Der homöopathische Krokodil-Prozess…

von Werner Baumeister

Krokodile sind uralte Zeugen der Evolution, bei denen nur die tiefen Hirnareale aktiv sind. Das Stammhirn, auch Reptilienhirn genannt, ist unser ältester Hirnanteil. Hier sitzt die Angst, aber auch Reflexe, instinktive Wahrheiten und tiefes Körperwissen. Also all das, was wir zum Überleben brauchen. Hier gibt es kein Zaudern, kein Zögern, kein Rumgemache und kein Rumgelabere. Hier wird nur in Sprache gefasst, was aus dem Wesenskern, aus der Tiefe unseres Seins kommt.

Gelingt es uns, radikal aus diesem Areal heraus zu entscheiden, zu handeln und zu leben, dann sind wir absolut auf der sicheren Seite. Das Krokodil ist hochaktuell, denn das Coronavirus konfrontiert uns alle mit archaischer Angst. Entweder fühlen wir uns direkt gesundheitlich bedroht oder indirekt durch die Corona-Maßnahmen in unserer materiellen Existenz gefährdet. Corona aktiviert unsere Urangst vor dem Tod und jeder will uns in dieser Ausnahmesituation erzählen, was das Beste für uns ist. Diese tiefe kollektive Verunsicherung erfordert einen unmittelbaren, besseren Zugang zu unseren Stammhirnqualitäten. Der Krokodil-Prozess schafft diesen Zugang wie kein anderes homöopathisches Mittel. Es ist der stärkste Angstlöser in der Homöopathie.

Krokodil-Prozess – Konfrontation mit der Todesangst

Das erstemal habe ich diese Arznei im Februar 2010 in der Zeitschrift SEIN vorgestellt. Zwei Monate später starb meine Mutter. Kurz vor ihrem Tod bekam sie große Angst und ich gab ihr Krokodil C 200. Auf meine Frage am Tag danach, was die Angst macht, grinste sie mich nur an und antwortete: „Zewa wisch und weg!“ Im alten Ägypten gab es einen Initiationstempel, genannt KombOmbo, der Krokodiltempel! Die Adepten mussten hier nach monatelanger Vorbereitung nochmal durch ihren Geburtsprozess durch.

Diese Einweihung ging so vonstatten, dass die Prüflinge von einem Becken aus tief durch einen Tunnel tauchen mussten. Getrieben von Luftnot blickten sie beim Auftauchen auf der anderen Seite direkt in die offenen Mäuler von lebenden Krokodilen, die an der Wasseroberfläche auf sie warteten. Diese Krokodile waren allerdings bereits gefüttert und daher ungefährlich, das aber wussten die Adepten nicht.

Es ging genau um diese Konfrontation mit der Todesangst und darum, loszulassen und über seine Angst hinauszuwachsen. Es ging darum, fortan keine Entscheidung mehr aus Angst zu treffen und sich wirklich für dieses Leben zu entscheiden. Was eben auch bedeutet, sterben zu können. An diesem Punkt stehen wir auch heute weltweit. Das Coronavirus ist unser modernes KombOmbo. Es hilft uns direkt oder indirekt, unsere tief verdrängte Angst vor dem Tod und den damit verbundenen totalen Kontrollverlust wieder zu aktivieren.

Auch der Krokodil-Prozess holt homöopathisch alte unterdrückte Angst erstmal wieder an die Oberfläche, hilft uns, sie noch einmal zu fühlen und zu integrieren. (Zitat aus der homöopathischen Alligatorprüfung (Vermeulen): „Die Energie der Prüfung war intensiv, plötzlich und heftig. Sie wurde als ein Gefühl der Panik und des Schreckens beschrieben, das intensiv und überwältigend war. Es wurde geschildert als eine Empfindung ähnlich der, als Kind plötzlich verlassen zu werden.“)

Erschüttertes Sicherheitsgefühl

Homöopathisch passt der Krokodil-Prozes zu Ereignissen, die unser bisheriges Sicherheitsgefühl und Vertrauen ins Leben radikal in Frage stellen. Wie gehe ich um mit Bedrohung und absolutem Ausgeliefertsein? Mit ausweglosen Situationen, in denen mir nur noch eins bleibt: die Angst anzunehmen! Ein Klient, der immer eher versucht, Konflikte zu vermeiden, berichtet mir von einem entgegenkommenden Passanten, der ihm völlig unvermittelt ohne Grund ins Gesicht schlägt. Er ist wie gelähmt, spürt aber erstmalig eine mörderische Wut. Ich verordne homöopathisch den Krokodil-Prozess.

