Indem du liebevoll und mitfühlend mit dir selbst umgehst, öffnest du dich für ein glückliches Leben. Denn dadurch füllst du deine Kraftquellen im Alltag immer wieder auf und findest zu mehr Zuversicht, Gelassenheit und Lebensfreude. Neun Rituale unterstützen dich dabei auf dem Weg der Selbstliebe und des Selbstmitgefühls.

von Christa Spannbauer

Jeder Tag ist ein guter Tag!

Heute ist der erste Tag der verbleibenden Zeit deines Lebens. Und er wird ganz sicher zu einem glücklicheren Tag, wenn du ihn bereits morgens wohlgestimmt willkommen heißt. Vielleicht nimmst du dafür gleich nach dem Aufwachen Kontakt mit deinem Körper auf, indem du dich ausgiebig dehnst und räkelst. Vielleicht möchtest du dich auch mit einem positiven Gedanken auf den Tag einstimmen. Manche Menschen legen sich hierfür ein Buch mit aufbauenden Zitaten ans Bett. Oder du beginnst den Tag mit einigen Yoga-Übungen oder einer kurzen Meditation, um Körper und Seele in Einklang zu bringen. Die folgenden Worte des Sufi-Mystikers Mevlana Rumi können dich bei einem geglückten Tagesbeginn unterstützen: Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben – das Leben allen Lebens. In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins, die Wonne des Wachsens, die Größe der Tat, die Herrlichkeit der Kraft.

Ich liebe dich!

Wieso machst du dir nicht jeden Tag mal selbst eine Liebeserklärung? Und rufst dir beim morgendlichen Blick in den Spiegel ein „Guten Morgen, du Schöne, du Schöner!“ zu? Was für ein alberner Vorschlag, denkst du jetzt vielleicht. Tu es trotzdem. Denn dann wirst du feststellen können, dass es sich bei diesem albernen Vorschlag um eine wirkungsvolle Übung handelt. Denn oft blicken wir doch nur in den Spiegel, um nach Mängeln Ausschau zu halten und nach dem zu forschen, was wir verbessern könnten. Diese Übung hingegen zielt darauf ab, das Liebenswerte und Schöne an uns selbst zu entdecken. Blicke daher beim nächsten Blick in den Spiegel nicht gleich wieder kritisch auf die Falten um die Augen, sondern schau dir lieber tief in die Augen. Lächle dir liebevoll zu, wie du deiner besten Freundin oder deinem besten Freund beim Wiedersehen zulächelst. Und dann sag dir etwas Positives. Wenn du dies jeden Tag tust, wirst du schon bald feststellen können, dass sich dein Selbstbild verändert und dass du freundlicher und mitfühlender mit dir selbst umgehst.

What a wonderful world!

Unsere Stimmung und unser Selbstwertgefühl hängen ganz entscheidend davon ab, worauf wir uns fokussieren, was wir in unser Blickfeld nehmen und wie wir unsere Umgebung interpretieren. Wie wäre es also, wenn du heute mal ganz bewusst auf all die schönen Dinge und liebenswerten Menschen blicken würdest, die deinen Weg säumen? Wenn du dich am Glück der Liebespaare, der Lebenserfahrung in den Gesichtern alter Menschen, der ausgelassenen Lebensfreude der Kinder erfreuen würdest? Darauf blicken würdest, mit welcher Schönheit dich die Natur selbst in der Stadt immer wieder überrascht? Nimm die Kraft der frühherbstlichen Bäume und die letzten Blumen des Jahres ganz bewusst wahr. Schau hoch in den weiten Himmel über Berlin und spüre die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut. Und erfreue dich ausgiebig an der Schönheit dieser Welt!

