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Was bedeutet das: gesundes Essen? Viele Produkte, die wir gern essen und die uns gut schmecken, sind leider nicht gut für unsere Gesundheit. Und Lebensmittel, die „gesund“ sein sollen, schmecken uns oft nicht. Ein unlösbares Dilemma?!

Von Illian Sagenschneider

 

Als kleiner Junge habe ich Gummibärchen, Milchschokolade und Chipstüten geliebt. Ich konnte mir ein Leben ohne diese kleinen Begleiter beim Fernsehen und beim Spielen gar nicht vorstellen. Natürlich wurde mir später klar, dass diese Sachen wohl nicht soooo sonderlich „gesund“ sind. Aber lange Zeit hat mich das nicht gestört – man stellt Dinge einfach ungern in Frage, die einem so gut schmecken und die so vertraut und gewohnt sind …

Heute verstehe ich, warum das so ist (wie ich weiter unten erklären werde). Und der Weg dorthin war tatsächlich ein Abenteuer! Am Anfang meines Biologiestudiums bekam ich durch Zufall ein faszinierendes Buch über Ernährung in die Hand. Aber es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich mein „Gummibärchenproblem“ richtig verstand. Viele weitere Bücher und Ernährungskonzepte folgten … Durch einen guten Freund kam ich Ende 2000 in Kontakt mit einer Vielzahl von uralten tropischen Früchten, seltenen Gemüsesorten und wilden Kräutern. Und so probierte ich mal eine ganz neue Art des Essens aus: Einmal für eine Weile auf gewohnte Lebensmittel zu verzichten und nur natürliche und ursprüngliche Sachen zu essen, war das faszinierendste Experiment meines Lebens!

Natürliche Gummibärchen – gesundes Essen?

Beispielsweise entwickelten die Früchte nach kurzer Zeit eine unglaubliche Intensität und überraschten mich immer wieder: Seltene Nuss-Sorten aus dem Regenwald schmeckten plötzlich wie Marzipan. Andere Früchte entwickelten Himbeertortengeschmack – und zuletzt entdeckte ich die Jackfrucht: ein altes Maulbeerbaumgewächs, dessen Frucht selbst wie ein Urzeitwesen aussah. Goldgelbe Fruchtstückchen, gebündelt zu einer gewaltigen Sammelfrucht und umgeben von einer stacheligen Hülle, die eher an die Haut eines Dinosauriers erinnerte. Das Fruchtfleisch hatte eine feste, weichgummiartige Konsistenz. Aber das Beste war: Es schmeckte nach GUMMIBÄRCHEN! Obwohl, nein, es schmeckte viel BESSER als Gummibärchen.

Es war einfach traumhaft. Ich hatte den Lieblingsgeschmack meiner Kindheit wiedergefunden. Und diese Frucht schmeckte nicht nur unglaublich lecker, sie tat mir auch sehr gut. Ich hatte nach dem Essen Energie und fühlte mich regelrecht glücklich. Auch konnte ich so viel davon essen, wie ich wollte – ich nahm nicht zu!

Irgendwann wurde mir dann bewusst, dass wir durch unsere industriell verarbeitete Nahrung völlig den Kontakt zu echten, wilden, ursprünglichen Lebensmitteln verloren haben. In den Monaten danach fiel mir auf, dass sehr viele „Süßigkeiten“ aus dem Supermarkt versuchen, den intensiven Geschmack von alten tropischen Früchten zu kopieren und nachzuahmen. Doch wenn man einmal die Originale kennengelernt hat, weiß man, wie schlecht diese billigen Kopien aus Fabrikzucker und künstlichen Aromastoffen gegenüber dem Original schmecken.

Leider signalisiert uns gerade der Geschmackssinn, der durch künstliche Nahrung wie von einem trojanischen Pferd getäuscht wird, eine gewisse „Richtigkeit“ und gute Nährstoffe. Im Grunde genommen glaubt er ja, mit dem Industriezeugs etwas besonders Gutes zu bekommen. Weil unsere Sinne permanent betrogen werden, ist es auch kein Wunder, dass viele Menschen meinen, Süßigkeiten täten uns gut. Etwas, das gut schmeckt, stellt man – wie gesagt – einfach nicht gerne in Frage …

Erst als mir diese Täuschung wirklich bewusst wurde, hatte ich die Chance, mich davon abzuwenden. Ich habe seitdem nie wieder Gummibärchen gegessen. Und wenn man dann auch noch die uralten Regenwaldfrüchte kennengelernt hat, verliert man total das Interesse an dem künstlichen Kram. Dann isst man plötzlich das gerne, was auch wirklich für den Körper gut ist. Ohne schlechtes Gewissen. So wie alle Tiere das auf diesem Planeten auch tun.

Gesundes Essen = gute Laune

Ähnliches habe ich auch später mit Wild- und Heilpflanzen erlebt, von denen manche wie Kartoffelchips oder Salzstangen schmecken. Ebenfalls gut funktionierten natürlich auch unseren alten, heimischen Obst- und Gemüsesorten. Und das Resultat nach dem Essen waren dann gute Laune und keine überflüssigen Speckrollen.

Dies waren meine ersten echten Abenteuer auf dem Feld der Ernährung. Das Schönste war der Moment, als sich Zunge und Geschmacksnerven so gut umgestellt hatten, dass ich automatisch weniger künstlichen Kram aß und begann, die natürlichen Lebensmittel zu lieben. In diesem Moment hörten jeglicher Kampf und Stress mit dem Essen auf.

Viele weitere Experimente folgten. Ob es nun um die Rolle der Fette oder Eiweiße, die Mangelversorgung mit Mikronährstoffen oder die Wichtigkeit einer intakten Darmflora geht – das Thema ist komplex und spannend. In den nächsten SEIN-Ausgaben werde ich mehr von meinen „Ernährungs-Abenteuern“ berichten.

 


Nächstes Wochenendseminar in Berlin
am 22.-23. April 2017, von 11-17 Uhr

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