Mooji ist ein weltweit bekannter spiritueller Lehrer. Er gibt Satsangs mit Menschen, die auf der Suche nach der unmittelbaren Erfahrung der Wahrheit sind. In diesen offenen Begegnungen führt er auf dem direkten Weg zur Freiheit – durch Selbst-Erforschung und „Die Einladung“, die eine der wirkungsvollsten Hilfsmittel für wahre und anhaltende Selbst-Erkenntnis darstellen. In den folgenden Auszügen aus seinem kürzlich bei O.W. Barth in deutscher Übersetzung erschienenen Buch „Weiter als Himmel, größer als Raum“ zeigt Mooji, dass sich in der Verwirklichung unserer wahren Natur, die jenseits des Ego-Verstandes liegt, das uns schon immer innewohnende Vertrauen in die Schönheit und Perfektion enthüllt, mit der sich das Leben entfaltet.

Ich werde dir nicht siebzehn Schritte zeigen, um irgendwohin zu kommen. Nicht einmal einen einzigen Schritt! Lege deine Waffen nieder, lass für einen Augenblick deine Techniken beiseite, und komm ein wenig zur Ruhe. Spüre wieder dein Herz. Du hast es auf die mühsame Art versucht. Nun versuche es für eine Weile auf dem Herzensweg, dem mühelosen Weg. Ich will dir keine neue Bürde auferlegen, sondern dich von der Vorstellung befreien, dass du irgendetwas tun müsstest, um dein Selbst zu sein. Das Göttliche ist nicht einmal einen Millimeter von dir entfernt. Es kann niemals von dir getrennt sein. Es ist der Kern deines eigenen Seins. Was mein Herz mit größter Freude erfüllen würde, wäre, wenn jedes einzelne Herz sich öffnen und das Selbst entdecken würde. Ich sehe kein echtes Hindernis für dieses Erwachen außer Angst, Verbohrtheit oder der starken Identifikation mit unserem eigenen Gefühl des autonomen Personseins.

Diese offensichtlichen Hindernisse sind nichts Neues, daher müssen wir mit ihren Schwachpunkten inzwischen vertraut sein. Sie alle lassen sich beseitigen, denn keines von ihnen ist größer als das Selbst. Vielleicht formieren sie sich von Zeit zu Zeit neu, aber du wirst solche Bewährungsproben als Spiegel nutzen, mit denen du in dein eigenes Selbst blickst. Die Einfachheit des Seins, die Natürlichkeit des Selbst erfordert keine Technik oder Strategie, keinen Plan, kein Wissen oder Lernen. Bemühe dich nicht immer um etwas. Sei einfach mal für eine Weile still. Ich habe festgestellt, dass es größtes Glück bedeutet, in dieser Unmittelbarkeit zu leben.

Aber die Menschheit hat vergessen, darauf zu vertrauen, dass der Wind der Gnade ihre Segel füllt, und stattdessen so viel Energie in die eigenen vergeblichen Anstrengungen gesteckt. Mach dir nicht so viele Gedanken! Wenn du aufhörst, dir Gedanken zu machen, wird dein Blick wieder klar, dein Herz wieder offen, sauber und rein – und du spürst, wie dein ganzes Leben Rückenwind bekommt. Die Gnade begleitet dich bei jedem Schritt; sie trägt dich auf deinem Weg. Tatsächlich ist die Gnade schon da, bevor du den Ort erreichst, an den sie dich getragen hat.

Einfachheit des Seins

Das Göttliche ist hier und jetzt da, dennoch scheinen wir es zu übersehen. Obwohl es offenkundig sein sollte, scheint die Gewohnheit das Reale zu verschleiern. Befolge diesen einfachen Rat und komme aus diesem Dschungel des Verstandes heraus. Lass uns diese Wahrheit gemeinsam entdecken. Ich erinnere dich bloß an die Einfachheit deines Seins, das niemals verunreinigt werden kann, niemals missraten kann und niemals zerstört werden kann. Es kann niemals dem Teufel gehören, und es kann niemals sterben. Du kannst es nicht beschädigen. Du kannst es nicht verbessern, weil es immer vollkommen ist. Öffne dich seiner Präsenz; es unterscheidet sich nicht von dir.

