to the wildlife preservation problem [read ‘global warming problem’].  There may not be one.  But given the somewhat shaky assumption that one exists, I sense that I can at least feel the direction.”  John A. Livingston, The Fallacy of Wildlife Conservation, p. 151.

[8] Our culturally skewed and defensive view of pre-hierarchical societies, seeing only lives that were “nasty, brutish and short” struggling to survive in “nature, red in tooth and claw,” has distorted earlier human experience beyond recognition.  See, for example, Riane Eisler, The Chalice and the Blade, Harper & Rowe, 1987; and Marshall Sahlins, Stone Age Economics, Tavistock Publications, Ltd. (London), 1974.

[9] Jensen is one of our most passionate and incisive cultural critics and environmental writers.  His words are, “For an action to be sustainable, you must be able to perform it indefinitely.  This means that the action must either help or at the very least not materially harm the landbase.  If an action materially harms the landbase, it cannot be performed indefinitely …”  From Derrick Jensen and Aric McBay, What We Leave Behind, p. 56.

[10] Although, as I indicate in footnote 12 in a brief discussion of holistic management of grasslands, we can and must repair enough of the damage so that the infinitely complex self-organizing systems of nature—the systems that gave life to all living creatures—can begin anew.

[11] For example, consider hare-brained schemes from very smart scientists, some of whom know that the schemes are hare-brained but in their desperation see no other way.  A recent article in Rolling Stone, “Can Dr. Evil Save The World?,” has an interesting overview of the geo-engineering debate. The bottom line seems to be that we currently are able to do and think anything except changing the way we live, and risking the existence of life on earth is simply a chance we have to take (although 100 percent odds of failure is hardly a bet one should want to take, assuming there are any rational moments left).  See also Ross Gelbspan’s article, “Beyond the Point of No Return,” footnote 1.

[12] Glimmers of hope lie in the remarkable restorative powers of the earth.  One such phenomenon is ancient pre-history but new to us.  That is the relationship between grazers and grasslands.  Whereas conventional grasslands management destroys soils and diversity, nature’s way sequesters vast amounts of carbon in soils, with photosynthesizing plants as intermediators along with fungi, micro-organisms, insects, animals and birds—and creates productive and healthy land that, unlike forests, can bind carbon for thousands of years.  We have the potential to remove gigatons of carbon from the atmosphere, reducing greenhouse gas concentrations by many parts per million with proper land management.  Beyond grasslands, the planet’s power of regeneration, despite our assaults, remains extraordinary.  See the Holistic Management International website.

Another example is the dramatic restoration of denuded rainforest in Borneo after only six years:  “Planting finishes this year [2008], but already [Willie] Smits [the Indonesian forestry expert who led the replanting] and his team from the Borneo Orangutan Survival Foundation charity claim the forest is ‘mature’, with trees up to 35 metres high. Cloud cover has increased by 12 per cent, rainfall by a quarter, and temperatures have dropped 3-5°C, helping people and wildlife to thrive, says Smits. Nine species of primate have also returned, including the threatened orangutans. ‘If you walk there now, 116 bird species have found a place to live, there are more than 30 types of mammal, insects are there. The whole system is coming to life. I knew what I was trying to do, but the force of nature has totally surprised me. … The place became the scene of an ecological miracle, a fairytale come true,’ says Smits, who has written a book about the project.”

6 Responses

  1. Dehmann

    Aha, jetzt weiß ich also Bescheid.
    Das heißt, wir wissen nichts, reagieren verbal heftig, tun weiter wie bisher,
    und hoffen mal wieder auf den Weltuntergang.
    Mal sehen, ob er auch diesmal wieder ausbleibt.
    Die Welt und die Menschheit hat viele Veränderungen überlebt, und diesmal mit Sicherheit auch. Und über die unendlich vielen Vorteile einer globalen Temperaturerhöhung hört man leider nichts, schade eigentlich, ich freu mich jedenfalls darauf.