Eine junge Mutter mit Sohn, beide maskenbefreit, werden im Getränkemarkt durch einen stattlichen Mann erst beschimpft, die Mutter dann auf dem Parkplatz von ihrem Verfolger bespuckt und als Dreckfotze tituliert. Mutter und Sohn bekommen homöopathisch den Alligator. (Klienten-Feedbacks nach Alligatorgabe: ganz anderes inneres Standing, Lust, sich offen zu konfrontieren ohne die üblichen Ängstlichkeiten; Rangehen an Herausforderungen).

Ein Schritt in die totale Freiheit

Meine persönliche Angst-Initiation im Krokodil-Prozess inszeniert sich im finanziellen Bereich. Denn der ist eine zentrale Projektionsfläche für meine größte Lebensangst: die Angst vor Schuld(en)! Seit Jahrzehnten versuche ich mit aller Kraft, in meinem Leben immer alles in Ordnung zu bringen und zu regeln. Das Krokodilthema der Hypervigilanz, der übermäßigen Wachsamkeit, in der der Sympathikus, der Kampf- und Fluchtnerv, permanent dominiert, zeigt sich bei mir beim Thema Geld. Entspannen kann ich daher immer erst, wenn alle finanziellen Forderungen beglichen sind.

Ein Krokodilangriff erfolgt typischerweise aus dem Nichts. Sein ahnungsloses und völlig unvorbereitetes Opfer hat keine Chance, ist komplett ausgeliefert und kann sich seinem Schicksal nur noch hingeben. Genau so erging es mir letztens. Innerhalb einer Woche und aus vier verschiedenen Richtungen standen plötzlich finanzielle Forderungen in Höhe von insgesamt 10.000 Euro im Raum. Zahlbar sofort! Kurz habe ich noch wie gewohnt versucht, Auswege auszuloten, mich zu wehren, aber schnell gemerkt: Die Situation hat mich genauso unnachgiebig und gnadenlos im Griff wie die gewaltigen Kiefer eines Krokodils, wenn es seine Beute erst einmal gepackt hat.

Wenn aus Unterwerfung Vertrauen wird

Mein bisheriges Sicherheitsgefühl bezüglich der Frage, ob ich dem Leben vertrauen kann, war absolut erschüttert. Ich war ganz am Boden angekommen. Mir blieb nicht anderes übrig als aufzugeben – und genau das habe ich im Krokodil-Prozess dann getan. Ich sagte mir: Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, die Dinge in Ordnung zu bringen und ich kann´s einfach nicht mehr. Ich habe das Geld nicht. Egal, was nun passiert: Ich lass jetzt einfach los.

Ich kann nur darauf hoffen, dass das Leben alles regelt. Und wenn das Leben eben meint, es muss mich zerstören, dann zerstört es mich halt. Ich habe mein kleines Leben in die Hände des Lebens an sich gelegt. Und nicht mehr gesagt: ICH muss das hier alles selbst auf die Reihe bekommen. Genau in diesem Moment muss sich etwas gedreht haben. Es war der Ausgangspunkt, dass auf einmal Vertrauen in mir entstanden ist.

Ich bin absolut sicher!

