Seit einigen Jahren werden Begriffe wie „Orte der Kraft“ oder „Orte des Lichtes“ immer populärer. Dabei handelt es sich um Orte, die eine besondere „Ausstrahlung“ haben. Eine Ausstrahlung, die dem darauf Weilenden tiefe Ruhe, heilende Kräfte, aufbauende Energien, Kontakt mit dem Göttlichen, dem Überirdischen oder der Erde selbst vermitteln kann. Was ist diese Ausstrahlung und woher kommt sie?

Von David Luczyn

Druiden und Schamanen kannten das Geheimnis von Kraftorten und nutzten es – zum Beispiel für Visionssuchen, Einweihungen und Rituale. Auch die Missionare der Christen wussten anscheinend Bescheid, denn so sehr sie sich auch bemühten, alles Heidnische auszumerzen, hinderte es sie doch nicht daran, das von ihnen verfemte Wissen für eigene Zwecke einzusetzen. Das beweist die Tatsache, dass viele alte Kirchen nicht nur demonstrativ auf alten Kultplätzen errichtet wurden, sondern – wie radiästhetische Messungen zeigen –, sehr bewusst an das vorhandene Erdenergienetz angepasst wurden.

Viele alte Kirchen und Dome, insbesondere die romanischen, sind von eingeweihten Meistern errichtet worden und gelten heute Insidern als wahre energetische Kleinode, die ideal zur Meditation geeignet sind. Das Wissen, mit dem man die geistige, seelische und energetische Qualität solcher Orte erfassen kann und Landschaft und Gebäude danach ausrichtet, nennt man Geomantie. Im Gegensatz zur Geologie als der wissenschaftlichen Lehre von der Erde und ihren mechanisch nachvollziehbaren Gegebenheiten beschreibt die Geomantie, eine alte esoterische Wissenschaft, die subtilen Energien und Kraftströme der Erde. Mit welchen Methoden die Eingeweihten aller Kulturen diese Kräfte erkannten und wahrnahmen, ob intuitiv, medial oder durch Naturbeobachtungen, durch sensitive Strahlenfühligkeit oder mit mechanischen Mitteln, ist heute nur teilweise bekannt.

Aber historische Bauten in aller Welt, insbesondere alle Pyramiden, alte Tempel, Menhire (längliche, aufrecht stehende Steine = Hinkelsteine) und Kultstätten zeigen, dass dieses Wissen weit verbreitet war. In China und mittlerweile auch im Westen heißt die Wissenschaft der Landschaft Feng Shui. Deren Kraftströme heißen „Drachenadern“ und werden als die Lebensströme der Erde geehrt und geachtet.

Die Erde – ein lebendiges Wesen

Selbst im kapitalistisch-weltlich orientierten Hongkong wird dieses Wissen berücksichtigt – zum Beispiel beim Neubau von Banken, Hotels etc. Dem Geomanten (oder in Asien dem Feng-Shui-Meister) fällt dabei die Aufgabe zu, die Wechselbeziehung zwischen irdischen Energiemustern und kosmischen Einstrahlungen in der Landschaftsgestaltung deutlich werden zu lassen und harmonisch zur Geltung zu bringen.

In seiner Berufsqualifikation verbindet sich die Kenntnis zahlreicher Wissenschaften, wie zum Beispiel Astronomie, Astrologie, Geometrie, Landvermessung, Zahlen- und Proportionslehre mit dem direkten Einfühlungsvermögen von Wünschelrutengängern für die Strömungen der Erdenergien. Das geomantische Weltbild sieht die Erde (Gaia) als lebendiges Wesen, durch- und überzogen mit einem feinen Netz von Energielinien – den Nervenbahnen und Meridianen des menschlichen Körpers gleich –, das die Erde teils sichtbar, teils unsichtbar umhüllt und durchzieht. Sicht- und nachweisbar wie unsere Nerven sind beispielsweise Erz- und Wasseradern und geologische Verwerfungen.

Nicht mit grobstofflichen Mitteln nachweisbar sind dagegen die feinstofflichen Meridiane der Erde. Nichtsdestoweniger sind sie messbar und in ihren Auswirkungen unübersehbar. Das Mittel, um sie wahrzunehmen, ist die Radiästhesie. Sie hat im globalen Maßstab das Vorhandensein von Energieströmen aufgezeigt, die den Menschen direkt oder indirekt beeinflussen, im positiven (aufbauenden) oder im negativen (schwächenden) Sinne. Während sich die Geomantie mehr mit den aufbauenden Erdströmen befasst, waren und sind das Arbeitsfeld der Radiästhesie eher die geopathogenen Felder, die Reizzonen, die auch Krankheiten verursachen können.

Beide Richtungen arbeiten jedoch mit gleichen oder ähnlichen Methoden und nähern sich immer mehr an. Viele Radiästhesisten haben dementsprechend auch die Kraftplätze entdeckt, und man sieht sie mittlerweile hier und da mit Pendel und Rute Kirchen und Kultplätze abschreiten.

Kraftlinien im Altarbereich

Einer, der dies ausgiebig und gezielt im Rahmen seiner Doktorarbeit getan hat, ist der Diplom- Ingenieur Jörg Purner. Er hat Hunderte von alten Kirchen, Kapellen und Kraftorten mit der Rute und anderen Instrumenten untersucht und ist zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass keiner dieser Plätze zufällig oder nach rein praktischen Gesichtspunkten angelegt wurde. Allen gemeinsam waren eindeutig feststellbare Kraftlinien mit starken Kreuzungen im Zentrum oder Altarbereich.

