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Von Shai Tubali

Vor kurzem habe ich auf meiner Facebook- Seite mitgeteilt, dass ich ein neues Buch geschrieben habe, in dem es ausschließlich um das zweite Chakra geht. Einer meiner Freunde reagierte darauf sehr verwundert: “Ehrlich? Ein ganzes Buch für nur ein kleines Chakra?” Das hat mir klar gezeigt, dass mein Konzept der Chakren sich mittlerweile deutlich von der üblichen Wahrnehmung dieses wundersamen Phänomens gelöst hat.

Die Chakren werden in der populären Wahrnehmung als sieben (oder mehr, sagen manche) Energiezentren im menschlichen Körper gesehen. Diese Energiezentren, so lehrt man uns, sind entweder aus emotionalen oder physiologischen Gründen “blockiert” oder offen. Um einen guten Energiefluss zu erreichen, der Gesundheit, Vitalität und spirituelle Entwicklung fördert, soll man danach streben, seine Chakren “offen” zu halten. Öffnung und Heilung seien beispielsweise mit Farben, Symbolen und Tönen möglich. Das ist natürlich nicht falsch. Aber im Vergleich zu dem enormen Potenzial, das in den Chakren schlummert, ist es eine extrem reduzierte Wahrnehmung.

Chakren: Repräsentanten des Lebens

In einem erweiterten Verständnis kann man diese sieben Energiezentren auch als Repräsentanten oder Ausdrucksformen der sieben Ebenen des Lebens und der Existenz sehen: Das Leben als biologische und physische Erfahrung, als sinnlicher Raum für Gefühle und Genuss; als Arena für Erfolg und Gewinn; als emotionaler Raum für Intimität und Nähe; als interaktiver Raum für Ausdruck und Einflussnahme; als Raum intellektueller Forschung und des Lernens und als meditativer Raum der Selbsterkenntnis und reiner Subjektivität. Die Chakren sind dabei sieben Zentren der Wahrnehmung, die wir Menschen haben, damit wir mit diesen sieben Dimensionen des Lebens kommunizieren können. Man könnte sagen, dass es sieben universelle und sieben individuelle Energiezentren gibt.

Wir nutzen die individuellen Chakren, um mit den universellen zu interagieren und in Einklang zu kommen. Wenn wir also alle sieben aktivieren, erleben wir das Leben in seiner Ganzheit, von seiner materiellen Ausdrucksform bis zum ultimativen, spirituellen Kern. Wir verwirklichen uns so ganz und gar als Menschen und haben alle Schlüssel der Schöpfung in den Händen, die wir brauchen, um die sieben Türen aufzuschließen: die Tür zum physischen Selbst ebenso wie die zum sinnlichen, wollenden, emotionalen, ausdrucksvollen, denkenden und meditativen Selbst.

Aus diesem Blickwinkel öffnet sich die eigentliche Welt der Chakren und entfaltet sich für uns: Als sieben “Augen”, durch die wir das volle Spektrum des Lebens sehen können. Die Chakren, so erkennen wir, sind das beste Werkzeug, das der Kosmos uns hätte geben können, um die verschiedenen Aspekte des Lebens ganz zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Wenn wir sie so nutzen, also jede einzelne Ebene nähren, können wir die Komplexität unseres eigenen Selbst annehmen, ohne eine einzige Dimension oder mögliche Erfahrung zu vernachlässigen.

Dies war auch meine Antwort an meinen Freund auf Facebook: In jedem “kleinen” Chakra findet sich eine ganze Dimension des Lebens, deshalb kann man endlos in das Universum eines Chakras reisen und nie zu einem Ende kommen. Jedes Chakra hält in sich einen anderen Raum von Erfahrung, Bedeutung, Sinn und Wahrnehmung, und durch jedes werden wir zu einem anderen Selbst, zu einer anderen Facette des Menschlichen.

Die sieben Lehrer in der „Schule des Lebens“

Um das Leben zu verstehen, sollte man darum die Chakren verstehen. Alles, was wir in diesem Moment erleben, geschieht durch sie. Denn alles, was wir sind, ist eine Komposition unserer Chakren. Ich kann in diesem System sowohl die Geschichte der Welt gespiegelt sehen als auch die psychische Entwicklung des Menschen; ich begreife mit seiner Hilfe das Thema Sexualität und die Ursachen von Schwierigkeiten in persönlichen Beziehungen und Konflikten in der menschlichen Kultur; ich kann die Struktur des menschlichen Geistes verstehen und die verschiedenen Zustände und Erfahrungen, die das menschliche Design ermöglicht. Selbst die vielfältigen Potenziale für Glück und Sinn kann man leicht durch diese scheinbar unschuldigen, vibrierenden energetischen Wirbel erforschen.

