In uns allen existiert eine Sehnsucht nach Gemeinschaft und Verbundenheit, gleichzeitig leben wir in einer Welt, die vor allem Einsamkeit, Schmerz und Trennung produziert. Warum ist das so? Auf dem diesjährigen Sommercamp des ZEGG näherte sich Sabine Lichtenfels, die weltweit tätige Friedensforscherin, Friedensaktivistin und Leiterin der Globalen Liebesschule im portugiesischen Tamera, während eines Vortrags einer Antwort an.

Wer bin ich? Ich bin aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, wollte mit 16 Jahren schon ein Dorf gründen, war damals an der Gründung des ZEGG beteiligt…. Wenn ich diese Gedanken etwas verlangsame, tauchen Fragen auf: Wer sagt das? Woher weiß „ich“, die „ich“ hier stehe, dass ich 1954 geboren wurde? Wer oder was sagt zu alledem “ich“? Und schon komme ich an eine nächste Stufe, der Organismus fängt ein bisschen an zu zittern, spürt eine gewisse Aufregung und gerät in einen Raum der Meditation, in dem ich wahrnehme, dass nichts von dem, was jetzt hier steht und spricht, von mir gemacht wurde. Aber etwas spricht. Etwas denkt. Etwas fühlt, riecht, schmeckt, sehnt, liebt!

Bei diesem Wunder könnte ich jetzt dankbar drei Tage unter einem Baum sitzen und einfach Zeuge sein von dieser absolut eindrucksvollen Tatsache. Ich merke zwar, dass ich die Erinnerung habe, die eine Person zusammenfügt, und die sagt, sie sei Sabine Lichtenfels. Aber ich merke, dass irgendetwas weit darüber hinausgeht. Und es gibt auch etwas, das Zeugenschaft ablegen kann von alledem. Da ist also eine Instanz, die all das betrachten kann. Und ich merke dabei, dass ich mehr bin als mein Körper. Ich fühle das Klopfen meines Herzens, wundere mich und merke: Ich bin ja Gemeinschaft. Mein ganzer Organismus funktioniert nur, weil Herz, Lunge, Leber, Sehen, Fühlen, Schmecken in einer Einheit miteinander wie ein einziges Wunder funktionieren. Wer steuert da? Was ist das Steuerorgan?

Es „icht“

Dann schaue ich in diesen Raum, mich schauen Augen an, ich merke: Ich – Du! Eine merkwürdige Polarität. Hier bin ich, da ist ein Du. Und dann spüre ich alle Augen, die mich anschauen. Anscheinend haben die auch so etwas wie ein Ich! Wie merkwürdig: Alles „icht“. Es icht durch mich. Und dann bemerke ich eine noch höhere Instanz. Ich bringe mal ein Gleichnis, um sie zu beschreiben: Da gibt es auf der einen Seite einen Vogel, der baut ein Nest. Der fliegt überall herum, holt alles, was er braucht, baut ein Nest, legt dort seine Eier hinein. Zusammen mit einem anderen Vogel sorgt er dafür, dass die Küken schlüpfen, beide füttern die kleinen Vögel, es funktioniert alles. Das scheint auch ein Teil der Egowelt zu sein. Sie sorgt fürs Überleben, dafür, dass es den Kindern gut geht. Es ist ein Fürsorgeinstinkt, der dort wirkt. Parallel dazu sitzt ein anderer Vogel da und schaut auf das Ganze. Er guckt ganz ruhig zu. Das ist für mich die Instanz, die ich das Höhere Selbst nennen würde, das alles betrachten kann. Und zwar in jedem Moment, egal ob ich traurig, wütend oder sehnsüchtig bin.

Und diese Instanz haben wir in unserer Gesellschaft fast ganz vergessen. Um es deutlich zu sagen: Ich finde am Ego gar nichts Schlimmes. Das Ego wird gebraucht zum Überleben. Nur ist es ganz anders gebettet, wenn das Höhere Selbst durch dieses Ego wirken kann. Und wenn ich dann mit einer noch höheren Instanz in Berührung komme, dann gelange ich an dieses Wunder, das man früher Gott genannt hat. Heute fällt es mir schwer, dieses Wort zu benutzen, weil es so unendlich missbraucht wurde. Aber in der hebräischen ursprünglichen Bibel heißt Gott „Ich bin, der ich sein werde“. Alles, wonach ich in meiner Entwicklung strebe, ist auch jetzt schon in mir als Muster vorhanden. Da scheint eine Instanz in mir zu sein, die ewig ist und alles umfasst. Ich möchte noch einen Vergleich bringen.

