30 km östlich von Berlin beginnt der Naturpark Märkische Schweiz: Hügel, Schluchten, Seen, Bäche und Quellen, Wälder und nicht zuletzt die Wildkräuterwiesen. In Dahmsdorf, einem kleinen ursprünglichen Dörfchen, scheint die Welt zu Ende zu sein. Am Ende des Ortes hört die Straße auf und nur noch unbefestigte Wege führen in die wundervolle Landschaft. Trotz der stündlichen Bahnanbindung nach Berlin und Polen ist nichts von dem Trubel der Großstadt zu spüren. Der Bahnhof Müncheberg liegt einen Kilometer entfernt. Hier lebt die Kräuterfrau Birte Böhnisch ihre Berufung.

Gut erreichbar und doch mitten im Schoß der Erde befindet sich seit sechzehn Jahren der habondia-Hof und seit fünf Jahren dazu das HeileHaus sowie der Blaue Wagen für eine Auszeit in der Natur. Auf dem habondia-Hof und in der hügeligen Natur der Märkischen Schweiz gebe ich meine Herzensarbeit.

Habondia war die Erdgöttin unserer germanischen Vorfahren. Unter ihren Schutz habe ich als Kräuterfrau meine Arbeit gestellt. Sie hat mich gerufen. Doch wie kam es dazu, dass die Kräuterheilkunde meine Berufung und später mein Beruf wurde?

Vom Hollerstrauch zum Herzgespann

Alles fing vor 27 Jahren auf dem Berliner Mauerstreifen im Prenzlauer Berg an. Heute ist das der Mauerpark und nichts ist mehr zu sehen von dem einstigen Wildwuchs vieler Holundersträucher. Obwohl ich keinen Schimmer von der Heilkraft von Pflanzen hatte, nahm mich ein Freund dorthin mit, um Hollerblüten zu pflücken. Die Ernte und nachträgliche Verarbeitung wurde eine wahre Wonne für mich. Sie legte den Grundstein für meine Berufung als Kräuterfrau. Jemand streute einen Samen aus und mein Boden war bereit. Die Saat ging auf: Ich war fortan fasziniert von der Vielfalt der Wildpflanzen und von ihren umfassenden Heilwirkungen. Ich sammelte, setzte Heiltinkturen und -öle an, trocknete, rührte Salben und Cremes. Ich hörte in mir den Ruf der Hollermutter – eine weise, alte Göttin unserer germanischen Vorfahren. Ich habe nichts gesucht, doch ich wurde beschenkt. Die Kräuterheilkunde wurde meine Berufung.

Ein zweites Kraut, mein Herzenskraut, wies mir den weiteren Weg auf einen alten, zerfallenen Hof, der später der habondia-Hof wurde. Es war das Herzgespann (Leonuris cardiaca). Der lateinische Name bedeutet „Löwenherz“. Die umfassende Wirkung dieser schon sehr altbekannten Heilpflanze begeistert mich immer wieder. Sie ist fast ein Alleskönner, von dem heute kaum jemand weiß. Doch vor allem ist sie das Zivilisationskraut schlechthin. Zur Verwendung bei Stress, Angstzuständen, Trauer, in depressiven Lebensphasen, für bevorstehende Prüfungen. Bei allem, was uns aus der Bahn wirft, sorgt Herzgespann für ein Löwenherz. Damit ist sowohl das körperliche als auch das seelische Herz gemeint. Magen – und Gallenkoliken, Menstruations chmerzen, Geburts-, aber auch Wechseljahresbegleitung, Schlafstörungen, Herz- und Blut druckprobleme, Schilddrüsenüberfunktion, Migräne, Kopfschmerzen und Schock – das sind weitere Stichworte zu dem wundervollen Heilkraut.

Als ich das erste Mal über die Heilkraft des Herzgespanns von einer amerikanischen Kräuterfrau hörte, nahm ich mir vor, diese Pflanze und das Wissen um ihre umfassenden Heilwirkungen zurück in die Welt zu bringen. Und wieder hörte ich den Ruf der uralten Mutter.

Begegnungen im HeileHaus auf dem habondia-Hof

So kam es, dass ich – immer noch in Berlin wohnend, inzwischen Mutter von drei Kindern – begann, anfänglich nebenberuflich, Heilkräuterseminare, Kurse und Wildkräuterführungen anzubieten. Doch ganz schnell war klar, dass mich meine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die Sehnsucht nach ursprünglicherem Leben hinaus aus der großen Stadt führen wird. Ohne aktive Suche, doch klar ausgerichtet, kam das zerfallene Gutshaus mit Hof in Dahmsdorf zu mir, meiner Familie und Freunden. Heute ist es mit Hilfe von EU-Fördermitteln der habondia- Hof mit dem Blauen Wagen. Hier gebe ich Wildkräuterführungen, Heilkräuterkurse und Seminare, biete eine Kräuter-Ausbildung an, leite Rituale für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, aber auch Zeremonien für freudige Ereignisse.

Auch alte Handwerkstechniken gebe ich an interessierte Menschen weiter. Zu meiner Freude arbeite ich hier seit ca. sieben Jahren nicht mehr allein. Es findet eine rege Begegnung mit dem Team des HeileHauses statt, welches wir gemeinsam gegründet haben. So finden unsere Gäste u.a. auch Yoga, Qi Gong, Taiji, eine Naturheilpraxis, Physiotherapie, Atemtherapie, einen Jazz-Chor, Irisdiagnose, schamanische Angebote, regelmäßige Tanzabende etc. Es ist wunderschön, im Nachhinein zu sehen, wie sich alles fügte auf meinem Weg, wie ich geführt wurde – und alles begann mit Holler und Herzgespann. Meine tiefe Dankbarkeit an das Universum!

Author: Oliver Bartsch

Eine Antwort

  1. Ralph

    Ja, wird immer wichtiger.
    Alte Werte…………….und früher war doch alles besser. Die Natur ist ein Schatz.Ich habe es in Frankreich erfahren,wie wertvoll die alten reinen unverfälschten ursprünglichen vergessenen Sorten sind. Es gibt kaum noch Samen,die wirklich rein sind.Der Weg zu alten Bewohnern in der tiefsten Provinz……….ist Gewinn. Fast vergessene Rezepte,fast vergessene Kräuter & Anwendungsgebiete. Die Ur-Schweiz und sowieso Frankreich sind schon fast Gralshüter………….von fakefreien guter „Ursprungsernährung“

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