Auf der Ebene menschlicher Erfahrungen sind die Chakren wie der Lehrplan der “Schule des Lebens”. Stell dir vor, es gäbe ein Lernprogramm mit sieben Grundkursen. Die Kurse bleiben gleich, aber ihre Inhalte entwickeln sich ständig weiter und gehen mit jedem Lehrjahr tiefer. Zu Beginn jeder dieser sieben Klassen sind die Schüler erst einmal ahnungslos, entwickeln dann aber allmählich grundlegende Fähigkeiten und Kenntnisse. Sie lernen zum Beispiel den Wert langfristiger Verpflichtungen, entwickeln Selbstbewusstsein und Disziplin. (Natürlich kann es auch vorkommen, dass besonders widerspenstige Schüler das gleiche Jahr öfter wiederholen müssen!).

Nachdem die Grundlagen erworben wurden, ist die nächste zu erreichende Stufe eine tiefgehende Meisterschaft auf der mentalen, emotionalen und Verhaltensebene, und schließlich folgt ein spirituelles Erwachen. Manche Lektionen wie das Loslassen falscher Überzeugungen sind theoretischer Art; die meisten lernt man allerdings unter den Bedingungen des realen Lebens, wo man Projekte zum Abschluss bringt und sich schwierigen Prüfungen stellt.

Für jeden Menschen ohne Ausnahme ist es nötig, diese Schule abzuschließen. Man macht dann erfolgreich seinen Abschluss, wenn man alle Lektionen akzeptiert und die Fülle des menschlichen Erlebens ausgeschöpft hat. Dann, und nur dann, kann man die “menschliche Schule” hinter sich lassen – und wer weiß, vielleicht gibt es danach noch weitere kosmische Schulen. Manche nennen das Ziel dieses Lernens “spirituelle Befreiung” oder “Erleuchtung”.

Die Hierarchie der Bedürfnisse laut der Chakren

Ein faszinierender Teil des Lernens, der sich durch alle Klassen zieht, ist ein umfassendes Verständnis für alle menschlichen Bedürfnisse. 1943 hat ein Vertreter der positiven Psychologie, Abraham Maslow, die bekannte “Maslowsche Bedürfnishierarchie” beschrieben. Darin zeigte er in wunderbarer Weise auf, was Menschen auf ihrer Suche im Leben motiviert. Die Menschen, schrieb er, wollen auf ganz grundlegenden Ebenen physiologische Bedürfnisse erfüllen, aber auch Bedürfnisse nach Sicherheit und Zugehörigkeit. Auf den feineren Ebenen streben sie nach Ansehen, Selbstverwirklichung und schließlich Selbsttranszendenz.

Triangle Chakra

Triangle Chakra

Mir gefällt Maslows Pyramide, weil sie zeigt, dass wir Menschen komplexe Wesen sind, die unterschiedliche Zentren der Wahrnehmung und des Erlebens haben. Damit wir wirklich glücklich sein können, muss allen Ebenen entsprochen werden. Es scheint, als habe Maslow intuitiv mit seinem Modell die Welt der Chakren eingefangen.

Maslows Intuition ist wie ein Echo meines breiteren Zugangs zu den Chakren und hat mich dazu gebracht, selbst eine Bedürfnispyramide zu erstellen, die auf dem Wissen über die Chakren basiert. Denn alle unsere Bedürfnisse – körperliche, instinktive, emotionale, mentale und spirituelle – entspringen diesen sieben verschiedenen Schichten unseres Wesens. Eine solche Pyramide kann uns in einer einfachen und starken Weise zeigen, was es heißt, ein ganzer Mensch zu sein: wenn man gleichzeitig mit einem erhabenen spirituellen Wesen und als aktiver, engagierter Mensch lebt und handelt.

Wenn wir unglücklich sind und das Gefühl haben, dass uns etwas im Leben fehlt, liegt das daran, dass manche unserer Bedürfnisse vernachlässigt werden. Um sie zu verstehen, reicht es, einen Blick auf diese Pyramide zu werfen und uns zu fragen, welche Bedürfnisse wir nicht beachtet haben. Achtet man darauf, sich jede Woche um diese Bedürfnisse zu kümmern, kann das eine hocheffektive spirituelle Praxis sein: Indem man die Bedürfnisse erfüllt, bringt man jedes Chakra in die Balance und bekommt so ein gesundes Gefühl innerer Ganzheit.

Bedürfnisse des ersten Chakras: Physische Stabilität.

