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Serie – Deutschland neu erfinden

 

Die Verfügbarkeit von Energie ist das Schicksalsthema aller “modernen” Zivilisationen. In der sich abzeichnenden Energiekrise und der sich zuspitzenden Klimaveränderung haben die alten Strukturen keinen Platz mehr. Die Energieversorgung von morgen ist dezentral.

Die Serie -Deutschland neu erfinden- will zeigen, wie rein profitorientierte Interessen die Abhängigkeit des Konsumenten schamlos ausnützen. Mit dieser bewusst installierten Abhängigkeit wird Druck auf die Politik ausgeübt faule Kompromisse einzugehen, was dazu führt, dass unsere Umwelt unnötigerweise weiter aus dem Gleichgewicht gerät und fortgesetzt mit unserer Gesundheit gespielt wird. Das Festhalten an den bestehenden Verhältnissen verhindert den Strukturwandel der Wirtschaft und gefährdet Deutschland als Wirtschaftsstandort.

Das Buch, welches Angela Merkel auf dem Kongress des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) peinlich berührt zum Geschenk erhielt, lässt tief blicken. “Kochen mit Strom” so der Titel, zeigt allzu deutlich, welche Art von Verhältnis die deutsche Stromwirtschaft zu einer möglichen Kanzlerin Merkel zu pflegen gedenkt. So ernst scheint man die gute Frau jedenfalls nicht zu nehmen, Ihre Ankündigung, den im Jahr 2000 durch Rot-Grün mühsam mit den Versorgern  ausgehandelten Atomausstieg im Falle einer Regierungsübernahme durch CDU und FDP zurückzunehmen und den Betreibern die Laufzeit ihrer Atomkraftwerke freizustellen, wird von diesen mehr als begrüßt. Schließlich werden die großen vier der Branche, Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, die 85% des Strommarktes in Deutschland kontrollieren, um ca. 10 Mrd. Euro Kosten entlastet. Frau Merkel überschätzt sich, wenn sie glaubt, die Stromkonzerne im Gegenzug zur Strompreissenkung veranlassen zu können, damit die Wirtschaft durch geringere Energiekosten weniger belastet wird. Preissenkungen lehnen die Versorger jedoch strikt ab. In einem liberalisierten Strommarkt könne es keine staatlichen Strompreise geben. Nur der Markt reguliert den Preis und damit auch die Profite, so die Konzerne.

Diese Ansichten erinnern stark an eine Fehlentscheidung der Regierung Schröder. Die Übernahme der Ruhrgas AG durch den Stromgiganten Eon. Obwohl  die Kartellbehörden die Übernahme nicht genehmigten, weil sie eine zu große Machtkonzentration und steigende Erdgaspreise befürchteten, wurde der Deal durch eine Ministererlaubnis unter Werner Müller abgesegnet. Wie sich heute zeigt, war es zutiefst naiv von Schröder zu glauben, die Energiewirtschaft würde in einem Pakt für Arbeit ihren Teil zur Sicherung der Arbeitsplätze in Deutschland beitragen. Die Folgen des Zusammenschlusses von Ruhrgas und Eon: fehlender Wettbewerb durch Verdrängung der Konkurrenz, drastische Erhöhung der Erdgaspreise und Arbeitsplatzabbau in energieintensiven Branchen, um gestiegene Energiekosten aufzufangen.

Frau Merkel wird, naiv wie sie scheint, in den gleichen Fettnapf treten. Die Stromkonzerne werden die zusätzlichen Profite aus dem Weiterbetrieb ihrer Atomkraftwerke gerne mitnehmen die Risiken und die Entsorgung jedoch dem Steuerzahler überlassen.Gänzlich unwahrscheinlich erscheint, dass aus diesem Kuhhandel zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Im Gegenteil. Längere Laufzeiten der Altanlagen bedeuten, dass weder für den Rückbau noch für Kraftwerksneubauten in absehbarer Zeit Investitionen getätigt werden müssen und damit Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen werden. Der bittere Nebeneffekt wäre, dass die Stromwirtschaft ihre Rückstellungen in Höhe von über 30 Mrd. Euro, die sie für den Rückbau der Altanlagen bisher der Besteuerung entziehen konnte, weiter zweckentfremden kann.

 

Atomenergie ist nicht wirtschaftlich

Preiswerten Atomstrom gibt es in Deutschland nur, weil die gesamten Forschungs- und Entwicklungskosten von 17 Mrd. Euro durch die SteuerzahlerInnen getragen wurden. Für die Kosten der Entsorgung des hochradioaktiven Abfalls ist ebenfalls der Steuer- zahler zuständig, obwohl es weltweit kein sicheres Endlager gibt,  geschweige denn die Kosten hierfür auch nur annähernd kalkuliert werden können.
Auch das Risiko eines Reaktor-Unfalls kann hierzulande nur bis zu einer Schadensumme von 2,5 Mrd. Euro abgesichert werden. Höhere Risiken sind nicht versicherbar. Das Restrisiko trägt der Staat, also der Steuerzahler (falls dann noch vorhanden).
Der größte Atomkraftbetreiber in England, British Energy, mußte 2002 einen Kredit der Regierung in Höhe von 650 Mio Pfund (955 Mio. Eur) in Anspruch nehmen, um der Pleite zu entgehen. Auch die französiche  EdF ächzt unter 19,7 Mrd. Euro Schulden und veralteten Atomanlagen, die allesamt abgerissen und erneuert werden müssen.

