Das Leben ist dazu da, uns immer wieder auf den Tod vorzubereiten. Darum leben wir. Wer noch zu Lebzeiten zu sterben lernt, kommt wirklich zu sich und verwirklicht damit, was es mit dem wahren Vertrauen ins Leben auf sich hat. Wenn da niemand mehr ist, der weiterhin an einem Bild von sich festhalten muss, bricht der Horizont auf – und erlöst uns von einem viel zu klein gedachten „Ich“.

von Daniel Herbst

Es gibt nichts außerhalb von uns selbst zu entdecken. Wir leben als Zeugen des Wunders, das sich vor und hinter unseren Augen ereignet. Das können wir aber erst erkennen, wenn wir uns auf eine Weise (er)leben, die weit über unseren bisher bekannten Horizont hinausreicht. Hinterm Horizont meiner Vorstellungen erwarte ich mich in befreiter Form – das ist die Entdeckung, die in die Verwirklichung drängt! Alles, was von uns im „äußeren Raum“ entdeckt werden kann, ist schon vorhanden: Amerika, die Tiefen der Ozeane und die Galaxien, die Milliarden von Lichtjahren entfernt vor sich hindriften. Ebenso alles, was sich uns von innen her zeigen will: Die Schönheit. Die Liebe. Der Schmerz. Jedes Gefühl, jeder Gedanke und jede Begebenheit sind schon da. Vieles davon kann sich uns aber erst zeigen, wenn es in uns so still geworden ist, dass wir uns ganz auf dieses Leben und seine Geheimnisse einlassen können. Wenn wir bereit sind, gibt sich das Wunder von selbst zu erkennen. Dann kommt es zu uns wie eine Katze auf samtenen Pfoten.

Es erfordert Mut, lebendig zu sein!

Wie sieht diese Art von Leben aus? Der Horizont bricht auf. Die Grenze zwischen Bekanntem und Unbekanntem hört auf zu existieren. Da ist niemand mehr, der sich auf seinen Standpunkt, auf das von ihm Beherrsch- und Berechenbare zurückziehen will. Da ist niemand mehr, der auf seiner Geschichte besteht und zwanghaft an ihr festzuhalten versucht. Ja, es erfordert durchaus Mut, lebendig zu sein! Doch das Geschenk, in diesem Bewusstsein zu leben, ist unglaublich. Wenn wir nichts mehr vorwegnehmen und nicht mehr an unserer Geschichte weiterspinnen, wird das Leben zu einer echten Entdeckungsreise. Dann ist das Leben selbst die eine und einzige Entdeckung, die in die Verwirklichung drängt. Und damit endet die Bevormundung durch uns fremde, nicht durchschaute Einflüsterungen aus der Vergangenheit. Dann erleben wir das Leben, wie es nie zuvor gelebt worden ist, und müssen es nicht mehr zwanghaft wiederholen. Und das selbst dann, wenn sich konditionierte Gedankenmuster zeigen. Jetzt erkennen wir sie immer klarer, immer öfter, immer direkter …

Bist du ein göttlicher Gedanke, der an sein Ende kommen will …?

Im Gegensatz dazu stehe ich als Person – ich, so wie ich mich „kenne“. Immer wieder ich, endlos – wie bisher. Das Höchstmaß an Strafe! Wir haben „gelernt“, an einer Idee von uns festzuhalten. Uns ist beigebracht worden, uns zu erklären. Daher halten wir es immer noch für „normal“, über uns und andere zu richten. für „normal“, über uns und andere zu richten. Auf diese Weise ist es „gelungen“, uns ein Bild von uns selbst und der Welt zu machen, das dem allgemeinen Konsens entspricht. Statt uns selbst kennen zu lernen, sind wir „gesellschaftsfähig“ geworden. Statt uns dem echten Leben in einer individuellen Form zu öffnen, haben wir Strategien erlernt, die uns dabei helfen sollen, uns selbst zu beherrschen. Was uns nicht gelingt und niemals gelingen wird! Und das ist eine sehr gute Nachricht und eine unglaubliche Erleichterung! Weil sie zu einer energetischen Zentrierung und damit zu einer Verinnerlichung führt, die von selbst in den Ausdruck findet. Diese Form des Selbstausdrucks entspricht dem Duft einer Blume. Es ist der Duft der Übereinstimmung mit sich selbst.

Wir versuchen uns an Bildern zu orientieren

Ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein, versuchen wir auch heute noch, uns an allgemeingültigen Bildern zu orientieren. An Bildern, die sich in begreifbare und akzeptable Worte fassen lassen. Auf dieser Ebene können wir uns anderen erklären und andere verstehen. Dabei wohnt in uns immer die heimliche Angst, nicht akzeptabel, schlimmer noch, überhaupt nicht verstehbar zu sein. Eines steht immerhin zweifelsfrei fest: Wir sind hier. Als wer oder was und warum – davon wissen wir nichts. Natürlich können wir weiter fantasieren, mutmaßen und uns gegenseitig die abenteuerlichsten Geschichten erzählen – zum Beispiel darüber, wer wir schon waren und wer wir noch sein werden. Wir können unsere Visionen zum Besten geben und in leuchtenden Farben über unser „höheres Selbst“ sprechen. Auf diese Weise weichen wir uns allerdings weiterhin aus und vermeiden, unmittelbar mit uns selbst in Berührung zu kommen. Wir flüchten in Spekulationen und verschieben auf später, was nur jetzt entdeckt und erkannt werden kann. Wir verplempern unser Leben für Nebensächlichkeiten und führen uns selbst an der Nase herum. Und das alles nur, um weitermachen zu können wie bisher. Sich nicht auf den Grund zu schauen, ist Teil des Gesellschaftsspiels! Es hält uns beschäftigt und lenkt uns vom Wesentlichen ab. Von uns, als weiter, lichter Möglichkeit …

