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Interview mit Laura Schindler von der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, GLS, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

 

SEIN: Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, kurz GLS, steht seit mehr als 30 Jahren für den verantwortungsbewussten Umgang mit Geld, für nachhaltige Geldanlagen und für den Dienst am Menschen und der Umwelt. Was versteht die GLS unter Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit?

Laura Schindler: Die GLS Bank versteht unter Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeit, dass sie ausschließlich in wirtschaftlich-ökologische, und ethisch sinnvolle Projekte investiert. Natürlich mit Gewinn! Und zwar gleich doppelt: finanziell und ideell. Und mit garantierter Transparenz: Die GLS Bank veröffentlicht regelmäßig in der Kundenzeitschrift „Bankspiegel“, welche Unternehmen und Projekte sie finanziert. Ein weiterer konsequenter Punkt der Umsetzung in der Nachhaltigkeit ist eine moderne und nachhaltige Bankidee. Das heißt, wir bieten den Kundinnen und Kunden ein komplettes Bankangebot, vom Girokonto und Tagesgeldkonto über Kreditkarten, GLS-Sparangebote, Altersvorsorgeangebote bis hin zu wirklich nachhaltigen Investmentfonds oder einem Vermögensmanagement.

Die Bilanzsumme der GLS wuchs im letzten Jahr zweistellig und erreicht wohl bald die Marke von 1 Milliarde Euro. Warum vertrauen immer mehr Menschen der GLS ihr Geld an und warum wollen immer mehr Menschen mit Ihrer Bank zusammenarbeiten?
Gerade in Zeiten der Finanzmarktkrise entscheiden sich immer mehr Menschen für die GLS Bank.
Der weitgehend abstrakte, systemische und renditeorientierte Umgang mit Geld verursacht immer sichtbarer erhebliche realwirtschaftliche Verwerfungen. Ein enormer Vertrauensverlust in die Finanzbranche ist als nachvollziehbares Ergebnis zu verzeichnen. Die GLS Bank investiert nicht in abstrakte und risikoreiche Finanzprodukte. Sie hat daher auch keine Verluste aus der Finanzmarktkrise zu verbuchen. Im Gegenteil, dank des immer breiter werdenden Vertrauens von Kunden in die GLS Bank konnten wir bei einem starken Bilanzsummenwachstum ein solides Betriebsergebnis erzielen.

 

Am 11. April hat die GLS nun neben Bochum, Stuttgart, Hamburg, Frankfurt und Freiburg auch eine Bankfiliale in der Hauptstadt eröffnet. Ist die Eröffnung einer GLS-Filiale in Berlin auch als ein Wink an die Politik und als eine Art Aufforderung zu verstehen, die eigene Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ stärker als zuvor umzusetzen und die noch immer vorherrschende einseitige Doktrin des „Wirtschaftswachstums um jeden Preis“ in Frage zu stellen? Hat nicht gerade die Politik die besondere Verantwortung, das Land allumfassend im Sinne künftiger Generationen nachhaltig auszurichten und zu entwickeln bzw. zu konsolidieren? Oder ist dies den freien Kräften des Marktes zu überlassen?

Durch die Eröffnung der Berliner Filiale wird die GLS Bank in der Hauptstadt mit ihren Aktivitäten verstärkt Präsenz zeigen und sich in die öffentliche Debatte aktiv einmischen. Sie wird auch vermehrt zu Fachgesprächen einladen, um mit Vertreterinnen und Vertretern etwa aus Politik, Finanzwirtschaft, Verbraucherschutz und Unternehmen an besseren Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges und faires Finanzwesen arbeiten. Eine solche öffentlich-private Zusammenarbeit gibt es bereits in einigen Bereichen. Beispielsweise sind Ministerien am Mikrofinanzfonds der GLS beteiligt. Aber die GLS Bank wartet auch weiterhin nicht auf die Politik, sondern sie setzt Standards, gibt gute Praxisbeispiele und lädt zur Zusammenarbeit ein. Zu der Frage nach den Marktkräften: Die Klimakatastrophe wird erst für künftige Generationen richtig teuer. Mit unseren heutigen Marktpreisen zahlen wir solche „externalisierten Kosten“ nicht, sondern freuen uns auf Kosten unserer Nachfahren über Schnäppchen. Solange das so bleibt, sind die Ergebnisse des Marktes nicht vernünftig.

 

Welche gesamtgesellschaftlichen Probleme und Aufgaben sieht die GLS in Deutschland als diejenigen an, die als die drängendsten identifiziert und in den nächsten Jahren schonungslos angegangen werden müssen?

In den drängendsten gesellschaftlichen Feldern ist die GLS Bank bereits tätig. Wie bereits oben erwähnt, investiert die GLS Bank ausschließlich in ethisch-ökologisch sinnvolle Projekte. Somit sind wir in den Bereichen Ökologische Landwirtschaft, Wohnprojekte, Regenerative Energien, Heilpädagogik u.v.m tätig. In diesen Bereichen werden gesamtgesellschaftliche Probleme und Aufgaben bewältigt, und dieses Engagement wollen wir weiter ausbauen. Indem unsere Kundinnen und Kunden diese Bereiche durch ihre Geldanlage finanzieren, kann jeder durch den bewussten Umgang mit seinem Vermögen die Welt nachhaltig verändern.

 

Glauben Sie persönlich, dass die derzeitige Krise des Finanzsystems, so wie es scheint bald ausgestanden ist, oder ist der Niedergang, das Platzen der Spekulationsblasen, (aktuell Immobilien, später Rohstoffe) nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben?

Ich glaube, dass die Krise des Finanzsystems sich fortsetzen wird, solange die Banken den Bezug zur Realwirtschaft verlieren. Bei den Geschäften, die von Banken getätigt wurden, wird mit Geld Geld verdient, die Risiken steigen, aber sie werden immer abstrakter. Am Ende geht es nur noch um mehrfach weitergereichte Werte mit irgendwelchen abstrakten Bewertungen von Ratingagenturen. Und dann weiß auch der Investmentbanker nicht mehr genau, womit das Geld verdient wird. Solange das einzige Kriterium im Finanzmarktbereich die Rendite ist und nicht hinterfragt wird, womit sie erzielt wird, wird die Risikokontrolle schwierig.

 

Wir danken Laura Schindler für dieses Interview und wünschen der GLS Bank viel Erfolg in Berlin.

Bild: © Jelena_Popic-fotolia.com

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