Anzeige

Kaum jemand der sich nicht mit der Materie beschäftigt, hat eine Vorstellung davon, welche Institutionen die ganz großen Geldsammelstellen dieser Welt sind, wieviel Monetäres dort zusammenkommt und was mit diesem gigantischen Anlagevermögen geschieht.

Man kann sich dem Eindruck nicht entziehen, dass überall das Geld knapp wird. Gestrichenes Weihnachtsgeld, Renten-Nullrunden, Lohnkürzungen, Kündigungen. Andere hingegen haben ein recht komfortables Problem mit Geld.
Sie wissen nicht wohin damit.

Wenn der Energieversorger Eon angesichts der hohen Strompreise und der angekündigten Erhöhung der Gaspreise das Problem plagt, seinen Bargeldbestand von 15,3 Mrd. Euro für Firmenzukäufe nicht ausgeben zu können, weil keine geeigneten Objekte zu finden sind, dann wird man kritisch und nachdenklich. Dabei ist Eon kein wirklich großer Player, eher ein Getriebener der Anteilseigener in diesem globalen Monopoly.
Die wirklichen Akteure sind die großen Investment- und Pensionsfonds sowie die Vermögensverwalter der Banken und Versicherungen. Sie heißen Calpers, Norwegischer Petroleumfonds, Allianz Global Investors und UBS. Sie sind die Giganten der Branche und sie vereint ein ernst zu nehmendes Problem. Dauerhaft renditestarke und nachhaltig sichere Anlagen für die Ihnen anvertrauten Gelder zu finden, wird immer schwieriger.
Calpers. Die Abkürzung steht für California Public Employees’ Retirement System und ist ein Rentenfonds für öffentliche Angestellte in Kalifornien. Zurzeit beläuft sich das verwaltete Fondsvermögen auf 196 Milliarden Dollar. Das enstpricht dem Bruttoinlandsprodukt von Portugal. Durch den Zusammenbruch des Energiehändlers Enron und der Pleite der Telefongesellschaft Worldcom hat Calpers rund 850 Millionen Dollar verloren. Ein schwerer Schlag für die Fondsinhaber, die Rentner und Pensionäre, die der Renditeorientierung Calpers vertrauen. Ist Calpers profitabel, sind die Renten der Mitglieder hoch. Wenn nicht, droht Armut im Alter. Aufgeschreckt duch die zunehmenden Klimakatastrophen entwickelt der Fonds nun auch langfristige Ziele. So setzt der Pensionsfonds im Rahmen des “Carbon Disclosure Project”die großen Konzerne unter Druck, ihren Kohlendioxid-Ausstoß zu veröffentlichen und fordert dazu auf gegen die Erderwärmung zu kämpfen. Die Argumentation des Fonds, gutes Verhalten im Umwelt- und Klimaschutz, ist langfristig auch gut fürs Geschäft. Damit vertritt Calpers auch langfristig die Interessen des normalen staatlichen Angestellten und nicht die der Super-Reichen.

Der Norwegische Petroleumfonds

Norwegen ist nach Russland und Saudi-Arabien der drittgrößte Ölexporteur der Welt. Die Regierung legt seit 1996 den Großteil des Geldes, das sie aus Steuern auf Ölgeschäfte und aus Gewinnen staatlicher Fördergesellschaften bezieht, in ausländischen Aktien und Wertpapieren an. Vier Prozent des Fondsvolumens dürfen dabei jährlich entnommen und dem laufenden Staatshaushalt zugeführt werden. Ende Oktober 2005 erreichte das Fondsvermögen 198 Mrd. Dollar, welches gerade einmal 4,2 Mio. Norwegern zu Gute kommt. Auch dieser Petroleumfonds hat sich mit 142 anderen Investmentgesellschaften  im “Carbon Disclosure Project” zusammen geschlossen.
Dieser jährliche Bericht über die CO2-Emissionen der weltweit 500 größten Firmen ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Die deutsche Wirtschafts- und Finanzbranche ignoriert die CO2-Emissionen der Konzerne als Faktor für die Unternehmensbewertung. Noch, denn z.Zt. läuft es prima für die Dax-Konzerne, weil die Gewinne binnen einen Jahres um 60% und die Dividenden um 40% gestiegen sind. Statt die Anlagekriterien den neuen Umwelt- und Ethikstandards anzupassen, treiben die Investmentbanker die Betriebe lieber weiter in dieselbe Richtung wie die Manager, um an den Gewinnen zu verdienen, den sie dem beherrschten Betrieb abnehmen. Besonders die Steuervermeidung durch Transferpricing, bei dem die Tochterfirmen in Niedrigsteuerländern überhöhte Rechnungen an ihre Muttergesellschaften in Deutschland ausstellen, wodurch die Gewinne bei den Töchtern, die Kosten aber bei den Muttergesellschaften entstehen, ist beliebt. Dem Staat entzogen die deutschen Konzerne auf diesem Wege allein im Jahre 2003 etwa 14 Milliarden Euro an Steuern.
Die Dividenden der Aktionäre konnten die deutschen Manager wohl kaum „am Markt“ verdienen. Die speisen sich aus Lohneinsparungen und Arbeitsplatzverlagerungen. Man kann behaupten, dass die Massenentlassungen zu Gunsten der Aktionäre und der Investmentfonds stattfinden.
Die Beitragszahler, sagte Phil Angelides, der Vorstand des kalifornischen Pensionsfonds Calpers, „sollten ihre Rechte als Eigentümer wahrnehmen: Das Zeitalter der Kurzsichtigkeit ist zu Ende. Wir müssen uns wieder auf Dinge von nachhaltigem Wert konzentrieren.“
Auch der Treuhänder des Pensionsfonds der Angestellten New Yorks (NYCERS), William Thompson, kündigte an, er werde „die Politik des Fonds nach Umweltgesichtspunkten und Menschenrechtsgesichtspunkten ausrichten“, und dabei versteht er auch Arbeit als ein Menschenrecht.

Die Allianz Global Investors ist mit  1.234 Milliarden US$ verwaltetem Vermögen zweitgrößter Vermögensverwalter der Welt.

Größer ist nur noch die Schweizer UBS – die größte Privatbank der Welt, mit einem Anlagevermögen von 1.800 Milliarden US$.

Bereits zum dritten Mal führt das Carbon Disclosure Project  (‚Projekt für die Offenlegung der CO2-Emissionen von Unternehmen‘) seine Umfrage zu Treibhausgas-Emissionen durch, die sich an die 500 größten Unternehmen der Welt richtet und von 143 Investoren unterzeichnet wurde, welche 20 Billionen Dollar an Anlagegeldern vertreten.

Allianz Global Investors ist seit Projektstart im Mai 2002, am Carbon Disclosure Project beteiligt und stellt gegenwärtig den größten unterzeichnenden Vermögensverwalter. Damit bei einer Investition Aspekte wie Klimawandel oder Unternehmensführung besser eingeschätzt werden können, haben sich Teile der Allianz Global Investors geeinigt, fünf Prozent ihrer Broker- Provision an die Broker abzugeben, die diese Aspekte in deren Auswahl am meisten berücksichtigen.

www.cdproject.de

Hinterlasse einen öffentlichen Kommentar

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*