Die Gnade hat dich hergebracht, und die Gnade dient deinem Erwachen. Worauf ich verweise, ist Brahman, die Höchste Wirklichkeit. Brahman ist wie die Sonne, die allein durch ihr Sein allen Lebensformen erlaubt, in ihre verschiedenen Manifestationen einzutreten, wobei jede einzelne auf dasselbe Sonnenlicht reagiert. Alles gelangt zur Blüte, und dennoch kümmert sich die Sonne nicht um Blumen oder Wasser, um Wolken oder Regen. Aber durch die Sonne gelangen alle Lebensformen zu ihrer dynamischen Manifestation. Ebenso sind wir, sobald wir unsere Ganzheit erkennen, nicht mehr die individuellen Betreuer jedes einzelnen Aspekts des Daseins. So mächtig und großartig ist die Manifestation, Präsenz und Lebenskraft jener, deren Rolle es ist, Diener dieser Gesamtheit zu sein. […]

Dem Leben vertrauen

Die meisten Menschen durchleben Zeiten in ihrem Leben, in denen von allen Seiten Herausforderungen auf sie zuzukommen scheinen – persönlich, beruflich, spirituell. Dann kann es schwer sein, darauf zu vertrauen, dass es Zeiten des Wandels sind, die gewaltige Chancen für Entwicklung und sogar Erwachen bergen. Du kannst nicht sagen, welche Gestalt die Dinge an irgendeinem Punkt deines Lebens annehmen werden. Du kannst nicht wissen, wie all das ausgehen wird, und dennoch tun wir oft genug so, als ob wir es wüssten – was die folgende Geschichte „Der König und sein Ratgeber“ wunderbar illustriert. Es war einmal ein König, und dieser König hatte einen weisen Ratgeber. Nun war der König selbst nicht besonders weise, aber weise genug, um zu wissen, dass sein Ratgeber weise war. Der Ratgeber begleitete den König praktisch überallhin, außer auf die Toilette – aber selbst da wartete er vor der Tür.

Eines Morgens trug es sich zu, dass der König – der ziemlich beleibt war – aus dem Bett stieg und dabei, als er gerade in seine königlichen Pantoffeln schlüpfen wollte, auf dem Marmorboden ausglitt, stürzte und sich den Ellbogen brach. Er brüllte vor Schmerzen, sodass der ganze Palast ihn hören konnte, und ließ dann, noch bevor er nach der Königin oder dem königlichen Arzt rufen ließ, seinen Ratgeber kommen. »Mein Gebieter, was ist euch zugestoßen?« »Sieh dir meinen Arm an! Wie konnte das passieren?« Der Ratgeber sah sich den gebrochenen Arm an und sagte: »Das ist gut, mein Gebieter …« Da wurde der König zornig. »Wie kannst du es wagen, so etwas zu sagen? Geh mir aus den Augen!« Er rief die königliche Wache. »Wache, führt ihn ab!« Sie ergriffen ihn, brachten ihn in das modrige Verlies und verschlossen hinter ihm die schwere Tür – klong! Die Ärzte verbanden den Arm des Königs, und die folgende Woche verbrachte er im Bett. Als er eines Morgens erwachte, fühlte er sich viel besser und konnte es nicht mehr aushalten, einfach nur dazuliegen. Er war ein begeisterter Reiter, und so ließ er die königlichen Pferde holen und wählte seinen Lieblingsschimmel aus.

Er ließ sich vom Stalljungen beim Satteln und Aufsteigen helfen, und dann ritt er in den strahlenden Morgen hinein mit seinem gebrochenen Arm, den er, geschützt unter seinen schweren Gewändern, in einer Schlinge eng am Körper hielt. An diesem besonderen Morgen war dem König einfach nicht danach zumute anzuhalten, und so ritt er einen sehr weiten Weg. Tatsächlich ritt er so weit, dass er am Nachmittag, ohne es zu bemerken, die Grenzen seines eigenen Königreiches überschritten hatte und in ein fremdes und wildes Land geraten war. Dort erspähte er einen weißen Hirsch und war so von dem seltenen und herrlichen Anblick gefangen, dass er beim Reiten gegen den Ast eines Baumes stieß. Er stürzte schwer und machte einen gewaltigen Lärm mit seinem Stöhnen und Wehklagen und seinen Hilferufen, als er sich plötzlich von einer wild aussehenden Horde umringt sah, von der er unverzüglich gefesselt wurde.

