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Leitungswasser filtern – ist das überhaupt notwendig? Die Trinkwasserverordnung wacht doch wohl mit Argusaugen über das Berliner Nass. Die Diplom-Ingenieurin Ulrike Sachse erklärt, warum Filter dennoch eine sinnvolle Anschaffung sind, und vergleicht die verschiedenen Systeme.

Wer sich für sauberes Trinkwasser interessiert, hat vielleicht schon einmal Besuch von einem Herrn mit seriösem Anzug bekommen, dessen Firma in einer Anzeige einen kostenlosen Wassertest anbietet. Bei diesem „Test“ (der eigentlich eine einfache Messung der Ionenkonzentration im Wasser ist) wird aus einem sonst klaren Wasser eine unansehnliche Brühe.

Eigentlich hatte man sich ja mit seinem Berliner Leitungswasser ganz wohl gefühlt, abgesehen von etwas zu viel Kalk oder manchmal etwas Rost. Und plötzlich soll das Wasser nur noch mit der tollen Filteranlage dieser Firma (für lockere 1500 Euro) trinkbar sein?

Das Traurige ist, dass der Herr mit dem seriösen Anzug überhaupt keine Ahnung hat, was er eigentlich tut. Er misst den Schmutz, ist seine präziseste Erklärung. In Wirklichkeit produziert er den „Schmutz“, weil die Elektroden seines Messgerätes an das kalkhaltige und damit elektrisch leitfähige Wasser Eisen abgeben und es dadurch verfärben. Das Vergleichs-Wasser aus der Super-Filter-Anlage enthält weder Kalk noch andere Beimengungen, es leitet den Strom nicht, das Wasser bleibt „sauber“. Man sieht: Mit Wasser kann man allerhand machen, aber nicht alles, was überzeugend aussieht, ist wirklich aufschluss-reich und sinnvoll. Was bietet sich also für Berliner an, die die Qualität ihres Trinkwassers verbessern wollen?

 

Das enthält das Berliner Nass

Berliner Leitungswasser wird aus Grundwasser und Uferfiltrat aus einer Tiefe bis zu 140 Metern gewonnen. In den Wasserwerken werden durch einfaches Belüften und Filtern braun färbendes Eisen und Mangan abgetrennt, Chlor muss in der Regel nicht zugesetzt werden, da nur wenig Keime enthalten sind. Die strenge Trinkwasserverordnung mit Ihren vielen Grenzwerten für mögliche Wasserbestandteile wird grundsätzlich gut eingehalten. Problematisch sind komplexe organische Verbindungen wie Rückstände von Arzneimitteln, Pestiziden oder Haushaltschemikalien. Es gibt 10 000 bis 20 000 wichtige organische Chemikalien, die auf verschiedenen Wegen in den Wasserkreislauf gelangen und hier oft nur langsam und unvollständig abgebaut werden. Ihr Verhalten im Wasser, ihre Wechselwirkung mit anderen Stoffen und ihre Wirkung auf Lebewesen sind kaum untersucht. Fakt ist, dass in Oberflächengewässern, im Grundwasser und auch am Wasserhahn immer wieder Stoffe „entdeckt“ werden, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Und Fakt ist auch, dass in Oberflächengewässern, wo diese Konzentrationen am höchsten sind, alarmierende Veränderungen bei Tieren, die im oder vom Wasser leben, beobachtet werden. Besonders auffällig ist eine Tendenz zur Verweiblichung und eine Zunahme von Zwittern. Total verkalkt?

Ein wichtiger Bestandteil des Berliner Wassers ist Kalk, der das Wasser hart macht. Kalk ist ein technisches und für Teefeinschmecker ein geschmackliches Problem. Aus gesundheitlicher Sicht muss Kalk nicht entfernt werden. Auf dem Weg vom Wasserwerk zum Verbraucher verändert sich die Zusammensetzung des Wassers nicht weiter, allerdings können Schwermetalle wie Eisen sowie gesundheitsschädigendes Blei und Kupfer aus entsprechenden metallischen Leitungen im Wasser gelöst werden.