Heute kamen meine beiden Enkel zu mir und brachten mir einen kleinen Samen. Wenn man sich diesen Samen genau anschaut, erkennt man auf einmal das Wunder: In ihm ist die ganze Information vorhanden für den Baum, der daraus wachsen wird. Das eine ist eine Eichel, daraus wird eine Eiche. Das andere ist ein Tannenzapfen, daraus wird eine Tanne. Es scheint eine Kerninformation in allem zu geben, in der das ganze Wachstum bereits angelegt ist.

Die Krankheit unserer Zeit und ihre mögliche Heilung

Ich erlaube mir die Vorstellung, dass auch in mir ein solcher Same angelegt ist. Und dass ebenso in einer Gruppe ein Wissen angelegt ist, wie diese Gruppe wachsen würde, wenn sie mit den natürlichen Wachstumskräften ganz verbunden ist. Und damit komme ich zum Thema „Krankheit unserer Zeit“ und deren mögliche Heilung. Das Ego hat in der Regel vergessen, wo es herkommt. Es spürt nicht mehr diese Verbindung zu seiner Quelle. Es ist wie ein Motor, der vor sich hinläuft und immer mehr verlangt, rennt, einer blinden Sehnsucht folgt. Ohne zu wissen: Welches Ziel ist in mir denn eigentlich eingebaut?

Normalerweise lebt das Ego von Trennungsgedanken. Von Verlustangst. Von dem Gedanken, mehr zu wollen. Dem Ego ist es nie genug. Denn es ist eine Art menschliches Unglück geschehen: Wir wurden getrennt von unserer Kernerinnerung, dass wir mit einer heilen Führung verbunden sind. Wenn ich auf die Welt schaue, dann ist es für mich erschütternd zu sehen, wie alle Gesellschaften von dieser Kraft des Egos gesteuert werden. Sie sagt: „Wir müssen uns verteidigen. Es ist immer eine Bedrohung da, man muss sich abgrenzen.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde uns Kindern gesagt: „Die Russen sind die Bösen“. Als Kind hat man mich mal gefragt: „Wer ist ein Russe?“ Meine Antwort: „Das sind die, die den Krieg wollen.“ Ein Kind trinkt solche Überzeugungen quasi mit der Muttermilch.

Ego versus Gemeinschaft

Die Falle des Egos liegt in der Identifizierung. Man glaubt, etwas zu sein, was man in Wirklichkeit nicht ist. Doch das Höhere Selbst weiß mehr. Es ist immer auf Heilung ausgerichtet und auf Gemeinschaft. Man ahnt aber, was nötig ist, um eine solche Gemeinschaft zu verwirklichen. Wenn ich mich meditativ einlasse und spüre, dass ich selbst Gemeinschaft bin, dann fühle ich, wie wir alle in diesem Raum auf eine bestimmte Weise miteinander verbunden sind. Wir werden zusammengefügt zu einem nächsthöheren Ganzen. Aber in der Geschichte wurden seit Tausenden von Jahren Gemeinschaften verfolgt, zerstört – und das geht bis heute fort. Wir wissen, dass immer noch indigene Völker vernichtet werden. Wir wissen auch, dass in Kolumbien Friedensgemeinschaften ihre Waffen niedergelegt haben und sagen: „Wir wollen in Frieden leben“ – und wie die ganze politische Ausrichtung das nicht erlaubt und Paramilitär, Regierung und Unternehmen alles tun, um diese Macht des Friedens zu verhindern.

