Die homöopathische Bedeutung von Sauerstoff und Stickstoff…

von Werner Baumeister

Welcher Stoff fehlt uns eigentlich kollektiv gerade am meisten? Der Sauerstoff! Das zeigt die aktuelle globale Luftnot durch das Tragen von Corona-Masken. Und diese Luftnot aktiviert unsere Geburtstraumata. Denn auch bei unserer Geburt war die zentrale Überlebensfrage: Reicht der Sauerstoff oder muss ich ersticken? Wir fühlen uns alle gerade in die Enge getrieben, wissen nicht, wo das Ganze hingeht. Gefühle wie Angst und Panik machen eng und führen uns in die Hyperventilation, weil unser System denkt, es bekommt nicht genug Luft. Unser Zwerchfell verkrampft und die Atmung wird flach. Was vielen dabei im Moment fehlt, ist Vertrauen und Hingabe in den Prozess – genau wie bei der Geburt.

Lebensnotwendige Trennung

Stickstoff und Sauerstoff, das sind nicht nur die Hauptbestandteile unserer Atemluft, sie repräsentieren homöopathisch auch die Austreibungsphase unserer Geburt vom Beginn der Wehen bis zu unserem ersten Atemzug. Das Thema dahinter heißt: Trennung und Überleben aus eigener Kraft. So betrachtet ist die aktuelle Corona-Situation auch eine Chance, mit Homöopathie das Geschehen energetisch aufzulösen, in dem wir damals steckengeblieben sind und woraus sich bestimmte Glaubenssätze entwickelt haben. Wir haben uns Lebenssituationen geschaffen, die diese Enge so lange darstellen, bis wir sie bewusst gemacht und integriert haben. Es lohnt sich daher, das Profil der beiden Arzneien Oxygenium und Nitrogenium näher zu betrachten.

Zentrales Thema ist hier die Bedürftigkeit. Im Erwachsenenalter macht sich dieses Thema bei uns als kindliche Abhängigkeit in Partnerschaften, Familien- oder Arbeitssituationen bemerkbar, aus denen wir uns nur schwer lösen können. Aus Angst, uns zu separieren und von der versorgenden Quelle abgeschnitten zu werden, zögern wir anstehende Trennungen dann endlos hinaus. Doch Trennung ist bei der Geburt nicht nur unausweichlich, sondern für das Überleben auch zwingend notwendig. Der Fötus muss zu einem unabhängigen Neugeborenen werden. Die ganze Kraft ist hier darauf gerichtet, sich aus der symbiotischen Abhängigkeit mit der Mutter zu lösen.

Die Bedürftigkeitsfalle

Wenn es in unserem Leben eine Bedürftigkeit gibt, dann die nach Sauerstoff. 12 bis 15 mal pro Minute atmen wir ihn ein. Im Mutterleib sind wir ja noch mit dem System der Mutter verbunden. Sie ist es, die uns über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Aber auch danach als selbst atmendes Baby brauchen wir die Mutter zum Überleben. Spätere Sucht und starke Bedürftigkeit spiegeln diese Notwendigkeit: Ohne deine Mutter krepierst du und ohne Sauerstoff krepierst du genauso! Oft schwingt das dann auch in unserer heutigen Beziehungskommunikation mit. Wir alle sind auf irgendeine Weise Spielball unserer Bedürftigkeiten, und darum sind die meisten Beziehungen auch so ein Krampf.

Dieses unterschwellige „Ich brauche dich zum Überleben!“ erzeugt natürlich auch beim anderen sofort Luftnot durch ein Anspruchs- und Überforderungsgefühl. Doch dieses Beziehungsmuster kann auf Dauer nicht funktionieren! Mit den homöopathischem Informationen von Stickstoff/Sauerstoff hört dieses „Brauchen“ in der Partnerschaft auf. Beide Mittel helfen uns, den Ort in uns selbst zu finden, an dem wir nichts mehr brauchen. In dem Moment, in dem wir dort angekommen sind, sind wir überhaupt erst beziehungsfähig, weil wir keine Beziehung mehr brauchen und im Partner nicht mehr ausschließlich die nährende Mutterbrust suchen.