Festen Boden unter den Füßen zu spüren ist ein echtes menschliches Bedürfnis. Wir können versuchen, das zu ignorieren, und glauben, dass wir über dieses Stadium schon hinaus sind, doch tatsächlich ist das nicht einfach nur eine vorübergehende Phase der Entwicklung, sondern ein essentiell wichtiges Gefühl von innerer und äußerer Sicherheit: Es geht um die Möglichkeit, uns auf feste Strukturen im Leben verlassen zu können.

Die erste Komponente physischer Stabilität ist das Gefühl, sich auf den Körper verlassen zu können. Wir können diesen Weg mit einem schwachen und verstörten Körper gehen, wir können damit sogar spirituell praktizieren, aber es wird viel schwerer sein. Wir brauchen den Körper auf unserer Seite: gesund, gut genährt, flexibel und widerstandsfähig.

Die zweite Komponente ist das Gefühl, dass wir ein Zuhause haben, in das wir zurückkehren können, und zumindest einen größeren Rahmen, in den wir gehören. Das schließt ein Dach über dem Kopf ein, aber in einem weiteren Sinne auch eine Verbindung zu und Identifizierung mit einer “Gruppe”.

Die dritte Komponente ist, sich auf eine Lebensstruktur und einen Lebensstil verlassen zu können: das allgemeine Gefühl, dass es eine gesunde Routine gibt – ein zuverlässiges Einkommen und eine ordentliche Zeitplanung, die dafür sorgt, dass wir alle unsere Bedürfnisse abdecken.

Bedürfnis des zweiten Chakras: Genuss.

Das zweite Chakra hat mit einem authentischen Bedürfnis zu tun, an den Freuden des Lebens teilzuhaben und davon genährt zu werden. Das Leben sollte auch ein Genuss sein, und es ist nichts Heiliges daran, diese Ebene beiseite zu schieben. Unser Körper ist nicht nur eine funktionierende Maschine, sondern will sich wirklich lebendig und glücklich fühlen. Eine gesunde Sexualität ist wichtig, wenngleich sie leicht auch die Form körperlicher Nähe und Wärme annehmen kann. “Gesund” heißt hier, dass man den Körper glücklich und mit Liebe teilt, nicht gierig oder zwanghaft.

Jeder Tag sollte von Momenten der Schönheit und des Genießens durchzogen werden, wenn man sich zum Beispiel an Kunst erfreut oder an der Natur. Wir sind als Menschen nicht dazu bestimmt, eine endlose, ununterbrochene Routine zu leben. Gipfelerfahrungen – intensiv, spannend und abenteuerlich – sollten den Zeitplan des ersten Chakras von Zeit zu Zeit durchbrechen. Und schließlich saugt ein Leben, in dem es keine Kreativität gibt – in dem man also nichts Innovatives mit Leidenschaft und Spannung kreiert – das zweite Chakra schnell aus.

Bedürfnisse des dritten Chakras: Stärke und Zuversicht.

Vielen ist es peinlich zuzugeben, dass sie ein Gefühl von Stärke und Macht brauchen, doch das führt zu nichts außer schmerzhafter Verdrängung. Das dritte Chakra sagt uns, dass wir uns stark und zuversichtlich fühlen sollten, damit wir dem Druck, den Herausforderungen und den Spannungen der gesellschaftlichen Gegebenheiten und persönlichen Beziehungen widerstehen können.

Eine weitere bestärkende Komponente ist das Wissen, dass wir eine Richtung und Ziele haben. Das Gefühl, dass wir mit unseren gesammelten Energien auf dem Weg zu etwas sind, ist ebenfalls wichtig. Sicher geht es nicht darum, dass wir alles im Leben kontrollieren, doch wir brauchen das Gefühl, dass wir das Leben meistern und ihm durch unseren Willen und unsere Entschiedenheit eine Richtung geben können. Wenn wir die Ereignisse in unserem Leben nicht beeinflussen können, ist das dritte Chakra geschwächt.

Bedürfnis des vierten Chakras: emotionale Zugehörigkeit.

Unser Herz will mit anderen in gegenseitiger, vertrauter Kommunikation sein. Unsere emotionale Sehnsucht nach liebevollem Feedback ist also nicht nur eine illusorische Form von Abhängigkeit. Die Erfahrung innigen Austauschs – nicht nur in romantischen Beziehungen! – ist eine tiefe und essentielle Form von Nahrung. Der Mensch muss nicht nur in seinem dritten Chakra fühlen, dass er ein Ziel hat, sein Herz braucht auch das Gefühl, eine Rolle zu spielen und einen sinnvollen Beitrag in der Welt leisten zu können. Der Psychologe Viktor Frankl hat dies in seiner Psychologie der Sinnsuche, der “Logotherapie”, erkannt: Um auf der psychischen Ebene Erfüllung zu finden, muss der Mensch seine existenzielle Bedeutung kennen.