Eine Macht, die höher ist als alle Gewalt

Welche Macht ist denn höher als Gewalt? Was ist es für eine Macht, die es uns ermöglicht, aus all dem Denken von Angst und Gegnerschaft auszutreten? Ich habe kürzlich auf einen Ameisenstaat geschaut und mich gewundert, wie er funktioniert. Was hält diesen Ameisenstaat zusammen? Was ist sein Steuerorgan? Es scheint eine höhere Instanz zu geben, die alles lenkt. Ein ähnliches Beispiel: ein Vogelschwarm am Himmel. Hundert Vögel fliegen in eine Richtung, plötzlich dreht der ganze Schwarm um. Wer lenkt das? Bestimmt müssen nicht alle Vögel miteinander bereden, ob sie jetzt nach Osten oder Westen fliegen, sie bräuchten dafür wohl Stunden. Menschen bringen sich allerdings immer wieder in solche Situationen der Ineffektivität. Selbst die besten Gemeinschaften merken dann auf einmal, dass sie dasitzen wie im Bundestag, um zu beraten, was der nächste Schritt ist, den sie als Gemeinschaft jetzt unternehmen sollten. Dabei wird endlos diskutiert – bis Einzelne es wagen, sich tiefer zu besinnen, um der höheren Instanz auf die Spur zu kommen, die über den Egos der einzelnen Menschen steht. Nur: Was genau ist das höhere Steuerorgan, das uns führt? Gibt es eine kohärente Schwingung, die uns so verbindet, dass wir uns mit den Heilströmen des Lebens verbinden können?

Sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen, empfinde ich als das Abenteuer unserer Zeit. Es gibt so viele Gruppen, die sich nach Gemeinschaft sehnen und versuchen, in Gemeinschaft zu leben. Wenn wir der Überzeugung sind, wir müssten alle damit zusammenhängenden Herausforderungen aus eigener Kraft lösen, gibt es aus meiner Sicht keine Chance, erfolgreich zu sein. Es ist nicht möglich, der Welt, in der wir leben – der Globalisierung der Gewalt – aus eigener Kraft etwas entgegenzusetzen.

Sich einem höheren Lebensmuster hingeben

Interessant ist: Wenn man an einen Punkt kommt, an dem man fast aufgibt, dann kann auf einmal das höhere Steuerorgan „übernehmen“. Und wenn dann eine Gruppe da ist, die sagt: Ja, wir wollen Wahrheit untereinander, wir sind in der Lage, aus unseren Vorstellungsmustern auszutreten – dann werden wir uns wahrscheinlich an dieses höhere Lebensmuster der Gemeinschaft erinnern. Mein Gefühl sagt mir, dass dies jetzt an vielen Plätzen auf unserem Planeten stattfindet. An vielen Orten schließen sich Gruppen und Menschen zusammen, die nicht mehr mitmachen wollen in dem Egosystem. In Gesellschaften, die nur auf Angriff und Verteidigung basieren. Jeder Staat hat ein Verteidigungsministerium. Alle unsere Gesellschaften leben von und mit Krieg.

Aus eigener Kraft kommen wir da nicht heraus. Haben wir den Mut, die heilen Bilder in uns aufzusuchen – und zwar in einer Tiefe, dass wir sie wirklich klar sehen können – und uns von ihnen lenken zu lassen? Die alte Kultur ist gelenkt von Angst und Misstrauen. Eine neue Kultur muss daher noch einmal ganz neu fragen: Was ist überhaupt Vertrauen? Irgendwann begegnen wir dann auch dem Thema Religion und spüren, dass wir von einem strafenden Gott geprägt sind – auch wenn wir vielleicht Atheisten sind. Unsere Kultur ist geprägt von einer Instanz, die bestimmt, was gut und was böse ist. Sie ist geprägt von der Behauptung, dass Gott im Jenseits und die Erde die Hölle ist. Sie ist geprägt von der jahrtausendelangen Unterdrückung alles Weiblichen.

Zum Liebesbewusstsein erwachen

Was für ein Wahnsinn! Die ganze weibliche Welt wurde dafür verdammt, dass sie eine sexuelle Urkraft besitzt. Wie konnte das geschehen? Wie konnten Sinnlichkeit und das Bewusstsein für die Lebendigkeit dieses Planeten zu etwas Negativem erklärt werden? Wenn ich indigene Stämme besuche, bin ich oft verwundert, was dort an tiefem Wissen existiert. In einem Beratungskreis mit einer Gruppe von Kogis in Kolumbien sagten diese mir beispielsweise ganz selbstverständlich: „Christus, ja den kennen wir auch. Christus war das erwachte Liebesbewusstsein. Christus kannst du in jeder Pflanze treffen. Im Wasser, im Feuer. Du musst nur den Mut haben, dich zu öffnen und zu fragen.“