„Sich selbst zu lieben, ist der Anfang einer lebenslangen Leidenschaft.“ Oscar Wilde

Ein Rendezvous mit mir selbst

Wir nehmen uns oft nicht wichtig genug. Dabei sind wir wichtig. Sehr wichtig sogar! Um das zu erkennen, musst du dir ja nur vergegenwärtigen, dass du der einzige Mensch auf der ganzen Welt bist, mit dem du dein gesamtes Leben verbringst. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Vom ersten Atemzug bis zum letzten. Was also spräche dagegen, dir die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die du verdienst? Weshalb also verabredest du dich nicht gleich heute zu einem Rendezvous mit dir selbst? Frage dich jetzt mal: Was würde ich gerne tun, wenn mich jemand galant ausführen würde? Was habe ich immer wieder aufgeschoben, weil ich keine Zeit dafür fand? Jetzt bist du an der Reihe! Diese Zeit ist ganz allein für dich reserviert! Erfülle dir damit einen Herzenswunsch. Wohin soll es gehen? Ins türkische Bad, die neue Kunstausstellung, das klassische Konzert, auf den Flohmarkt, in die Shopping-Mall oder in die stille Natur? Tue etwas Aufregendes, Betörendes, Einzigartiges. Heute bist du der wichtigste Mensch in deinem Leben. Deshalb: Sei gut zu dir!

Eine glücksverheißende Atempause im Alltag

Gönne dir während des Tages ab und zu mal ganz bewusst eine Atempause. Denn nichts bringt dich wirksamer und zuverlässiger zur Ruhe als einige ruhige und tiefe Atemzüge. Das Gute daran ist: Das dafür benötigte Werkzeug trägst du immer bei dir. Gerade an den Stoppstellen im Alltag, die einen normalerweise mit Ungeduld erfüllen, kannst du dir mit deinem Atem etwas Gutes tun. So kannst du die Wartezeiten an der roten Ampel oder in der Supermarktschlange bestens dafür nutzen, um durchzuatmen – einfach einige Male achtsam ein- und auszuatmen. Anstatt in der U-Bahn oder im Wartezimmer des Arztes gelangweilt mit dem Handy herumzudaddeln, kannst du dich doch auch für eine kleine Atemmeditation entscheiden. Atme hierfür einige Male ruhig ein und aus. Du kannst dir dabei auch den Wunsch aus der buddhistischen Metta-Meditation „Möge ich glücklich sein“ mit in die Meditation nehmen. Je öfter du dir diesen Wunsch zu Herzen nimmst, desto mehr gelingt es dir schließlich, die glücksverheißenden Augenblicke des Lebens wahrzunehmen. Der Atem steht dir dabei als verlässlicher Begleiter zur Seite. Wenn du ihn dir zum Freund machst, tröstet und beruhigt er dich auch in schwierigen und stressigen Zeiten.

„Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Teresa von Avila

Die Sorgen ziehen lassen

Diese kleine Imaginationsübung stammt aus dem Buddhismus und unterstützt dich darin, belastende Gedanken und Sorgen, die sich mitunter unheilvoll über deinem Kopf zusammenbrauen, ziehen zu lassen. Stell dir vor, du liegst an einem warmen und sonnigen Sommertag auf einer duftenden Wiese. Über dir ziehen bauschige Wolken über den blauen Himmel. Genau diese Wolken kannst du nun als Transportmittel für deine Sorgen nutzen. Sobald ein Sorgengeselle auftaucht, setzt du ihn sanft auf eine der vorüberziehenden Wolken und blickst ihm nach, wie er am Horizont verschwindet. Wenn ein nächster auftaucht, tust du mit diesem das Gleiche. Und mit dem übernächsten ebenso. Bald schon wirst du spüren, wie viel Schweres von dir abgefallen ist und um wie viel leichter du geworden bist. Denn all deine Sorgengesellen, die dein Herz und deinen Kopf beschwerten, ziehen nun friedlich dem Horizont entgegen.