Von hier aus direkt hierher

Von hier aus schauen wir noch mal: Wir wissen nicht, wer wir sind, und wir können es nicht wissen. Haben wir vielleicht nur deshalb Angst, uns dem wirklich Bedeutsamen zuzuwenden? Wenn wir an uns als Oberfläche kleben bleiben, werden wir weiterhin über das Leben spekulieren und so tun, als hätte es nicht wirklich etwas mit uns zu tun. Dann bleiben wir dem Schöpfungsprinzip gegenüber blind und gehen an der großen Möglichkeit vorbei, es in uns zu erleben und nachzuvollziehen. Dabei spricht das Leben durch alles zu sich selbst. Durch die Zweige, in denen der Wind spielt, durch den Stein, der schwer und selbstvergessen am Wegesrand liegt, durch das weinende Kind, das sich am Stein gestoßen hat, durch die flinke Maus, die der Katze entkommt, durch den Schmetterling, der durch die Wildrosenhecke tanzt. Durch alles, was ist, spricht es unmittelbar mit sich selbst – als Berührung. Und damit berührt es auch uns. Alles ist unmittelbare Empfindung. Wer das „für sich“ entdeckt, ist nah genug dran, um sich als Wunder des Lebens selbst zu empfangen!

Transformation als wahrer Selbstempfang

Dem Universum kann nichts genommen und nichts hinzugefügt werden. Es ist nur ständig dabei, sich von einer anderen, bisher unbekannten Seite zu zeigen. Damit befindet es sich in einem niemals zu Ende gehenden Transformationsprozess. Du und ich – wir sind keine isolierten Teile in einem fremden und sinnlosen Universum, sondern seine integralen „Bestandteile“. Und doch haben wir das Gefühl, eigenständig und voneinander getrennt zu sein. Das drückt sich durch die Überzeugung aus, als „Ich“ etwas anderes als „du“ zu sein. Was wir zunächst nicht erkennen, ist, dass jedes gedachte oder gefühlte „Du“ uns nur glauben lässt, dass wir es mit „einem anderen“ zu tun haben. Dabei ist innerlich alles „ich“. Ein „Du“ gibt es nur in der nach außen geschauten (projizierten) Form. „Ich“ (be)finde mich hier – überall. Ich findet sich in Milliarden von Ausformungen wieder und schaut durch alle Augen. Also auch durch meine. Das „Ich-Gefühl“ entspringt ganz unmittelbar dem Sein-an-sich. Und nur das Sein ist. Es lässt alles anwesend sein. Das identifizierte Ich-Gefühl „der Person“ verleiht dem Körper, seiner Perspektive und den damit einhergehenden Erfahrungen eine bestimmte Wirklichkeit – und ist auf diese Wirklichkeit beschränkt. Dabei liegt jeder Person dasselbe „Ich“ zugrunde – der Identitätsgeber, das „Ur-ich“ – Gott. Statt uns zu zwingen, ihn anzuerkennen, liebt Gott sich als Existenz. Und diese Liebe zur Existenz will sich durch uns verwirklichen. Deshalb kann die Existenz nicht davon lassen, sich in Form jedes Wesens in den Raum zu stellen.

Gott will sich durch deine Augen selbst anschauen

Vielleicht lässt sich so darauf hinweisen: Gott will sich als Existenz selbst anschauen. Das in uns, was Gott zu erkennen sucht, kann darum nicht sterben. Das Leben ist eine einzige Gottsuche. Es ist die Suche nach mir selbst. Wo sie unbewusst verläuft, begeben wir uns auf die Suche nach Glück. Statt den direkten Weg zu wählen, suchen wir nach dem Traumpartner, nach Anerkennung, nach Wohlstand… Dabei läuft uns die Zeit davon. Auf dem direkten Weg hören wir auf, uns selbst etwas vorzumachen, und erkennen, dass uns unsere Träume davon abgehalten haben, den höchsten Sinn des Lebens zu entdecken – der im Leben selbst liegt! Das Leben durchströmt sich als ewiger Wandel, der sich dabei immer wieder neu entdeckt. Es hat uns in der Hand, weil wir nichts anderes sind.

Gott

Hören wir auf damit, uns selbst
zu entmächtigen.
Nennen wir das Kind beim Namen:
Wir meinen uns mit Gott.
Uns, in erlöster Form.
Wir meinen das Unvorstellbare …
Durch unsere viel zu kleine Gottesidee
trennen wir uns von allen
Erlösungsaspekten,
die wir von Anfang an in uns tragen.
Wir haben es selbst in der Hand,
wie wir die Gottesidee verstehen.
Abgespalten stellt sich die Gottesidee
wie etwas Unerreichbares dar.
Anderenfalls entfaltet sie sich und
verwirklicht sich als dieses Leben.

Seminar mit Daniel Herbst:
„Liebe, Intelligenz und Transformation“ am 8.-10. März 2019
Kosten: 210 €
Ort: Care & Share Berlin
Infos und Anmeldung über
www.daniel-herbst.de

Author: Oliver Bartsch

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*