Was für eine andere, verbundene Welt – wenn ich mir die Einsicht erlaube, dass in aller Materie Bewusstsein ist, mit dem ich in Kontakt treten kann. Wenn ich nicht mehr denke, dass im Zentrum all dessen eine strafende Instanz steht, die sagt, was ich darf und muss, sondern eine liebende Instanz, ein liebendes Steuerorgan, das mich befähigt, die zu werden, die ich im Kern schon bin. Das ist für mich der grundlegenden Systemwechsel. Er offenbart sich, indem wir nach und nach erkennen, dass es nur eine Sonne gibt, nur einen Mond, nur eine Erde, nur ein Wasser, nur eine Menschheit. Und durch die Beobachtung all dessen, was uns noch daran hindert, das zu leben, komme ich zu dem Schluss, dass eine der tiefsten Wunden der Menschheit darin besteht, dass wir verlernt haben, die natürliche universelle Gemeinschaftsform zu erkennen und ihr zu folgen. Als wir damals das Projekt ZEGG gegründet haben, hatten wir den Ausruf „Nur Stämme werden überleben“.

Damals dachten wir, es braucht nur noch ein paar Jahre. Heute würde ich sagen: Wenn wir sieben Generationen vorausdenken – und auch an sie denken im Sinne von Mitgefühl bezüglich dessen, was sie bewegen müssen – dann gibt es eine Chance, dass dieser Planet Erde überlebt.

Das Heilige verteidigen

Ich habe eine sehr große Hoffnung dass es eine Weltbewegung geben wird, die sich wieder daran erinnert, wie tief das Leben selbst heilig ist. Und die in diesem Sinn sagt: „Wir lassen es nicht mehr zu, dass die Erde, die als Paradies gedacht ist, zerstört wird. Wir wissen, dass wir in diesem Sinn Gemeinschaft als Überlebenswissen wiederentdecken werden.“ Platon hat den Satz geprägt: Alles Wissen ist Erinnerung. Für mich war es ein entscheidendes Erlebnis, als ich in Portugal einen Steinkreis besucht habe, der etwa 5000 Jahre vor Christus gebaut wurde. Hier wurde ich das erste Mal ganz tief berührt von einer Gemeinschaftsvision, die mir zeigte, wie das Leben gemeint ist. Ich kenne nicht nur die Verletzung. Ich kenne auch das heile Bild. Und es lebt in mir. Haben wir eine Vision davon, wie wir uns mit Gemeinschaften weltweit so vernetzen, dass dieser Heilungsgedanke wirklich wird, dass Vertrauen stärker wird als Angst und wir wissen, dass das Ziel, die Erde zu heilen, in uns immanent vorhanden ist?

Wenn jeder sagt „Ich bin die Kraft der Liebe, die sich durch mich offenbart, weil ich sie durch mich wirken lasse!“ – was für ein anderes Lebensgefühl von Akzeptanz, von „Ich erkenne den Christus in dir“ hätten wir! Wie anders würden wir leben! Nach meiner Wahrnehmung entfaltet sich gerade eine solche Bewegung. Wir können einerseits auf unseren Schock schauen, der entsteht, weil immer mehr tyrannische Kräfte die Oberhand gewinnen. Andererseits merken wir, dass immer mehr Menschen aufstehen und sagen: Es genügt, wir machen nicht mehr mit. Vor zwei Jahren sind etwa 400 Lakota aus Standing Rock aufgestanden und sagten: „Die Pipeline wird nicht über unserem Gelände gebaut. Damit verletzt ihr eine heilige Kraft.“ Sie haben Gebetsfeuer entzündet und die Camps wurden immer größer.

Sie sind gewachsen und gewachsen, zuletzt bis auf etwa 20.000 Menschen. Wasserschützer, Ökologen, technologische Forscher, Armee-Veteranen sind zu dem Camp gekommen. Sie entschuldigten sich bei den Indianern: Wir haben falschen Befehlen gehorcht. Auch wenn letztlich die Armee noch stärker war und die Camps räumte: Es gibt eine Kraft, mit der sich der Lebenswille erhebt. Da steht eine Liebe auf für den Planeten Erde. Für sie sind wir hier angetreten. Und wir wollen nicht mehr irgendwelche Kräfte bekämpfen, sondern wir suchen diese Kraft, die höher ist als alle Gewalt.