Jeder, der einmal unabsichtlich oder auch bewusst dort gestanden hat, weiß oder ahnt, was so ein Platz bewirkt: Man fühlt sich erhoben, aufgeladen, zentriert, wird ruhig und klar oder spürt sogar ein Kribbeln oder Ziehen. Hellsichtige Menschen beobachten auch eine Vergrößerung der Aura. Die älteste Theorie, wonach religiöse Monumente von sogenannten „Wasserzonen“ bestimmt sein könnten, stammt wahrscheinlich von den beiden französischen Archäologen L. Merle und Ch. Diot, die 1933 und 1935 – darüber berichteten. Sie behaupten, alle prähistorischen Begräbnisstätten und einfachen Steinbauten in Frankreich lägen im Bereich unterirdischer Strömungen und die Steinalleen in Carnac seien nach parallel zueinander verlaufenden Untergrundströmen ausgerichtet.

Doch Wasserströme sind nur ein Wirkaspekt von Kraftorten. Geomantie und Radiästhesie unterscheiden darüber hinaus zwischen verschiedenen Zonen, Streifen und Linien, die zumeist in Form von elektromagnetischen Wellen aus dem Erdreich oder dem Kosmos kommen. Die in der Geomantie bekanntesten sind die „Leylines“. Der Begriff Leylines wurde Anfang des Jahrhunderts von dem Engländer Alfred Watkins geprägt. Er fand heraus, dass eine große Zahl von alten Kirchen und Kultplätzen auf einer geraden Linie liegen, wenn man sie auf einer Karte miteinander verbindet. Er war nach eigenen Angaben auch in der Lage, dieses Energiephänomen zu „sehen“.

Auch heute sind wieder einzelne sensitive Menschen fähig, diese feinstofflichen Energien tatsächlich wahrzunehmen und zu beschreiben, zum Beispiel Marko Pogacnik, Hans-Jörg Müller und Peter Dawkins. Durch die Hellsichtigkeit solcher Personen wurde die systematische radiästhetische Erforschung dieser Phänomene erst angeregt und dokumentiert.

Leyline: mit „Lebenskraft“ pulsierender Meridian

Leider wird der Begriff der Leyline oft verwechselt mit geomantischen Zonen oder anderen gerade verlaufenden Energiebahnen. Eine Leyline ist viel mehr. Sie ist ein mit „Lebenskraft“ pulsierender Meridian, der meist geradlinig durch die Landschaft läuft, aber auch abrupt wieder abbrechen kann, zum Beispiel an Betonbauten. Sie wird durch Energien gespeist, die aus dem Kosmos kommen und über „Einstrahlpunkte“ ins irdische Netz eingeleitet werden. Eine Leyline ist ein Lebensstrom, der da, wo er fließt, die Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt nährt und inspiriert, vor allem, wenn seine Energie mit Steinsetzungen transformiert – beispielsweise umgeleitet oder fokussiert wird. Eindrucksvolle Zeugen für menschliche Be – mühungen, den Energiestrom zu verstärken, sind Beispiele aus der Megalithkultur wie der Steinkreis im englischen Avebury oder die Steinreihen im französischen Carnac. Eine solchermaßen zentrierte Leyline wirkt wachstumsfördernd und spendet Lebenskraft innerhalb einer sozialen Gemeinschaft.

In Kirchen oder Kathedralen sind Einstrahlpunkte von Leylines oft im Altarbereich zu finden und haben eine starke spirituelle Wirkung (nach H.-J. Müller). Dort finden wir auch häufig sogenannte „blind springs“, das sind Wasserläufe, die hier enden und nicht an die Oberfläche treten. Man findet sie entweder radiästhetisch mit Pendel, Wünschelrute oder der sogenannten „Lecherantenne“ – oder hellsichtig fühlend bzw. sehend. In seiner „geodätischen Hypothese“ vertritt der Engländer Guy Underwood die Ansicht, dass die einstigen Architekten vom Vorhandensein dieser Muster im Energiefeld der Erde wussten, dass sie diese im Rahmen der religiösen Architektur und dem damit verbundenen Symbolismus für sehr bedeutsam hielten und sie deshalb mit Absicht benutzten.

Die Beziehung zu diesen Linienmustern sei von der Jungsteinzeit bis in die Renaissance beobachtbar. In den „blind springs“ sieht Underwood die esoterischen Zentren der alten Religionen und den eigentlichen Mittelpunkt der Kultstätten. Er weist darauf hin, dass in frühen biblischen Tagen so ein Platz verehrt wurde als ein Ort, „wo sich Gott aufhält“. Der Architekt und Geomant Thurn-Valsassina erklärt es folgendermaßen: „Jeder lebende Organismus und folglich jede Zelle besitzt eine Eigenschwingung. Ein hoch schwingender Ort regt die Zellschwingungen an und führt bei angemessener Vorbereitung des Menschen zur Frequenzerhöhung der Körperzellen.  Frequenzerhöhung wird gewöhnlich als gesteigerte Wachheit und als intensiveres Gefühl der Präsenz erlebt. In der Frequenzerhöhung liegt auch Heilkraft, Inspiration und intuitives Erfassen übergeordneter Zusammenhänge.“

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