 

Der Atomenergie geht der Saft aus

Die Werbeanzeigen der Atomlobby stellen die Atomkraft gerne als Zukunftsenergie und Rettung vor der Klimakatastrophe dar. Wenn es mit den fossilen Energieträgern zu Ende geht, wird es längst kein Uran mehr geben. Uran ist die mit Abstand kümmerlichste unter den konventionellen, endlichen Energiequellen. Nach Angaben der internationalen Uranlobby, sind die Uranreserven derart gering, dass sie es nicht einmal auf 5 % der bekannten fossilen Energiereserven bringen. In dieser Zahl sind außer den sicheren auch noch die „vermuteten“ Reserven enthalten!

Das Bayerische Wirtschaftsministerium, das die Atomkraft sicher nicht diskreditieren möchte, beziffert die Reichweite des Energieträgers Uran weltweit auf lediglich 37 Jahre, deutlich weniger als Öl oder Gas. Dass es überhaupt noch Uran auf der Erde gibt, haben wir dem schleppenden Ausbau der Atomkraft zu verdanken: 1975 prophezeite das „red book“ das Ende aller bekannten und vermuteten Uranlager für das Jahr 1999 (falls der Zuwachs der Atomkraftwerke wie geplant vorangehe). Aber die Prognose aus dem Jahr 1975 lag fünffach über der Reaktorleistung, die im Jahre 1999 tatsächlich zu verzeichnen war. Die Galgenfrist wurde also verlängert. Seit den 70er Jahren wurde weit mehr Uran verbraucht, als an neuen Ressourcen entdeckt wurde.

 

Atomenergie ist Klima feindlich

Mangels Masse kann die Atomkraft den Treibhauseffekt nicht drosseln. Sie verschiebt den vollen Einsatz fossiler Brennstoffe bestenfalls um ein paar Jahre. Damit ist aber für das globale Langzeitproblem Klimaveränderung nichts gewonnen. Noch schlimmer: Die Energieschwemme, die die Atomkraft in einigen Industriestaaten verursacht hat, rückt die eigentliche Waffe im Kampf gegen den Treibhauseffekt, die Energieeffizienz und die Erneuerbaren Energien aus dem Fokus und zögert fatalerweise ihren Einsatz um Jahrzehnte hinaus.

 

Atomenergie verbraucht zuviel Wasser

Kohle- und Atomkraftwerke haben einen gigantischen Wasserbedarf, da sie Wasser zur Kühlung benutzen und dabei große Mengen verdunsten. Insgesamt benotigen unsere Kraftwerke 26 000 000 000 000 (Billionen!) Liter Wasser pro Jahr und geben dies entweder als Wasserdampf an die Atmosphare oder aufgeheizt in die Flüsse ab. Zum einen ist Wasserdampf wie CO2 ein so genanntes Treibhausgas und trägt zur Klimaerwärmung bei. Während der Hitzewelle in Europa im August 2003 mussten mehrere deutsche Atomkraftwerke heruntergefahren oder ganz abgeschaltet werden, weil die Flüsse nicht mehr genug Wasser für den enormen Kühlwasserbedarf führten.

 

Atomenergie ist nicht sicher

Immer wieder betont die Atomindustrie, dass deutsche Atomkraftewerke zu den sichersten der Welt gehören. Dem ist mitnichten so. Vor allem die Reaktoren Biblis A und B, Brunsbüttel und Neckarwestheim 1 gehören zu den störanfälligsten Reaktoren Deutschlands. Das Risiko eines schweren Unfalls sei bei diesen Anlagen drei- bis viereinhalbmal, bei Biblis A sogar neunmal so hoch wie bei neueren Kernkraftwerken,  so der Greenpeace-Experte Thomas Breuer.

Als Physikerin ist sich Frau Merkel hoffentlich bewußt, welche Verantwortung die Laufzeitverlängerung der Atomanlagen mit sich bringt, Nicht die Betriebsdauer in Jahren, sondern die tatsächliche Abnutzung eines Atomkraftwerkes durch die Auswirkungen des Neutronenbeschusses auf den Stahl des Reaktorkerns, ist das ausschlaggebende Kriterium für die Bewertung der Sicherheit eines Meilers. Störfälle, Schnellabschaltungen, Überhitzungen lassen den Stahl durch erhöhte Neutronenstrahlung verspröden.
Zudem sind sämtliche Atomkraftwerke nicht ausreichend gegen Terrorangriffe geschützt. Keines von ihnen würde den Absturz eines großen Verkehrs- flugzeuges überstehen. Mit dem Festhalten an der Kernenergie setzen wir die falschen Zeichen und ermuntern andere Staaten es uns gleich zu tun. Der Iran ist ein Beispiel dafür.

