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Genuss ohne Reue  

In der Naturheilkunde stammt das Wort Droge von »trocknen«, weshalb Fachleute auch bei Tee von einer Droge sprechen.

Historisches

Seit über 5000 Jahren ist Tee in Asien als Heil- und Genussmittel bekannt. Sowohl in China als auch in Indien wird in zahlreichen Anekdoten der Tee als erquickendes und stimmungsaufhellendes Heilkraut charakterisiert. Da die Ur-Teepflanzen Camellia sinensis ursprünglich nur in China und ihre Schwesterpflanze Camellia assamica ausschließlich in Indien zu finden war, ist ein Entdecken unabhängig voneinander durchaus denkbar. Wahrscheinlich sind jedoch die ältesten Teewurzeln in China zu finden.

Verarbeitung

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Alle Teesorten entstammen der Familie der Kameliengewächse. Durch unterschiedliche Behandlung entstehen der grüne Tee und mit zunehmender  Behandlungsintensität die halbfermentierten Oolong-Tees und der in der westlichen Welt weitaus bekannteste, der schwarze Tee mit all seinen aromatisierten Varianten. Nach dem Pflücken müssen die Blätter schnellstens verarbeitet werden. Bei grünem Tee wird im Gegensatz zum schwarzen Tee eine Fermentierung weitgehend vermieden. Durch kurzzeitiges starkes Erhitzen, durch Abbrühen in kochendem Wasser oder durch eine Behandlung mit Wasserdampf werden Bakterien und Enzyme (Fermente) abgetötet, die bei den über vierhundert Inhaltsstoffen eine chemische Reaktion mit Sauerstoff eingehen könnten. Ob geröstet oder gedämpft, der grüne Tee behält immer seine ursprüngliche dunkel- bis olivgrüne Farbe. Der Saft der frischen Teeblätter bleibt unbeschädigt in der Zelle und kann sich in der Teetasse natürlich und unverfälscht entfalten.

Genuss

Egal in welchem Land Tee getrunken wird, überall sind freudige, entspannte Rituale zu finden. Die Menschen genießen das entspannte Miteinander und den Tee. Die japanische Teezeremonie „chad“ oder auch „sad“ wirkt in ihrer fast bedrückenden Strenge nicht auf jeden heiter und entspannend. Tee-Meister Riky legte als ihr Schöpfer die vier Grundprinzipien der Teezeremonie fest: Wa (Harmonie), Kei (Respekt), Sei (Reinheit) und Jaku (Ruhe). Um dem geladenen Gast die Möglichkeit zur inneren Einkehr zu bieten, findet die Zusammenkunft in einem bewusst schlicht eingerichteten Teehaus statt.
Ganz anders die weit weniger bekannte, chinesische Teezeremonie „Gong Fu Cha“. Den ersten, sehr kurzen Aufguss soll man sofort wegkippen, den Tee waschen. (»Die erste Tasse für den Feind – die zweite Tasse für den Freund.«). Der in China fast ausschließlich getrunkene Lu chá (grüner Tee) kann bei sehr guten Teesorten bis zu 15-mal aufgegossen werden, wobei jeder Aufguss einen anderen Charakter aufweist. So spricht denn auch die Volksseele: »Der erste Aufguss ist der Aufguss des guten Geruchs – der zweite Aufguss ist der Aufguss des guten Geschmacks – der dritte Aufguss ist der Aufguss der langen Freundschaft«.

tee3.jpg In der arabischen Männerwelt haben die Teehäuser eine zentrale Bedeutung im gesellschaftlichen Leben. Man trifft sich, tauscht sich aus, diskutiert die Neuigkeiten. Es wundert kaum, dass Tee im gesamten vorderen Orient und in Asien unter gleichklingenden Namen „cha“, „chai“, „çay“ „shai“ (sprich Tschei), in den Teehäusern bestellt werden kann. Eine große Vielfalt unterschiedlicher Teesorten wird auf dem Weltmarkt gehandelt. Ob in Teebeuteln, als loser Tee oder in kunstvoll geflochtenen Teerosen; alle Sorten erwachen in heißem Wasser zu einem wärmenden Gaumenschmaus. Jeder Tee bringt das Klima und einen Teil der Kultur des jeweiligen Landes zu uns. Ob pur, gesüßt oder mit Milch und Gewürzen getrunken, wir können über den Gaumen eine Reise in ferne Kulturen unternehmen. Frisch aufgegossen oder aus dem Samowar, Tee erquickt die Seele, führt Menschen zusammen, stärkt somit die Volksseele. 
Dabei sollten wir nicht vergessen, dass hinter´m Deich, im vergleichsweise winzigen Ostfriesland, eine ganz eigene Teekultur gepflegt wird. Wir müssen also zum persönlichen Kennenlernen nicht immer in ferne Länder reisen.

2. Bild von oben: Mu Dan Teerose
3. Bild von oben: Teekunst
Fotos: Wolfgang Heuhsen

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