Unsere Struktur gibt uns Halt und wenn diese droht, sich aufzulösen, entsteht automatisch Angst – bevor dann eine tiefere Ebene von Vertrauen und Kraft entstehen kann. So eine innere Wandlung hat etwas damit zu tun, wie weit wir ein bestimmtes Thema energetisch durchgearbeitet haben. Das heißt: Ich war an einem Punkt angekommen, an dem die Menge der Angst, die ich – vor allem fühlend – integriert hatte, gereicht hat, damit das Ganze sich in Vertrauen drehen konnte. Statt Angst auf einmal das Gefühl: Ich bin sicher! Ich kann dem Leben vertrauen! Was mich am Vortag noch in den Abgrund der Verzweiflung getrieben hatte, bekam jetzt für mich fast etwas Spielerisches: Mir kann nichts passieren! Ich bin absolut sicher!

Ich denke, dass das, was ich mit dem Krokodil als Herausforderung erlebt habe, genau das ist, was kollektiv gerade auf die ein oder andere Weise überall passiert. Und jeder sehnt sich danach, aus dieser Hölle rauszukommen. Durch das Krokodil (im Verbund mit dem Mittel Meteorit, das ich in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift SEIN im Juni/Juli vorstelle) hat sich mein Blick auf die Situation komplett verändert.

Er hat sich in dem Sinne geändert, dass ich paradoxerweise jetzt einfach hundert Prozent Vertrauen in meine eigene Kraft habe. Obwohl ich doch gemerkt habe, dass ich beim Krokodil-Prozess die Dinge nicht in der Hand habe. Ich weiß nicht, warum das so ist (vielleicht, weil ich das Leben nun einfach an mich herankommen lasse und die Kraft für Abwehr und Kontrolle, die ich nun viel weniger brauche, mir jetzt direkt zur Verfügung steht), aber ich nehme es so wahr – und das ist auch Wochen nach der ersten Erfahrung in dieser Hinsicht immer noch so.

Krokodil-Prozess – entspannt leben, ohne eine Lösung parat zu haben

Für mich war eigentlich immer die Lösung, dass ich eine Lösung für alle Probleme finde – und jetzt merke ich, dass ich mich entspanne, ohne eine Lösung parat zu haben. Es ist für mich ein völlig neues Gefühl, dass ich in eine innere Ruhe komme, auch wenn sich im Außen zur Lösung des Problems nichts tut. Es ist ein Leben wie im Auge des Zyklons. Ich habe irgendwie diesen inneren Ruhepunkt gefunden, der völlig unabhängig von der Sturmspirale um mich herum spürbar existiert. Ich entspanne mich einfach da hinein und werde sehen, was kommt. Hätte mir jemand Geld geliehen, hätte ich diesen Punkt nie erreicht. Wir müssen wohl manchmal völlig in die Enge getrieben werden und „scheitern“, um zu erkennen, dass passieren kann, was will und wir trotzdem in uns die Sicherheit finden, dass wir es immer schaffen werden, unsere Probleme zu bewältigen.

Ist es ein Geldproblem, dann werden wir es irgendwie regeln. Ist es ein gesundheitliches Problem, dann werden wir auch unsere Gesundheit wieder auf die Reihe kriegen. Dieses innere Wissen und Spüren ist ein großes Stück Freiheit! Und führt uns zur nächsten Stufe der Freiheit, die heißt: Ich muss gar nichts mehr machen. Das Leben macht eh alles für mich. Das war nicht nur einfach ein Gedanke in meinem Kopf, sondern mein ganzes Wesen war für einen Moment davon erfüllt. Ich habe es gespürt und auch mein Umfeld konnte es als eine Art Ausstrahlung an mir wahrnehmen. Ich empfinde darum das, was ich mit dem Krokodil erlebt habe, nicht nur als wichtigen und wunderbaren Schritt, sondern auch als einen Blick in die totale Freiheit hinein.

Werner Baumeister ist Arzt und bietet individuelle homöopathische Begleitung an.
25 Jahre Erfahrung in eigener Praxis in Berlin.
Einzeltermine nach Vereinbarung unter Tel.: 0172 – 391 25 85
Die im SEIN regelmäßig veröffentlichte Fortsetzungsserie: „Homöopathische Arzneibilder von Werner Baumeister“ versteht sich auch als homöopathischer Spiegel aktuellen Zeitgeschehens.

Author: Redaktion

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