Im Kreis der Männer kann die Vater-Wunde heilen…

von Sharon Thomas Gärtner

Wenn wir heute unser männliches Herz öffnen und uns erlauben, aufrichtig, verletzlich, weich und berührbar zu sein, durchbrechen wir eine jahrhundertealte Kette des Leids. Was zumeist als „männlich“ abgelehnt wird, wie Gewaltbereitschaft, Gefühllosigkeit, Bindungsschwäche, sind keine Merkmale von Männlichkeit, sondern Ausdruck von Verletzungen. Deswegen muss jeder Mann zum einen seine destruktiven Muster konfrontieren: die narzisstische Einsamkeit des Einzelkämpfers, das verschlossene Herz, die entfremdete Sexualität, die Trennung von Lieben und Begehren, der Rückzug von der Frau, wenn Mutterschaft da ist, unser Gewaltpotenzial, unseren Flirt mit Süchten aller Art.

Jeder Mann muss sich zum anderen ebenso seinen eigenen Wunden zuwenden: dazu gehören die kollektiven Verletzungen durch eine jahrtausendealte patriarchale Kriegskultur, auch die zum Teil feindselige Abwertung des Männlichen im gesellschaftlichen Diskurs der vergangenen fünfzig Jahre und Erfahrungen emotionaler Übergriffigkeit von Frauen. Vor allem aber müssen wir Männer innerlich den Weg zum Vater gehen und mit ihm ins Reine kommen, um voll und ganz Ja zu uns selbst und unserem Mann-Sein sagen zu können.

Im Idealfall wachsen Söhne mit einem präsenten und liebevoll fordernden Vater auf und haben Mentoren und eine männliche Gemeinschaft, die sie bewusst ins Mannsein hineinführen. Denn „Männer können nur von Männern initiiert werden. Frauen können aus einem Embryo einen Jungen werden lassen, aber nur Männer können aus einem Jungen einen Mann machen“, sagt Robert Bly im „Eisenhans“. Für viele Männer ist der Vater stattdessen der große Unbekannte geblieben – sie verbinden mit ihm Leere, Bedrohung, Flucht oder Missbrauch. Ein typischer Satz eines vaterlosen Jungen heißt: „Ein Teil von mir sucht Heilung und die Nähe zu dir, während ich mich gleichzeitig an meine Wut klammere.“ Für viele Männer kommt der Punkt, wo sie spüren: „Wenn ich weiter wachsen will, wenn ich in meinen Beziehungen Intimität leben und meinen Kindern ein präsenter Vater sein will, dann steht für mich die Klärung mit meinem Vater an. Diese Klärung ist möglich unabhängig davon, ob der Vater noch lebt oder nicht! Und sie geschieht im Kreis der Männer.

„Vater-Hunger, Vater-Kraft – Kraftvoll MannSein durch Aussöhnung mit dem Vater“: 30.4.-2.5.20, Seminarzentrum Parimal bei Göttingen.

Author: Oliver Bartsch

Über den Autor

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 Jg. 1958, Männer-Coach, Jahrestrainings, Einzelseminare, Einzel- und Paarcoaching, Begleitung von Männergruppen.
Vater zweier Töchter. Lebt in der ZEGG-Gemeinschaft in Bad Belzig. Dort leitet er zusammen mit Kolja Gül­denberg die „ZEGG-Männerzeit“ und arbeitet in einem Netz­werk mit anderen Männer-Trai­nern für seine Vision von der „Liebe zum Mann-Sein“.

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