Der Union als auch der SPD fehlt es an geigneten Konzepten neue Wettbewerber mit eigener Kraftwerksleistung in das deutsche Netz zu bringen. Bisher machen sich die großen vier Eon, RWE, Vattenfall und EnBW praktische keine Konkurrenz.

 

Strom aus der Küche

E.ON Großbritannien ordert 80.000 Kleingeneratoren mit Kraft-Wärme-Kopplung für ihre Privatkunden.
Von Jeffrey H. Michel (25. August 2004, akualisiert 7. Juni 2005) aus: Neues Deutschland

Die deutschen Energiekonzerne gelten allgemein als Gegner der dezentralen Stromeinspeisung. Doch nun will der britische Strom- und Gasversorger Powergen, eine Tochter des deutschen Konzerns E.ON, unzählige Kleingeneratorenen unters Volk bringen. Wie die englische Presse berichtet, hat Powergen 80.000 Mikro-Generatoren bei der Firma Whisper Tech in Neuseeland bestellt. Sie sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre an Stromkunden des britischen Energieversorgers ausgeliefert werden. Diese Kleinanlagen können neben Warmwasser auch Elektroenergie erzeugen. Der übliche Heizkessel wird ersetzt, wodurch das öffentliche Netz entlastet wird. Überschüssige Strommengen können zur Vergütung ins Powergen-Netz eingespeist werden. Das Unternehmen hofft so, die Wahrscheinlichkeit von Flächenabschaltungen (Blackouts) zu verringern. Gleichzeitig würden auch weniger Großkraftwerke und Überlandleitungen benötigt. Die Planung bei Powergen sieht vor, bis 2020 mindestens 30 Prozent aller Haushalte im Vereinigten Königreich mit der neuen Technik auszurüsten. Die Nutzung von Heizwärme zur gleichzeitigen Stromerzeugung kann einen wesentlichen Beitrag zum britischen Klimaschutzziel einer 60prozentigen CO2-Reduzierung bis 2050 leisten.

Was für Großbritannien gut ist, scheint nach Ansicht der E.ON-Zentrale noch lange nicht gut für Deutschland zu sein. Auf der Website des Konzerns sucht man jedenfalls vergeblich nach einem Hinweis auf die deutsche Markteinführung des Mikro-Generators. Am 5. Oktober 1955 wurde das „Bundesministerium für Atomfragen“ geschaffen. Atomminister Strauß erklärte die Kerntechnik sofort zur „bundesdeutschen Existenzfrage“. Wer wird den Kampf um die gewaltigen Zukunftsmärkte der Atomenergie gewinnen? Kann Deutschland mithalten oder wird es untergehen?

Sein Nachfolger Siegfried Balke wurde noch deutlicher: „Wenn wir keine Kernkraftwerke anzubieten haben, werden wir eines Tages auch keine Staubsauger mehr verkaufen.“

Und der SPD-Abgeordnete Ratzel warnte im deutschen Bundestag dramatisch, es müsse verhindert werden, dass die Deutschen zu einem „atomar unterentwickelten Volk“ würden.

1957: – 18 deutsche Wissenschaftler warnen vor einer Atombewaffnung der Bundeswehr und lehnen jede Mitwirkung ab.

Die Bundesregierung erklärt gemeinsam mit Vertretern der Wissenschaftler (u.a. Hahn und C.F. v.Weizsäcker) „dass die Bundesrepublik nach wie vor keine eigenen Atomwaffen produzieren wird.“

Verteidigungsminister Franz Josef Strauss über Otto Hahn: „Ein alter Trottel, der die Tränen nicht halten und nachts nicht schlafen kann, wenn er an Hiroshima denkt.“

Wasserverbrauch von Kraftwerken in Liter Wasser pro Kilowattstunde
Kohlekraftwerk: Durchlaufkühlung: 1,2 l/kWh, Kühlturm: 2,6 l/kWh
Öl- /Erdgaskraftwerk: Durchlaufkühlung: 1,1 l/kWh, Kühlturm: 2,6 l/kWh
Atomkraftwerk Leichtwasserreaktor: Kühlturm: 3,2 l/kWh
Quelle: Ole von Uexküll

Stichwort Ministererlaubnis
Wirtschaftsminister Werner Müller wollte seinerzeit über die Ministererlaubnis zur Übernahme der Ruhgas AG durch Eon nicht selbst entscheiden. Stattdessen beauftragte er seinen Staatssekretär, Alfred Tacke mit der Genehmigung.

Alfred Tacke wurde nach dem Ausscheiden aus dem Wirtschaftsministerium Vorstandsvorsitzender des Stromversorgungsunternehmens Steag.

Steag ist ein Tochterunternehmen der mittlerweile von Werner Müller geleiteten Ruhrkohle AG. (RAG).
Die RAG wiederum befindet sich zu 39,2% im Besitz von Eon.
Weitere 21,9% der RAG gehören RWE, 20,6% hält die ThyssenKrupp AG.

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