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Im Jahr 2010 wurde die „Pille“ 50 Jahre alt. Sie schenkte persönliche Freiheit – ohne ständige Sorge um ungewollte Schwangerschaft – und hat damit das Leben von Frauen und unsere Gesellschaft revolutioniert. Für viele Frauen ist sie ein alltäglicher, kaum wahrgenommener Begleiter. Doch in den unscheinbaren Tabletten steckt ein starker Wirkstoffcocktail, der nicht zu unterschätzen ist und auch Depressionen hervorrufen kann.

In Deutschland gibt es rund 18 Millionen Frauen im fruchtbaren Alter (Stand 2011), viele davon nehmen täglich die Antibabypille – oder nutzen andere hormonelle Verhütungsmittel –, ohne je an die damit verbundenen Risiken zu denken. Dabei nehmen diese gesunden Frauen täglich potente Medikamente zu sich, die massivst in den weiblichen Körper und seine Abläufe eingreifen.

„Wie? Du nimmst nicht die Pille?!“

Mit dieser oder ähnlichen Fragen sehen sich ab der Pubertät viele junge Frauen konfrontiert. Junge Mädchen nehmen die Pille weil „es“ eben dazu gehört, weil man seinen ersten Freund hat oder (ja, diese Begründung ist echt) weil pickelfreie Haut gewünscht ist. Es herrscht durchaus ein gewisser gesellschaftlicher Druck, Aufklärung über die Risiken scheint kaum vorhanden, die fortwährende Einnahme der harmlos wirkenden kleinen Dragees wird meist als normal sanktioniert und in der Regel in keinster Weise hinterfragt.

Depressionen durch Hormone?

Die Wirkung von hormonellen Kontrazeptiva (Verhütungsmitteln) setzt beim weiblichen Hormonhaushalt an. Diesem komplizierten System werden genormte Östrogene und/oder Gestagene (weibliche Sexualhormone) zugeführt. Bestimmte Areale des Gehirns (Hypothalamus und Hypophyse) werden so daran gehindert entscheidende Hormone auszuschütten, wodurch der Eisprung, die Voraussetzung zu einer Schwangerschaft, unterbunden wird. Das Spiel mit den weiblichen Hormonen ist äußerst delikat – gerät frau hier aus der Balance, kann genau dies zu einem seelischen wie körperlichen Ungleichgewicht führen. PMS – die von manchen gefürchtete Zeit vor der Periode, in der man immer wieder erschreckt feststellt, wie stark das persönliche Wohlgefühl den eigenen Hormonen unterworfen sein kann – ist hierfür ein gutes Indiz.

Vielen Frauen ist dieser Zusammenhang nicht klar, oft schleichen sich depressive Verstimmungen auch über Jahre erst langsam ein. Ein Blick auf den Beipackzettel klärt dann im Nachhinein vieles. Mit dem Hinweis „Häufig“ (1-10 von 100 Frauen) versehen, prangt beispielsweise bei einer seit Jahrzehnten auf dem deutschen Markt befindlichen Pille unter dem Punkt „Bedeutsame Nebenwirkungen [..] Psychiatrische Erkrankungen“ der Hinweis „Stimmungsschwankungen, einschließlich Depression“. Auch der Arzneimittelreport der Krankenkasse Barmer für 2011 verweist auf das Risiko depressiver Verstimmungen als Nebenwirkung und mahnt eine Kosten-Risiko-Abschätzung an – gerade unter dem Aspekt, dass gesunde Frauen nebenwirkungsreiche Medikamente einnehmen.

Hohe Dunkelziffer

Spricht man in privaten Frauenrunden offen über dieses Thema, zeichnet sich oft ein deutliches Bild ab. Die meisten haben schon mal in ihrem Leben die Pille genommen, und ein großer Teil hat während der Einnahme die Erfahrung von depressiven Verstimmungen, extremen Gefühlsschwankungen, sich verstärkenden oder neu entstehenden Depressionen gemacht. Hinzu kommt, dass diese emotionalen Probleme und der entstandene Leidensdruck – in den wenigen Fällen, in denen sich die Frauen überhaupt dazu überwanden, dies anzusprechen – meist von Ärzten nicht ernst genommen oder nicht mit dem angewendeten hormonellen Verhütungsmittel in Verbindung gebracht wurden. Teils wurde diese Möglichkeit bei konkreter Nachfrage sogar kategorisch abgelehnt.

 

Harmlos oder nicht?

Allein, dass diese Medikamente verschreibungspflichtig sind, sollte ein Hinweis darauf sein, wie gefährlich sie sein können, wie massiv hier mit Hormonen in den weiblichen Körper eingegriffen wird. Ja, das kann gut gehen. Und das tut es bei vielen Frauen auch – aber eben längst nicht bei allen. Vor allem haben hormonelle Kontrazeptiva nämlich auch ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Lebergeschwulste und die Bildung von Blutgerinnseln im Gepäck.

Und die Pille als Verhütungsmittel wird keineswegs sicherer. Gerade die neuen Pillen der dritten Generation stehen momentan stark in der Kritik, samt anhängigen Gerichtsverfahren. Unter www.risiko-pille.de haben sich gesundheitlich massivst geschädigte junge Frauen oder deren Hinterbliebene zusammengeschlossen und versuchen über die erschreckenden Risiken zu informieren. 

 

Ist die Pille böse?

Kein Werkzeug ist von sich aus „böse“. Die Einnahme ist eine vollkommen individuelle Entscheidung, bei der Nutzen und Risiken bewusst abgewägt werden müssen. Lassen Sie sich nicht in eine Entscheidung drängen. Informieren Sie sich selbstständig, haken Sie nach, geben Sie sich eine Stimme und vor allem: Achten Sie auf sich.

 

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