Stickstoff – für ein bisschen Liebe mache ich alles!

Wir werden aus dem geschützten Raum der Gebärmutter in die Enge des Geburtskanals getrieben, durch den wir durch müssen, wenn wir nicht ersticken wollen. Wir müssen uns da rausdrücken und die Mutter auffordern, ebenfalls Druck auszuüben, sonst können wir nicht herauskommen. Das Gefühl hier ist: Wenn ich nicht genügend Druck mache und alle Unterstützung fordere, werde ich sterben. Stickstoff sprengt jeden Rahmen und will sich ausdehnen. Im Stickstoff ist geballte, gebundene Bewegungskraft eingeschlossen, daher wird er auch zur Sprengstoffherstellung genutzt. Diese Kraft liegt auch in uns, und sie kann befreit werden.

Das homöopathische Stickstoffprofil des „Brauchens“ kann in allen Geburtssituationen unserer Biographie auftreten, in denen wir – wie auch immer – hängengeblieben sind. Wir stecken fest, fühlen uns eingeengt. Wir haben das starke Gefühl, vorankommen und uns befreien zu müssen, begegnen dabei aber gefühlt dem ständigen Widerstand einer feindlichen Umgebung. Die Luft wird knapp und wir explodieren schnell. Verbindungen zu Eltern oder Partnern werden als zu eng erlebt. Es gibt ein Verlangen, diese Beziehungen zu lockern oder zu lösen. Aber wir schaffen es nicht oder die anderen blockieren oft auch noch unseren Befreiungsversuch. Zudem nehmen wir unser ganzes Leben aus dem engen Blickwinkel der Bedürftigkeit wahr. Aus dieser Enge befreit uns Nitrogenium.

Mir selbst zeigt Stickstoff noch einmal ganz deutlich, wie ich diese Bedürftigkeit in immer wiederkehrenden Enge-Szenarien auf dem Feld der Partnerschaft darstelle. Regelmäßig nach sechs Monaten muss ich mich aus Beziehungen freisprengen. Das ist mein Stickstoffthema. Da gibt es einen traumatischen Punkt, über den ich aus Angst zu ersticken anscheinend nicht hinauswachsen kann. Nach Nitrogenium spüre ich eine unglaubliche Entspannung. Stickstoff hat diese ganzen kindlichen Ängste bei mir gelöscht. Vor allem die Angst, dass ich dann, wenn ich sexuell nicht auf eine bestimmte Art abliefere, verlassen oder ersetzt werde durch jemandem, der die gestellten Erwartungen besser erfüllt. Es befreit mich von einer Rolle, die ich in Beziehungen meinte erfüllen zu müssen, und sprengt mich so aus der Bedürftigkeitsfalle frei.

Sauerstoff – das vernachlässigte Kind

Haben wir es durch den engen Geburtskanal bis nach draußen geschafft, müssen wir uns nun selbst um unseren ersten Atemzug kümmern. Die Symbiose mit der Mutter ist unterbrochen. Wir müssen ganz alleine Luft holen, um am Leben zu bleiben. Keiner kann für uns atmen. Eigenständigkeit heißt hier auch, dass ich selbständig nach Nahrung von der Mutter verlangen kann. Ich muss mein Überleben von der Umgebung einfordern, meine Bedürfnisse meiner Mutter mitteilen, indem ich schreie. Selbst fordern, was ich brauche, weg von der überfürsorglichen Nabelschnur, der allzeit verfügbaren Überlebensquelle, die quasi wie ein bedingungsloses Grundeinkommen war.

Der Säugling kann ohne Nabelschnur leben und ist fähig – obwohl noch ganz fragil und verwundbar –, seine Forderungen deutlich zu machen. Und er muss das auch tun. Analog zeigt sich später in einer Art Überzeichnung und Verdrehung das unbewusste und unerlöste Sauerstoffthema zum Beispiel darin, dass wir hart arbeiten und versuchen, unser Leben alleine zu meistern (also selbst etwas tun für die Versorgung) – bis hin zur totalen Erschöpfung und zum Burnout.