Verwöhnzeit für den Körper

Wie geht es deinem Körper gerade? Wie fühlt er sich an? Und was würde ihm jetzt gut tun? Indem du dich während des Tages immer mal wieder interessiert deinem Körper zuwendest, entwickelst du ein Gespür für dessen Bedürfnisse, die im geschäftigen Alltag sonst allzu oft untergehen. Tu deinem Körper etwas Gutes, indem du ihn mit viel frischer Luft, gesundem Essen, ausreichend Schlaf und vitalisierender Bewegung versorgst. Gönne ihm mal wieder etwas Besonderes: einen Sonntag in der Sauna, eine Ganzkörpermassage, ein Sonnenbad am Strand. Hülle deinen Körper mit Wärme ein, bis er sich ganz wohlig und behaglich fühlt. Oft sind unsere Muskeln verhärtet und verspannt. Dann ist Weichheit und Sanftheit sich selbst gegenüber angesagt. Verkrampfungen kannst du jederzeit ausschütteln und deinen Körper lockern, ihn mit sanften Yoga- oder Gymnastikübungen dehnen und geschmeidig halten. Vielleicht wäre es dabei mal wieder an der Zeit, deinem Körper zu danken, der dich so zuverlässig durchs Leben trägt.

Ein Fest der Düfte

Da unser Geruchssinn auf das Engste mit unseren Gefühlen verbunden ist, kannst du Düfte gezielt einsetzen, um deine Stimmung aufzuhellen. So wirkt, um nur einige Beispiele zu nennen, Orangenduft angstlösend, Lavendel beruhigend, Rose tröstend und herzerweiternd, Rosmarin und Grapefruit anregend. Gib einige Tropfen Öl in das Wasser einer Duftlampe, zünde das Teelicht darunter an – und schon breitet sich Wohlbefinden in deinen Räumen aus. Du kannst die Wirkung auch noch körperlich intensivieren, indem du nach einem anstrengenden Tag eine aromatische Dusche oder ein Vollbad mit Aroma-Badezusätzen verwendest. Einige Tropfen Melisse-Öl, vermengt in einer Schale mit Honig oder Sahne, können wahre Wunder an Entspannung bewirken. Zur Aufhellung deiner Stimmung kannst du Bergamotteöl verwenden. Wenn du körperliche Verspannungen lösen möchtest, greife zu Wacholderöl, und wenn du deinem Herzen mitfühlend etwas Gutes tun möchtest, dann nimm ein behagliches Bad in Rosenextrakt. So kannst du den Tag behaglich und wärmend ausklingen lassen.

Ein Ort der Geborgenheit

Einen Ort zu haben, an dem wir uns behütet und geschützt fühlen, trägt ganz entscheidend zu unserem Wohlbefinden bei. Als Kinder bauten wir uns eine Höhle aus Decken, um uns in deren Schutz zurückzuziehen. Sicherlich hast du auch heute in deinem Zuhause einen Rückzugsort, an dem du dich geborgen weißt. Vielleicht ist es dein Sofa, auf das du dich nach einem anstrengenden Arbeitstag zurückziehst, eingehüllt in eine kuschelige Decke, ein Glas Rotwein oder eine Tasse Tee vor dir, ein gutes Buch zur Hand, die schnurrende Katze auf dem Schoß. Vielleicht machst du es dir auch mit deinem Partner oder deiner Partnerin gemütlich und ihr lest euch gegenseitig etwas vor. Das erinnert uns an die Gute-Nacht-Geschichten unserer Eltern, bei denen wir uns so einzigartig geborgen fühlten. Vielleicht lädst du auch deine Freunde und Freundinnen zu dir nach Hause ein, ihr kocht, lacht und singt miteinander und du erweiterst dadurch den Kreis der Geborgenheit um dich herum.

Christa Spannbauers nächstes Seminar „Jeder Mensch sehnt sich nach Glück. 5 Wege zu einem erfüllten Leben“ findet am 7. September 2019 im Lotos-Vihara-Meditationszentrum statt.

Author: Oliver Bartsch

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