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In die Dunkelheit meiner Seele zurückgezogen ergreife ich die Hand, die sich mir reicht. Ich spüre die wohltuende Berührung, die mir Kraft und Zuversicht spendet und mir das Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt. Ich bin nicht allein. Die Berührung erinnert mich daran, dass ich mit allem verbunden und in Kontakt bin – jederzeit – es ist nur die Frage, ob ich es wahrnehmen kann.

 

 

Berührung ist Nahrung

Berührung ist Nahrung für unseren Körper und unser geistig-seelisches Wohlbefinden. Wenn wir aufwachsen, ist die Entwicklung unserer Verhaltens- und Bewegungsmuster abhängig von der liebevollen Berührung und Zuwendung, die wir von unseren Bezugspersonen erfahren. Meine Erfahrung als Körpertherapeutin in der Behandlung von Depressionen ist, dass es ein ganz tiefes menschliches Bedürfnis nach Berührung gibt.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wunderte man sich in Kranken- und Waisenhäusern darüber, warum viele Säuglinge trotz guter Ernährung und medizinischer Versorgung starben. Die wenigen, die überlebten, verhielten sich träge, teilnahmslos und depressiv und waren in ihrer körperlichen als auch geistigen Entwicklung verzögert. Man fand heraus, dass liebevolle Berührung in Zusammenhang mit guter Versorgung von großer Bedeutung für das Überleben der Säuglinge war und ihre gesunde Entwicklung förderte. Die Enträtselung der Säuglingssterblichkeit brachte die Einsicht, dass Berührung für die Entwicklung der körperlichen und geistigen Gesundheit von Menschen absolut notwendig ist.

Auch als erwachsene Menschen brauchen wir ein tägliches Maß an Berührung – in gleicher Weise wie wir gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung für unser Wohlbefinden benötigen. Trotz der großen Vielfalt an Sport- und Wellnessangeboten, die es in unserer Gesellschaft gibt, sind Berührungen und körperliche Nähe im Berufsleben und im Alltag weitestgehend tabu und bleiben auf den engsten Freundeskreis und die Paarbeziehung begrenzt.

Doch ohne Berührung gerät man leichter unter Stress und wird krank. Denn sie stärkt nachweislich das Immunsystem, verbessert die Schlafqualität und wirkt Zivilisationserkrankungen wie Depressionen, Angstzuständen und chronischer Erschöpfung entgegen. Die Produktion von Stresshormonen sinkt, während die vermehrte Ausschüttung von Serotonin und Dopamin antidepressiv und belebend wirkt.

 

Berührung ist Kontakt

Unsere Haut verfügt über Millionen von Nervenenden, die uns die Welt ertasten und jede Berührung empfinden lassen. Durch Berührung – sei es durch kräftiges Massieren, sanftes Ausstreichen oder stilles „Zuhören“ durch Handauflegen – werden Wellen neuer sensorischer Empfindungen erzeugt. Die neuen Informationen sind sehr nützlich, um physiologische Vorgänge neu auszurichten und zu verändern.

Berührung hilft, die Wechselbeziehung mit der Außenwelt zu erhalten. Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, leiden häufig unter einem Gefühl der Entfremdung von sich selbst und der Umwelt. Um zu wissen, wer ich bin, muss ich mir gewahr sein, was ich fühle und empfinde. Denn das Gefühl meiner Identität erwächst gleichsam aus dem Bewusstsein für meinen Körper. 

 

Vitalität und Selbstvertrauen

Generell geht es in der Körperarbeit nicht nur um die Entspannung der Muskulatur. Wirksame Körperarbeit setzt einen Lernprozess in Gang, in dem sich die Selbstwahrnehmung verfeinert und die Selbstverantwortung gestärkt wird.

Als Klient erlebe ich, wie meine geistige und emotionale Befindlichkeit durch die angenehmen Empfindungen positiv beeinflusst wird. Meine Stimmung hebt sich, ich spüre Freude und Traurigkeit wieder intensiver und fühle mich vitaler und lebendiger. Die positiven Erfahrungen unterbrechen den Kreislauf von chronischer Anspannung, Gefühllosigkeit und negativem Gedankenfeedback in heilsamer Weise. Ich fühle mich nicht länger hilflos, sondern entwickle allmählich wieder genug Selbstvertrauen, um das eigene Leben bewältigen und auch gestalten zu können. Auf diese Weise können sich negative Gedankenmuster und körperliche Symptome wie z. B. Verspannungen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen gleichermaßen verändern und lösen.

Als Körpertherapeutin biete ich eine Qualität der Berührung an, die sowohl dem Klienten emotionalen Halt gibt als auch die nötigen physiologischen und strukturellen Veränderungen anregt. Meine berührenden Hände sind wie kleine Lampen, die die inneren Körper- und Seelenräume des Klienten beleuchten. Sie vermitteln ein Gefühl von Halt und Geborgenheit und bewirken, dass der Klient sich selbst wieder spüren und wahrnehmen lernt. Hier beginnt die Heilung…


Abb: © arthurdent – Fotolia.com

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Über den Autor

Avatar of Anke Wagner

ist als Heilpraktikerin (Psycho­therapie) und Körpertherapeutin in eigener Praxis in Berlin tätig. Sie absolvierte die 4-jährige Ausbildung in Body-Mind Centering bei Bonnie Bainbridge Cohen/ USA. Seit 12 Jahren studiert sie Continuum Movement und die Schulung des Em­pfin­dungsbewusstseins (Em’oceans & Sensations Work) bei Susan Harper und Emilie Conrad/USA

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