    Antworten
  2. Melli

    Selbst wenn zum jetzigen Zeitpunkt die Gemüter auf beiden Seiten erhitzt sind und sich vielleicht für den Laien die Kontroversen nicht abschließend durchschauen lassen…
    Selbst wenn wir vielleicht NICHT hauptursächlich für den Klimawandel verantwortlich sein sollten (was ich für sehr unwahrscheinlich halte)…
    …zeigt unsere heutige globale Situation trotzdem äußerst eindrücklich, dass unsere bisherige Denk- und Lebensweise uns in JEDER Hinsicht an den Rand bringt. Wer in der Klimadiskussion jetzt Recht oder Unrecht, Schuld oder Unschuld hat, halte ich für sekundär. Tatsache ist, dass sich eindeutige Entwicklungen abzeichnen, und dass wir gut daran tun, uns mit ihnen auseinander zu setzen. Wie schon geschrieben und ziemlich logisch nachvollziehbar, tun das ansonsten andere Kräfte für uns, aber dann dürfte uns das Aufbauen von Alternativen ungleich schwerer fallen. Abgesehen davon leiden nicht nur wir in einem theoretischen Szenario in der Zukunft, sondern heute, jetzt in diesem Moment, leiden und sterben die Lebewesen einschließlich der Menschen an den ausgebeuteten, verseuchten, toten Orten, die durch die Haltung der Industrienationen (und damit uns in unserer persönlichen Verantwortung als Konsumenten) immer weiter ausgedehnt werden. Ob man sich Gedanken über Alternativen macht oder den Kopf weiterhin in den Sand steckt, mag jedes Einzelnen Entscheidung sein. Aber so zu tun, als ob keine Entscheidung anstehen würde, ist Selbstbetrug.
    Ich wünsche allen gleichermaßen Weisheit, Klarheit, Liebe und Herzensführung auf Ihrem Weg.

    Antworten
  3. karl berger

    Ich bin überzeugt dass wir Menschen viel am Planeten zerstört haben und noch viel zerstören werden. Die Co2 Geschichte habe ich trotz Zweifen auch sehr lange geglaubt bis ich Hartmut Bachmann entdeckte.
    Jetzt empfehle ich oft, seine Webseite zu lesen.
    http://www.klima-ueberraschung.de/show.php?id=15

    Antworten
  4. David

    Hallo Mohr,

    vielen Dank, ich war schon erschrocken, dass es bei diesem einen verwirrten Kommentar bleibt. Endlich mal ein paar vernuenftige Worte.

    Dies ist ein wichtiger Artike.

    Gruss
    David

    Antworten
  5. Mohr

    Hallo Strawinski, ja immer schön auf die Seite legen, mir passiert schon nix – was ihr Klimaschützer nur alle habt, es geht mir doch gut. Klasse, besser als deine Worte kann man das Dilemma der modernen Menschen garnicht ausdrücken! Oder bist du Anhänger der verschwörungstheoretiker? Das alles nur ein großer Medienschwindel ist?

    Tja da kann ich dem Autor nur beipflichten, wir alle schlafen und wahrscheinlich wachen wir erst, auf wenn wir um unser Überleben schwimmen… Ein guter Artikel, der einen wichtigen Aspekt klarmacht – endlich aufzuhören mit der Grennwashing-Ära um nur alles beim alten zu lassen – genau wie bei der Finanzkrise vergehen die Chancen etwas zu verändern. Aber vielleicht ist es ja notwendig das die Menschheit die Folgen ihrer gedankenlosen Ausbeutung zu spüren bekommt. Denn genau wie jedem einzelnen Menschen, geschieht Veränderung erst dann, wenn die Krise da ist, wenn es weh tut. Wenn dem so ist, dann wird es wohl weh tun und viel Leid bringen. Da kommt einiges auf unsere Nachfahren zu und vielleicht auch schon auf uns.

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  6. strawinski

    ich glaube, irgendwie seid ihr und die Klimaschützer alle auf dem Holtzweg. Erstens der Name. „Klimaschützer“ Dumm, wie will man was schützen was weder greifbar, noch fassbar ist und so riesig zirkulierend das schon der Ansatz sinnlos ist. 20 Jahre rennt man einem Phantom hinterher weil sich ein wenig das klima verschiebt. Na und? wieviel Tonnen vulkansche sind schon auf europa geregnet.wieviel Jahrhunderte war es danach dunkel. Wo ich sitze gab es vor 20 Mio. Jahren Löwen und vor 40 tsd Jahren eiszeit. Und? Nun gibts trotzdem Menschen hier. Die Löwen sind woanders, das eis auch und wie ihre seht, fängt es an, langsam wieder zu wechseln. aber es dauert halt wieder ein paar Jahrtausende. Nur die die laut krähen,wollen ja auch die meisten Subventionen abschöpfen oder nicht?. In meinen Augen ist das ganze Klimageschwätz nur ne große aufgebauschte Lüge, nichts weiter. seht mal nach Russland nach Tschernobyl was nach 20 Jahren passiert ist. Und ? Nix mit alles kaputt, oder ? Habt er euch geirrt oder ? die Natur hat sich schön reguliert und alles wieder fein in Ordnung gebracht. Auch ohne euch. auch ohne Klimaschützer, die noch den wind waschen wollen.

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