Im Aerial Yoga wird Yoga an von der Decke hängenden Tüchern praktiziert. Dieser schwebende Yoga-Stil ist eine Mischung aus klassischen Hatha-Yogaübungen, alten indischen Traditionen wie Mallakhamba – Yogaübungen an einer Stange oder einem Seil –, verbunden mit moderner Luftakrobatik, Tanz und Pilates. Mit Unterstützung des Schwungtuches und der Überwindung der Schwerkraft erzeugt Aerial Yoga ein sehr eigenes Gefühl der Leichtigkeit. Die körperliche Haltung kann mit Hilfe der Tücher besser ausgerichtet werden und verbessert damit auch die Körperwahrnehmung.

von Liliana Polanco

Das an der Decke fest verankerte, mehrere Meter lange Schwungtuch – von manchen auch liebevoll als „Yoga-Hängematte“ bezeichnet – dient beim Aerial Yoga als unterstützendes Werkzeug. Doch um sich in das Tuch zu hängen und wirklich „fallen“ zu lassen, braucht es komplettes Vertrauen – ganz besonders auch zu sich selbst. Dies kann gerade beim ersten Kontakt mit dieser Form der Yoga-Praxis für viele noch etwas schwierig sein. Deswegen ist es sehr wichtig, dass die Kursleiter/innen einen Raum schaffen, in welchem sich die Teilnehmer/innen wirklich sicher fühlen und in einen Dialog zwischen Verstand und Körper treten können. Beim Aerial Yoga finden viele Traditionen und Bewegungsschulen zusammen. Will man einen dieser unterschiedlichen Arbeitsschwerpunkte vertiefen, kann man sich auf ein spezialisiertes Aerial Yoga einlassen, wie zum Beispiel im Aerial Yoga Pilates, Fitness, Flow, Tanz oder – wer es für den Einstieg sanfter und entspannter mag – Aerial Yin Yoga.

Aerial Yoga Flow

Aerial Yoga Flow besteht aus sechs Elementen: körperlicher Flexibilität, Kraft, Luftakrobatik, Leichtigkeit, Entspannung und Gleichgewicht. Durch die kraftvolle Verbindung dieser Elemente können sich sogar mentale Blockaden auflösen lassen. Die fließenden Übergänge von einer Asana (Yoga-Position) zur anderen und die Atmung und deren Synchronisation mit den Übungen sind die zentrale Elemente dieses Yoga-Stils. Beim Aerial Yoga Flow soll eine „Vereinigung von Atmung und Bewegung“ stattfinden: Jede Bewegung ist mit einem Teil des Atems verbunden – das Körperbewusstsein und bewusste Sein im „Hier und Jetzt“ wird so verstärkt. Das Einatmen entspricht in der Regel öffnenden Bewegungen, schließende oder beugende Bewegungen sollten beim Ausatmen erfolgen. Es geht darum, die Atembewegungen zu erleichtern, um bei der Inhalation die volle Kapazität der Lungen zu nutzen beziehungsweise um beim Ausatmen die Entleerung selbiger zu erleichtern.

In der Praxis folgt immer eine bestimmte Reihe von Asanas aufeinander, die sich langsam, fließend und ohne Pause ablösen, um einen gleichmäßigen Flow zu erzeugen, der alle trägt. Die wechselnden Bewegungen, sowie ein steter Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, führen zu Harmonie. Zusätzlich sind die gehaltenen Körperpositionen durch rhythmisches Atmen miteinander verbunden, so dass Kraft und Energie im Körper erzeugt werden. Mit etwas Übung geht einem dies schnell ganz selbstverständlich von der Hand. Schon nach kurzer Übungszeit hat man den Eindruck, dass das Zusammenspiel aus Atmung und Bewegung ganz natürlich entsteht.

Was ist daran noch Yoga?

Der Unterschied zwischen traditionellem Yoga und Aerial Yoga besteht darin, dass die Asanas beim Aerial Yoga Flow mit Hilfe eines speziellen Tuches, das in verschiedenen Höhen von der Decke hängt, ausgeführt werden. Die Übungen – und auch die dem Yoga innewohnende Philosophie – bleiben im Grunde gleich. Mit der Unterstützung der Stoffbahnen, die einen halten und umfangen, lassen sich aber leicht die umgekehrten Körperhaltungen ausüben, so dass die innere Stimulation des Organismus sehr intensiv wirken kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei den Asanas nicht sein gesamtes Körpergewicht tragen muss und so Überlastungen von Muskeln und Gelenken vermeiden kann. Dennoch wird beim Aerial Yoga – genau wie beim klassischen Yoga – natürlich auch Disziplin und Konzentration bei der Durchführung benötigt.

Also ab ins Tuch?

Aerial Yoga hat viele Vorteile – so werden zum Beispiel die Wirbelsäule und die Gelenke entlastet, der Lymphfluss angeregt, die Muskulatur stärker belebt und tiefere Dehnungen und anspruchsvollere Yoga-Übungen sind leichter ausführbar. Aber Yoga-Flow ist nicht für jede/n geeignet: Bei beispielsweise bestehender Frühschwangerschaft, Augenerkrankungen, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis oder Arthrose, Osteoporose, Kopfschmerzen, Epilepsie, sehr starkem Übergewicht, erhöhter Thrombosegefahr, Schlaganfall oder Herzinfarkt-Risiko oder nach erfolgten Operationen sollte man Abstand nehmen.

Author: Oliver Bartsch

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