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Friseurbesuch ohne Tierleid

Die 28jährige Friseurin Anja Reichert lebte schon lange vegetarisch. Als die Berlinerin vor über vier Jahren Veganerin wurde, stellte sie fest, dass das für sie eben nicht nur eine Entscheidung auf dem Teller ist, sondern ein ganzer Lebensweg – eben ohne Tierleid. So entstand die Idee, auch ihren Beruf komplett vegan auszuüben. „Veganja“ bietet einen komplett veganen Firseurbesuch. Mit SEIN spricht sie über ihre Idee.

SEIN: Wie entstand die Idee?

Anja Reichert: Mir fiel auf, dass sich viele Veganer die Frage stellen: „Wo kann ich mit reinem Gewissen und Vertrauen zu einem Friseur gehen, der garantiert keine Produkte mit Tierleid verwendet?“. Aus Erfahrung wusste ich, dass viele Veganer/innen eigene Produkte mit zum Friseurbesuch nehmen, aber die kamen oft nicht an den verwendeten Standard heran.

Was unterscheidet eine vegane Friseurin von einer nichtveganen?

Der Unterschied besteht sicher nicht im Handwerk, jedoch in der ethischen Motivation. Und der Austausch mit den Kunden ist vielleicht ein anderer. Ich finde es vor allem auch wichtig deutlich zu zeigen, dass für qualitativ hochwertige Friseurprodukte keine Tierversuche oder tierische Inhaltsstoffe notwenig sind.

Sind nur die Pflegeprodukte vegan?

Nein, wir sind komplett vegan, vom Friseurstuhl bis zum angebotenen Getränk. Das fängt eben schon bei der Einrichtung an: Stühle haben Lederbezüge, Bürsten sind oftmals aus Schweineborsten, Kämme aus Horn – und in den Haarfarben findet sich Karmin, gewonnen aus Schildläusen, Schelllack – aus der Lackschildlaus – oder Bienenwachs. Bei den Pflegeprodukten und Kosmetika wird`s dann noch unappetitlicher, darin können Teile von der Placenta, Harnsäure, Keratin (Protein aus zermahlenden Hörnern, Federn, Hufen), Kollagen aus Tiergewebe, Wollfett, Gelatine aus Knochen und mehr enthalten sein. Die Liste wäre noch zu erweitern. Tierversuche für Kosmetika sind in Europa seit 2013 verboten, jedoch kann man dieses Verbot leicht umgehen, indem man die Rohstoffe aus anderen Ländern bezieht, in denen Tierversuche erlaubt sind, oder sie als toxikologisch notwenig einstufen lässt. Tierversuche sind nicht nur komplett grausam und unnötig, sondern auch in keinerlei Hinsicht auf den Menschen übertragbar. Einige Firmen haben aus diesem Grund Alternativmethoden entwickelt, in denen zum Beispiel künstlich Haut hergestellt wird, an der das Produkt dann getestet wird.

Sind vegane Produkte besser oder schlechter?

Meiner Erfahrung nach sind die von mir verwendeten Shampoos, Kuren und Stylingprodukte auf jeden Fall gleichwertig, wenn nicht sogar besser, da die pflanzlichen Rohstoffe viel nachhaltiger und oftmals auch viel pflegender sind.

Wird dein veganer Service gut angenommen?

Ja, sehr gut sogar, der Kundenstamm ist stetig im Wachstum. Ich habe auch Kunden aus anderen Städten und sogar anderen Ländern, die sich immer einen Termin bei mir sichern, wenn sie in Berlin sind, da es dieses Angebot so anscheinend nirgends gibt.

Musstest du viel Vorarbeit leisten?

Die Produkte im Salon waren bereits tierversuchsfrei, meinen Chef musste ich also nicht lange überzeugen. Mit Produkten zu arbeiten, hinter denen man zu 100% steht, ist ein sehr gutes Ge – fühl. Ich könnte niemandem zu etwas raten, was ich selbst nicht vertrete. Im Vorfeld habe ich mich mit den Vertretern unserer Produkte unterhalten, habe recherchiert, ein paar Produkte aus dem Sortiment genommen und ein paar hinzugefügt.

Wie sind die Rückmeldungen?

Auch meine nichtveganen Kunden sind oftmals sehr interessiert an meiner Lebensweise und benutzen die veganen Produkte sehr gerne. Sie sind überrascht, wenn man sie über Tierversuche aufklärt, da einige mit der Thematik gar nicht vertraut sind, oftmals nicht wissen, was für Grausamkeiten da vor sich gehen und im nachhinein froh sind, Alternativen kennenzulernen

Woran kann man sich als Kunde orientieren?

Inzwischen findet man Unmengen veganer Kosmetika im Handel, die deutlich gelabelt ist – oft hilft auch die sogenannte Veganblume. Den Neuveganern unter euch kann ich nur den Rat geben, sich zu informieren und auszutauschen. Sucht euch Gruppen im Internet, macht bei Unklarheiten eine Produktanfrage, der erste, zweite und vielleicht auch dritte Einkauf wird sicher erst einmal länger dauern, aber dafür habt ihr dann Produkte, ohne dass ein Tier dafür leiden musste.

750x400_Artikel_VegasNichtNurAufDemTellerAnja Reichert arbeitet im Haarstudio Weinhönig
www.weinhoenig.de
Mehr Infos gibt es auch auf ihrer Facebookseite
www.facebook.com/veganja-v-friseur

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