Das Lebensnotwendige einfordern

Wie ein Kind fordern wir auch als Erwachsene immer wieder ein, was uns wie selbstverständlich zusteht, was wir haben MÜSSEN, um zu überleben! Themen des Sauerstoffs im späteren Leben sind der Verlust des Selbstwertes und das Gefühl, vernachlässigt und zu kurz gekommen zu sein. Es ist das vernachlässigte Kind in uns, das fordert wie ein Bettler und nur sich und seine Bedürfnisse sieht. Es ringt verzweifelt nach Luft und Wertschätzung für seine Eigenleistung, nämlich selbst atmen zu können. Diese eindringliche kindliche Botschaft ist oft auch in einem späteren Asthmaanfall verschlüsselt: Mir steht zu, dass ich sofort permanente Aufmerksamkeit von dir bekomme! Wenn nicht, bist du schuld, wenn ich ersticke.

Eine andere Darstellungsform ist das Betteln. Selten habe ich in Kreuzberg einen Bettler so eindringlich in seiner Forderung erlebt wie nach der eigenen Einnahme von Sauerstoff. Der Blick des Bettlers war so zwingend, dass sich ein Zwei-Meter-Typ – nachdem er sein gesamtes Münzgeld gegeben hatte – fast hilflos zu rechtfertigten suchte mit dem Satz: „Mehr hab´ ich wirklich nicht.“

Sauerstoff fordert so eindringlich, dass sein Gegenüber gar nicht anders kann, als sich schuldig zu fühlen! Mein persönlicher Sauerstoff-Glaubenssatz lautet: Nur wenn ich Leistung bringe, dann werde ich geliebt und anerkannt. Die Anerkennung MUSS immer von außen kommen – und wenn das nicht geschieht, dann entstehen unglaubliche Selbstzweifel. Zwar strahle ich das oft gar nicht mehr aus, aber das innere Kind ist noch da und schreit in mir. Es ist nur noch das innere Kind, das in mir schreit. Dadurch halte ich mich begrenzt und klein und zeige mich nur kontrolliert, statt mich auszudehnen ins volle Potential.

Was ich vor allem mit homöopathischem Sauerstoff bemerke, ist eine neue Souveränität und Geradlinigkeit. Ich löse mich auch in meiner homöopathischen Praxistätigkeit noch mehr aus der Perspektive des kleinen Kindes, das fokussiert ist auf die „strengen Erwartungen“ der Eltern/Klienten und bemerke deutlich mehr gesunde Selbstwertschätzung.

7 Intensiv-Arbeitskreise im Oktober
(begrenzte Teilnehmerzahl!)

Die Luft wird knapp…
Die homöopathische Bedeutung von Stickstoff und Sauerstoff

Der Intensiv-Arbeitskreis beinhaltet eine lebendige Annäherung an die Themen der homöopathischen Arzneien Sauerstoff und Stickstoff sowie die Erstellung eines aktuellen homöopathischen Profils für jeden Teilnehmer.

Termine: Sa, 3.10., Wiederholung So, 4.10. & Sa, 10.10. & So, 11.10. & Sa, 17.10. & So, 18.10. & Sa, 24.10
je 13-19 Uhr, 90 €,
Anm. erforderl., Reichenberger Straße. 114

Tel.: 0172-391 25 85
Werner Baumeister: Arzt, individuelle homöopathische Begleitung. 25 Jahre Erfahrung in eigener Praxis in Berlin. Einzeltermine nach Vereinbarung.

Nur online auf www.sein.de: Medorrhinum – ein homöopathischer Heilungsimpuls

Author: Redaktion

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Werner Baumeister ist Arzt und bietet individuelle homöopathische Begleitung an.

25 Jahre Erfahrung in eigener Praxis in Berlin. Einzeltermine nach Vereinbarung

Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

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