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Ende 2010 kam für Claudia Renner ganz plötzlich der Schritt zum Veganismus, später testete sie auch Roh­kost aus. Dokumentiert hat sie diese Entwicklung und ihre persönlichen Erfahrungen in ihrem Blog „Claudi goes vegan“. Für SEIN schreibt sie darüber, wie sie ihren ureigenen Weg fand und welche Wandlungen sie an sich feststellte.

 

Sehr gut kann ich mich an den Handarbeitsunterricht in der zweiten Klasse erinnern. Die Tische wurden mit Zeitungen ausgelegt und auf einer Seite war ein Schwein abgebildet. Beschriftet war es mit Worten wie „Schnitzel“ und „Schinken“. An diesem Tag erfuhr ich, dass ich mit Hamburgern, Lasagne und Salamipizza Tiere esse. Schon immer war ich sehr tierlieb, in diesem Moment habe ich direkt aus dem Herzen heraus entschieden – und war am nächsten Tag mit nur acht Jahren Vegetarierin.

 

Vegetarische Seifenblase

20 Jahre lang lebte ich vegetarisch und war davon überzeugt, dass durch meine Ernährung kein Tier leiden oder sterben muss. Im Winter 2010 zerplatzte sie dann, meine vegetarische Seifenblase. Der Bestseller „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer öffnete mir die Augen. Ursprünglich nahm ich an, dieses Buch könnte bei mir, der langjährigen und überzeugten Vegetarierin, nicht viel bewegen. Aber ich hatte mit dem Buch sehr zu kämpfen. Immer wieder brauchte ich Pausen und versuchte die Bilder in meinem Kopf loszuwerden. Zusätzlich recherchierte ich im Internet, wurde vielfältig inspiriert und kam zu dem Entschluss, mein vegetarisches Essverhalten auf eine vegane Lebensweise umzustellen. 

 

Claudi goes vegan

Meine Erfahrungen und Erlebnisse wollte ich auf einem Blog festhalten, um sie jederzeit nachschlagen zu können. So entstand „Claudi goes vegan“. Mittlerweile sind über drei Jahre vergangen und noch keinen einzigen Moment lang habe ich meine Entscheidung bereut – im Gegenteil! Wenn ich heute Blogeinträge der ersten Tage lese, muss ich schmunzeln. Wie anders ich damals noch geschrieben, aber vor allem auch gedacht habe – es ist wirklich erstaunlich, wie viel die Umstellung von Vegetarisch-Essen auf Vegan-Leben bewirkt. 

 

Vegan als Lebenseinstellung

Veganismus steht für wesentlich mehr als die bloße Ernährung. Klar – tierische Produkte wie Eier, Milch und Honig werden durch Alternativen ersetzt. Doch vegan leben bedeutet auch, keine Kosmetik, Putz- und Waschmittel zu verwenden, die an Tieren getestet wurden oder die tierische Bestandteile enthalten. Auch bei Kleidung gilt: Keine Produkte, für die Tiere leiden oder sterben mussten. Plötzlich wurde ich zur Biomarktstammkundin und habe Messen mit Themen wie Nachhaltigkeit, Yoga und Veganismus besucht, denn nicht nur äußerlich fand eine Veränderung statt, auch in mir bewegte sich einiges.

 

Vegan in Kopf und Herz

Je mehr Videos ich sah, je mehr Artikel ich las, umso tiefer stieg ich in die Thematik ein. Man stößt online und real auf andere Veganer und tauscht sich aus. Ich habe so viele wunderbare Menschen durch mein neues veganes Leben gewonnen. 

Es folgte ein komplettes Umdenken: Die vegane Ernährung erweiterte meinen Horizont, mir fielen Dinge und Zusammenhänge auf, denen ich vorher nie große Beachtung geschenkt hätte. Nach und nach wurde ich feinfühliger, weicher – ich starte jetzt anders in den Tag, lebe bewusster, weiß Kleinigkeiten viel mehr zu schätzen und bin jeden Tag aufs Neue dankbar für meine Erkenntnisse und deren direkte Umsetzung. 

 

Experiment Rohvegan

Im März 2012 wollte ich ein i-Tüpfelchen auf die vegane Ernährung setzen und meinen Körper und Geist auf eine weitere Ebene bewegen. Über vier Wochen lang habe ich mich zu 100% rohköstlich-vegan ernährt. Alle gekochten und konservierten Lebensmittel wurden aus dem Speiseplan gestrichen, es wurde nicht mehr gekocht, sondern zubereitet. Im Biomarkt wanderte gefühlt die halbe Obst- und Gemüseabteilung in meinen Einkaufskorb. Meine gekochte vegane Ernährung ist sowieso relativ unkompliziert – Smoothies, Salate und Hülsenfrüchte habe ich einfach in meine rohvegane Ernährung übernommen. Nach einer Vorbereitungszeit von lediglich einer Woche bin ich problemlos und stressfrei von Vegan auf Rohvegan umgestiegen. Und obwohl ich mich schon immer „gesund vegan“ und nicht mit „Pommes und Sojapudding“ ernährte, konnte ich einen deutlichen Unterschied bezüglich meines allgemeinen Wohlfühlens feststellen. 

 

Vegan und Rohvegan im Vergleich 

Vegan lebe ich für die Tiere und die Umwelt. Rohvegan esse ich für mich. Die vegane Lebensweise mit gekochter Nahrung wird bei mir immer über der rohveganen Ernährung stehen. Dennoch kann ich jedem ein Reinschnuppern in diese wunderbare, vitamin- und nährstoffreiche Rohkosternährung nur empfehlen. Und wer weiß? Vielleicht macht sie so viel Spaß und gibt so viel Energie, dass sie bald ein fester Bestandteil des täglichen Speiseplans wird!


Abb: © Björn Lexius

ISBN: 978-3-9814621-6-6

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