Sie trugen Schmuck aus menschlichen Knochen, und da dämmerte es ihm, dass er im Land der Kannibalen war. Schon hatten sie eine Trommelbotschaft an das Dorf geschickt – bumm, bumm, bumm – die bedeutete: Wir haben einen fetten Brocken erwischt! Begleitet von den Triumphrufen der Kannibalen, die dabei zu den Trommeln tanzten, wurde der entsetzte König ins Dorf getragen, wo sie mit großem Jubel und einem prasselnden Feuer empfangen wurden. Der König wurde in eine Hütte geschafft, während draußen wilde Zeremonien stattfanden. Aus einem winzigen Fenster in der Hütte konnte der König nach draußen sehen, wo er die Kannibalen unter Gelächter mit einem großen Spieß gestikulieren sah. Zu Tode erschrocken rief er: »O nein, nein, nein, nein!« Dann war der Moment gekommen. Sie zerrten ihn aus der Hütte zum Feuer, und er schrie umso mehr, als er sehen konnte, dass sie sogar schon Salz und Pfeffer bereitgestellt hatten.

Im allerletzten Moment, als sie ihn schon ins Feuer schieben wollten, rutschte der Ärmel seines königlichen Gewandes herunter, sodass sie seinen blutigen Ellbogen in der Schlinge sehen konnten. Plötzlich verstummten die Trommeln. Alle sahen bestürzt einander an. Oh! Er ist unvollkommen. Wir können ihn nicht opfern! Verärgert, dass sie um einen so fetten Braten gebracht wurden, warfen sie ihn auf sein Pferd und gaben diesem einen Klaps. Mit seinem gesunden Arm klammerte sich der traumatisierte König verzweifelt an sein Pferd, während es nach Hause galoppierte. Nach beträchtlicher Zeit fand sich der erschöpfte König in seinem eigenen Königreich vor den Toren seines Palastes wieder. Die Wachen eilten herbei und halfen ihm vom Pferd. »Was ist geschehen, Eure Majestät? Euer Gewand ist zerrissen, und Ihr seht aus, als hättet Ihr ein Martyrium hinter Euch!«

Zurück in seinem Gemach, brach er unter dem Eindruck seiner Erlebnisse zusammen, bei denen er so knapp dem Tode entronnen war. Als er dann darüber nachsann, welches Glück es für ihn bedeutet hatte, einen gebrochenen Arm zu haben, fielen ihm wieder die Worte seines Ratgebers ein: »Das ist gut, mein Gebieter.« Augenblicklich eilte der König zum Verlies. »Mein armer Ratgeber. Für eine Woche war er im Kerker! Ich muss ihn sehen.« Im Verlies hockte der Ratgeber einfach ganz ruhig da. »O mein Ratgeber. Was habe ich nur getan?« Der Ratgeber erhob sich. »O Eure Majestät, worin liegt das Problem?« Dann erzählte der König die Geschichte von seiner Gefangennahme und sagte zum Schluss: »Du bist wahrlich mein bester Ratgeber. Vor einer Woche konntest du in deiner großen Weisheit sagen, dass es gut sei, meinen Arm gebrochen zu haben, aber ich habe dich dafür in den Kerker werfen lassen. Es tut mir so leid. Wie kann ich es wiedergutmachen?«

Der Ratgeber erwiderte nur: »Es ist schon gut, mein Gebieter.« »Was kann schon gut daran sein, eine Woche im Verlies zu verbringen?«, fragte der König. »Nun, mein Gebieter, Ihr hegtet schon längere Zeit den Wunsch, einen weiten Ausritt zu machen, und ich begleite Euch immer überallhin. Die Kannibalen hätten uns beide gefangen, und wenn sie dann gesehen hätten, dass sie Euch nicht opfern können, hätten sie mich geopfert. Also war es gut für mich, hier zu sein.«

Bei der Geschichte geht es darum, dass man niemals wissen kann, wie die Dinge ausgehen. Manchmal ziehen wir voreilige Schlüsse, wenn wir sagen, dass etwas schlecht gelaufen ist. Aber wenn du einfach still bleibst und dem Leben vertraust – aber ohne auf irgendetwas zu warten –, wirst du schließlich sehen, dass du umso besser in der Lage bist, die Dinge zu sehen, wie sie sind, je stiller du bist. Und dann wirst du im Herzen dankbar für diese Weisheit sein. Der Verstand agiert immer voreilig und ist schnell dabei, Urteile zu fällen; daher interpretiert er die Dinge immer falsch. Aber was wie eine bedrängende Lebenssituation aussieht, eröffnet deinem Geist vielleicht die Möglichkeit, anders zu sehen, die Schönheit wahrzunehmen, die du vielleicht nicht auf dieser subtileren Ebene des Bewusstseins hättest schätzen können, wenn du in einer besseren Lebenssituation geblieben wärest. Solche Erschütterungen können tatsächlich bedeut – same Anstöße sein, große Hilfen, die dich zu einem tieferen Verständnis deines eigenen Wesens führen. All das ist Teil des Lebens. Es ist nur natürlich, dass die Dinge manchmal schiefgehen – sie gehen schief, damit sie wieder gut laufen können.