Transkription des Vortrages: Lydia Poppe, Bearbeitung: Leila Dregger

Für eine Versöhnung der Geschlechter

Vielleicht war das Chaos rund um die Geschlechterfrage nie größer. Inmitten aufgeheizter Diskussionen und gegenseitiger Beschuldigungen erscheint nun ein Buch, das tiefer schürft. Erotische Liebe, heißt es darin, ist keine Privatsache, sondern ein Menschheitsthema. Das, was die Religionen und Herrschaftssysteme für schmutzig erklärt hatten – die Lust – ist in Wirklichkeit eine elementare Urkraft, die gemeinsam geehrt und gepflegt werden will. Mann und Frau haben heute die Chance, in eine Kultur der Partnerschaft einzutreten. Der Schlüssel dafür ist die Erkenntnis, wer wir als Mann und Frau wirklich sind. Dieter Duhm: „Wenn ein Mann und eine Frau sich wirklich erkennen, geschieht in ihnen ein absolutes Wunder, das Wunder der Liebe und der Intimität zwischen zwei polaren Hälften des Menschen, die seit Jahrtausenden zusammenkommen wollen und sich bislang meistens verfehlt haben.“ Sabine Lichtenfels: „Aus der Liebe kommt eine Macht, die höher ist als alle Gewalt. Aber die meisten Menschen verwechseln Liebe mit dem Gedanken, jemanden besitzen zu wollen, denn wir sind tief trainiert im kapitalistischen System – mein Land, mein Auto, meine Frau. Die Liebe in ihrer wirklich eigenen Funktionslogik zu entdecken, das ist eine Revolution.“ Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm sind seit über vierzig Jahren ein Paar der freien Liebe und Partner im Aufbau eines Friedensprojektes. Sie erkannten, dass ihre Partnerschaft mehr war als privates Glück, sondern eine Aufgabe. So legten sie Beziehungskonflikte offen, die jedes Paar kennt, die aber normalerweise verdrängt werden. Das fand oft deutlich außerhalb der Komfortzone statt. Aber der Gewinn war enorm. Es entstand eine Treue, die sich nicht durch den Ausschluss anderer definiert, sondern durch gemeinsame Anteilnahme an der Welt. Dieses Buch ist kein Ratgeber, aber ein Bewusstseinsveränderer. Wer es liest, versteht Stück für Stück auch im eigenen Leben: Der tiefste Systemwechsel ist die Liebe.

Sabine Lichtenfels und Dieter Duhm: „Und sie erkannten sich. Das Ende der sexuellen Gewalt“, Oktober 2018, Verlag Meiga Die Vorstellung des Buches in Deutschland findet am 7. November um 18 Uhr in Berlin-Mitte, Palais am Festunggraben, Lichtsaal, (Zugang über Maxim Gorki Theater) statt. Sabine Lichtenfels und ein Team von Tamera werden anwesend sein und Fragen beantworten. Anschließend haben die Gäste Gelegenheit, das Stück „Yes, but no“ im Gorki-Theater zu besuchen. Weitere Informationen zum Buch und Tourneetermine in Deutschland bei: www.verlag-meiga.org.

Transkript: Lydia Poppe

4 Responses

  1. Ingrid Huhn
    "Liebe machen"

    Danke Karina für deine liebenden, kompromisslosen Hinweise und Aufklärung zum Thema Sexualität, du Oswald Kolle der Spiri -Szene.
    Liebe, angefacht, befeuert durch Triebe, sind letztendlich Hiebe.
    Freie Liebe IST, wenn ich frei bin vom ich. Sie findet nicht im Körper statt, was für eine Begrenzung. Stirbt also die Liebe auch mit dem körperlichen Tod?
    Das ist doch wohl nicht zu glauben, da falle ich lieber vom Glauben ab.
    Wo bleibt denn da die Ganzheitlich-und Nachhaltigkeit !?

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  2. Karin Karina Gerlach
    Freie Liebe, ist das wahr? Über die Ohnmacht des Liebesmangels