Hinzu kommt das Bedürfnis danach, dass die eigenen Anstrengungen wertgeschätzt werden, man braucht also eine unterstützende und bestätigende Umgebung, die das versteht. Jeder von uns tut sein Bestes, selbst wenn wir von Zeit zu Zeit vom Weg abweichen, und wir brauchen die Anerkennung anderer und unserer selbst, um zu erkennen, dass unsere Bemühungen einen Sinn haben.

Bedürfnis des fünften Chakras: authentischer Selbst-Ausdruck.

Es ist gesund, wenn man sich wünscht, dass die eigene “Stimme” gehört und anerkannt wird. Unsere authentischen Gefühle und Ideen auszusprechen, ist ein Aspekt unserer Teilhabe an der menschlichen Gesellschaft. Wenn wir unsere Stimme er – sticken, unterdrücken wir damit eine unentbehrliche Bewegung des Teilnehmens. Wir müssen dem, woran wir wirklich glauben, eine Stimme geben. Das heißt natürlich nicht, dass uns alle zustimmen und applaudieren müssen, aber es sollte immer Menschen geben, die uns hören.

Es ist nicht nur wichtig, Ideen und Gefühle auszudrücken, sondern auch Visionen zu haben und sie in eine greifbare Realität zu übersetzen. Es ist ungesund, nur in der inneren Welt hängenzubleiben. Sich zu zeigen bedeutet auch, seinen inneren Visionen eine klare Form zu geben. Das kann in Form von Kunst passieren oder als Initiative, die man ins Leben ruft, oder auch in Form neuer Strukturen, die man in seinem und im Leben anderer aufbaut.

Bedürfnis des sechsten Chakras: geistige Klarheit.

Ohne eine tiefe innere Stille kann der menschliche Geist gefährlich ungesunde Zustände erreichen, in denen er hyperaktiv und neurotisch denkt. Meditation ist darum eigentlich keine Empfehlung, sondern ein Bedürfnis, nach dem der menschliche Geist aus den Tiefen des sechsten Chakras schreit. Wir brauchen eine mentale Ordnung und Klarheit, weil in unserem Körper-Geist-System nichts richtig funktioniert, wenn wir geistig vernebelt und chaotisch sind. Sehr wichtig ist es daher, wirklich jede verfügbare Methode zu nutzen – von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln bis hin zur kognitiven Selbsteinsicht –, die den inneren Frieden und das Gefühl, dass alles seinen Platz hat, fördert.

Dafür ist auch eine grundlegende mentale Nahrung nötig: Unterstützung durch geistige Größen, durch Bücher und Lehren, die uns helfen, mit den Spitzen unserer eigenen Intelligenz in Kontakt zu kommen und uns geistig etwas zuzutrauen.

Bedürfnis des siebten Chakras: spirituelle Einheit.

Zu guter Letzt, aber keinesfalls am wenigsten wichtig, steht hier unser höchstes spirituelles Bedürfnis. Als Menschen verkörpern wir sowohl das Göttliche als auch das Menschliche. Und so werden wir auf der seelischen Ebene immer hungrig bleiben, solange wir nicht eins mit der höheren Existenz werden. Es handelt sich hier um die subtilste Form des menschlichen Bedürfnisses nach Zugehörigkeit, diesmal nicht zu einer sozialen Struktur wie im ersten Chakra, sondern zum Universum und sogar zu Gott. Ein inhärenter Teil des menschlichen Daseins ist die Erfahrung der Begrenztheit: Man ist gefangen in einer kleinen Schachtel voller Glaubenssysteme, Konditionierungen und gedanklicher Muster. Ohne das Gefühl, dass man zumindest von Zeit zu Zeit aus dieser Schachtel ausbrechen und grenzenlos sein kann, fühlt man sich leicht innerlich erstickt und elend.

Das letzte Bedürfnis, das unsere siebtes Chakra befriedigen kann, ist das nach einer Verbindung zu dem Teil in uns, der unerschütterlich und unzerstörbar ist. Nur der Geist des Ewigen kann uns das geben: die Erfahrung, dass wir trotz aller körperlichen Zerbrechlichkeit und Abhängigkeit ein Ausdruck des Göttlichen in menschlicher Form sind.

 


Workshop-Reihe „School of Life“ – eine Einladung zu einem Leben in Fülle
mit dem spirituellen Lehrer und Chakrameister Shai Tubali

Wann: Oktober 2016 – Mai 2017: Acht Wochenenden im Chiro-Yoga-Zentrum Berlin oder online

Info & Kontakt unter Tel. 0157-316 817 40 oder noga@chiro-yoga.de
www.chiro-yoga.de

Infos über Shais Arbeit unter www.shaitubali.com

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