Verschmilz mit dem Unbegrenzten

Auch wenn es nicht wahr ist, dass wir einfach nur die Summe unserer Gedanken sind, erfahren doch die meisten das Leben, als sei das so. Du bist Bewusstsein, dieser Raum, in dem Gedanken sich manifestieren und wahrgenommen werden. Diese makellose Unermesslichkeit ist es, was wir sind. Es ist nichts Erlernbares. Vielmehr erkennt man es als das Bewusstsein und verschmilzt mit ihm, in ihm und als das Bewusstsein selbst. […] Der Verstand wirkt als ein Schleier, als ein Nebel aus Unwissenheit und Anmaßung gegenüber diesem intuitiven Erkennen unwandelbaren Gewahrseins. Er ist ständig dabei zu kalkulieren, versucht ständig zu steuern, anstatt einfach als das Leben selbst zu fließen. Solange du auf diese Weise weiterhin steuernd eingreifst, nahezu blind, wird der strenge Geruch des Getriebenseins dir anhaften. Dir wird die offensichtliche Vollkommenheit der Existenz entgehen.

Kannst du schauen, ohne Urteile zu fällen? Kannst du neutral wahrnehmen? Wenn du die Dinge in einer solchen Neutralität erblickst, siehst du, wie sie wirklich sind. Du brauchst keine Wertungen mehr, weil du vom Selbst aus schaust. Häufig betrachten wir das Leben reaktiv und kreieren dabei unsere eigene Geschichte. Aber ist es möglich, einfach zu schauen, ohne Vorurteile oder Vorlieben zu entwickeln? Es ist anstrengend, die Welt reaktiv und bewertend wahrzunehmen, wie es die meisten Menschen gewohnt sind. Sie erschöpfen sich in der Vorstellung, dass sie ihr Leben führen, anstatt zu erkennen, dass sie das Leben selbst sind. Im Raum der unpersönlichen panoramaartigen Wahrnehmung gibt es keine Wertungen und keine persönlichen Reaktionen.

Weil das Ego fehlt, gibt es nur das Sehen. […] Wie leicht und natürlich das Leben dahinfließt! Wie sich unser Horizont erweitert, wenn wir nicht mehr bedrückt und ängstlich sind. Du bewegst dich in einem Zustand der Gnade. Das Leben hat etwas Heiteres und entfaltet sich als ein Zustand strahlender Präsenz in Bewegung. Dieser Seinszustand geht aus der Stille des wahren Selbst hervor. Die Wahrheit ist nichts Erschaffenes. Die Unwahrheit zu beseitigen schafft daher nicht die Wahrheit; es beseitigt nur, was die Wahrheit daran gehindert hat, erkannt zu werden. Du hast als Bewusstsein die Fähigkeit, über die höchste Wirklichkeit nachzudenken. Wenn du diese Realität erkennst, stellst du fest, dass deine Handlungen die Handlungen des Universums sind, nicht die eines Individuums.

Auch wenn du mit der Person identifiziert bist, sind deine Handlungen die Handlungen des Universums, die durch den Verstand wirken, in ganz ähnlicher Weise, wie jede Welle den ganzen und vollständigen Ozean unter sich hat. Jede Welle hat ihren Ursprung im Ozean, und daher ist sie die Bewegung des Meeres. Aber du bist das Meer, nicht nur eine Welle! Der Verstand macht aus der Verwirklichung des Selbst einen Kampf, »da hinzukommen«. Aber es geht nicht darum, irgendwo hinzukommen oder irgendetwas zu werden. Du bist bereits das unbenennbare Selbst. Du musst einfach nur deine wahre Position als den beobachtenden Ursprung erkennen, bestätigen und bekräftigen, als die Leere, der alle Phänomene entspringen.

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