    Ich war da – in Tamera. Selbst verwirrt über das, worum es im Sex geht, hab ich am Bett-hüpfen teilgenommen. Die sexuelle Lust/Gier ist eine starke Macht, der auch ich ausgeliefert war. Sie dient der Erhaltung der Menschheit. Doch Sex hat noch nie Liebe gemacht. Auch dann nicht, wenn der körperliche Akt spiritualisiert und der Eros verherrlicht wird. Nur Gemeinschaften werden überleben? Wenn Menschen Angst haben, etwas nicht zu bekommen, was sie glauben zu brauchen, kommen sie zum Rudel zusammen. Gemeinsam werden wir es schaffen. Wir nennen es Partnerschaft, Familie oder eben Gemeinschaft. Hier fühlt man sich sicher. Doch die Angst bleibt. Was in der Gemeinschaft Tamera abgesichert wird, ist das freie Ausleben der Sexualität und die Welt vor der Zerstörung zu retten. Auch ich dachte, ich bin ein sexuelles Wesen, das ein anderes sexuelles Wesen braucht, um sich in der Liebe zu erfahren und mein Hobby ist die Permakultur. Als ich jedoch das Rezept für das Erwachen der inneren Liebe, was die universelle Spiegelung ist, anwendete, wendet sich bei mir alles. Durch Liebe selbst hat sich die sexuelle Lust aufgelöst. Anstelle des körperlichen Triebes bin ich nun durch Liebe bewegt. Hier und nur hier ist etwas möglich, worauf Barry Long hinweist: „Sexuelle Liebe auf göttliche Weise“…
    Sabine spricht von der Funktionslogik der Liebe. Doch gemeint ist die Funktions-Logik der sexuellen Begierde, das Missverständnis „Eros“. Körperliche Liebe ist körperliche Begierde. Eifersucht (=Besitzanspruch) ist hier längst nicht abgeschafft. Hier ist und bleibt es gewalt-tätig. Mit Liebe hat das nichts zu tun. Doch das ist mir erst nach dem Erwachen der Liebe klar geworden. Die Legalisierung der freien Sexualität befreit den einzelnen nicht von seiner gewalt-tätigen Haft an seiner sexuellen Orientierung. Das Grundbedürfnis nach Sexualität oder Eros ist nicht als menschlicher Grundglaubenssatz erkannt, der als solcher nicht überprüft ist. In diesem Fall ist die Gewalt legalisiert, was sich in der äußeren Welt widerspiegelt.
    Und ja, lieber Dieter, sich im anderen zu erkennen ist Liebe. Doch das hat nichts mit einem bestimmten Mann und einer bestimmten Frau zu tun. Sich im Spiegel der Welt zu erkennen, ist das höchste Gesetz, das Liebe ist. Es ist Gott-Bewusstsein. Das transzendiert die Körperidentität und damit die ein-gebildete Angst-besetzte Vorstellung getrennt zu sein, was uns gewalt-tätig und süchtig nach Beziehungen macht, auch nach denen, die über eine normale Partnerschaft hinausgehen. Wach im Liebesbewusstsein bin ich nicht mehr sexualisiert. Ich bin frei. Das ist das Ende der Gewalt, wofür jeder einzelne verantwortlich ist. Eine Gemeinschaft kann das nicht erbringen. Sie ist eine Falle.
    Beziehungen sind die Folge des unbewussten Sünden-Falls „Ich“ . Es ist der Scham besetzte Fall des Glaubens körperlich und damit getrennt zu sein. Ja. Es ist die Welt. Und in der Welt gibt es keinen dauerhaften Frieden und der Körper kann nie wirklich befriedigt sein. Er will als das menschliche Geschlecht überleben. Das ist fortgesetzte kriegerische Selbstzerstörung gegen die eigene, wahre göttliche Natur, die Liebe oder Einssein ist.
    Eros als der Wunsch nach Leben und Liebe ist stets gewaltig aktiv, wenn die Liebe in sich selbst nicht bewusst ist. Es ist die Umkehr nach innen, wo sie sich offenbart. Liebe ist Selbst-Offenbarung im Wahrheits-Bewusstsein. Man kann sie weder geben noch bekommen.
    Auch wenn ich von außen betrachtet als Frau erscheine, bin ich kein sexuelles Wesen. Ich bin nichts als die Verkörperung (=Ausdruck) des Wesens, das Liebe ist, sagt Karina

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    • Silvia María Utiger
      Die vier Stufen der Liebe

      Die vier Stufen der Liebe, wie es mein Meister erklärte, in Kurzfassung:
      Erste Stufe: körperliche Anziehung, Sex
      Zweite Stufe: gegenseitiges Verstehen, Über den Austausch, vor allem mit dem Verstand
      Dritte Stufe: sich als Seelen begegnen und erkennen
      Vierte Stufe: das Göttliche in sich und im andern sehen und erkennen.
      In Liebe Switi

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