 

Wenn filtern, dann richtig

Wasserfilter

Eine sinnvolle Wasseraufbereitungsanlage beim Endverbraucher sollte also auf jeden Fall organische Chemikalien und Schwermetalle und eventuell Kalk entfernen. Natürlich sollen möglichst keine Stoffe im Wasser angereichert werden. Besonders ist zu beachten, ob sich im Filter Keime ansiedeln können, was zu einer Be- oder Überlastung des Immunsystems des Wassertrinkers führen würde. Die Übersicht unten stellt die gängigsten Haushaltsfilter gegenüber.

(Die eingangs erwähnte Super-Filter-Anlage ist übrigens eine Umkehrosmoseanlage, die inzwischen von anderen Anbietern um 300 Euro zu haben ist.)

 

 


 

Bild oben links – Aktivkohlefilter: die günstige Alternative
Bild oben rechts – Umkehr-Osmose: Fast 100% reines Wasser

 


 

Filterbezeichnung

Kannenfilter

Aktivkohleblockfilter

Umkehrosmoseanlage

Prinzip

Aktivkohlegranulat und Ionenaustauscher

Aktivkohlemonoblock, fest installiert, 1:1 Durchfluss

mehrstufiges Filtersystem, geringer Durchsatz, daher in der Regel mit Tank, fest installiert, hoher Wasserverlust

Reinigung von Organ. Chemikalien

größtenteils

99% durch mind. einen Hersteller nachgewiesen

vollständig

Reinigung von Schwermetallen

nicht

90% durch mind. einen Hersteller nachgewiesen

vollständig

Reinigung von Kalk

vollständig

teilweise

vollständig

Anreicherung von Keimen

möglich

nicht bei sachgemäßer Anwendung

nicht bei sachgemäßer Anwendung

Sonstige Veränderung

PH-Wert Absenkung: das Wasser wird sauer, oft Anreicherung mit Silber

keine

pH-Wert Absenkung: das Wasser wird sauer

Bewertung

Hoher Aufwand für geringen Nutzen

Geringstmöglicher Eingriff in das Wasser für optimalen Nutzen, gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis

starker Eingriff in das Wasser, es ähnelt destilliertem Wasser, gutes Aufwand-Nutzen-Verhältnis

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Über den Autor

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Ulrike Sachse ist Diplom-Ingenieurin für Verfahrenstechnik und hat nach einigen „Lehrjahren“ im Mobilen Wasserlabor der Grünen Liga Berlin e.V. im Januar 2002 das Wasserkontor gegründet. Besucher können hier Wasserproben analysieren lassen und finden u.a. verschiedene Filter und Vitalisierer zum Angucken, Ausprobieren und Kaufen. Es gibt auch Fachbücher zum Nachschlagen und selbstverständlich Information und Beratung.

2 Responses

  1. friedrich

    Danke für diese Übersicht.

    Seit etwa 4 Jahren halten Ionenaustauscher nicht mehr ihre Kapazität.
    Osmoseanlagen verblocken nachgeschaltete EDI Anlagen binnen Jahresfrist und nachgeschaltete Reinstwasseranlagen benötigen Ultrafiltrationsmembranen um die geforderte Leistung zu erziehlen.

    Die Ausbeute von EDI Systemen mit der Anforderung TOC kleiner 0,1mg/l und Leitwert kleiner 0,1µS sinkt gleichzeitig von 75% auf ca. 40%.

    Die Kontaminanten sind nicht anorganischer Natur, da wir diese überwachen.

    Da Osmosemembranen nach Molekülgröße „sortieren“, kann es sich deshalb nur um Stoffe Handeln, die sich nicht an diese Regeln halten.

    Sind es Waschaktive Substanzen, quaternäre Ammoniumverbindungen oder Biofoulingprodukte der elektrolytischen Reinigungssysteme(Bioseifen?).

    Gerade in Altbaugebieten stellt sich diese Problem im Laufe der letzten immer stärker.

    Marode Leitungssysteme versärken das Problem (Leitungsspülung durch die Wasserbetriebe mindestens monatlich).

    Wie sich das auf häusliche Wasseraufbereitungsanlagen auswirkt sei dahingestellt.

    Eine Gesundheitsgefahr kann ich da nicht ausmachen, die Kosten werden jedoch steigen.

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